Winterbach

Kinder im Verein besser schützen

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Symbolbild. © Christine Tantschinez
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Schutzkonzepte wie die des VfL schrecken potenzielle Täter ab, meint Matthias Reinmann von der Württembergischen Sportjugend.
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Die VfL-Schutzbeauftragten: Lisa Huttelmaier, Manuel Lederer und Alice Uetz (v. l. n. r.). © Benjamin Büttner

Winterbach. „Es ist dem VfL Winterbach seit jeher besonders wichtig, das Kindeswohl zu schützen und an die erste Stelle zu setzen“, sagt Vorstand Wilfried Steiner beim Infoabend zum Kinderschutz in der Kelter. Deshalb hat der VfL Winterbach zusammen mit Matthias Reinmann von der Württembergischen Sportjugend ein vereinsinternes Präventionskonzept entwickelt und drei Schutzbeauftragte ernannt.

Kinderschutz ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Dies ist unter anderem daran zu erkennen, wie viele Zuhörer sich in der Kelter eingefunden haben, um mehr zum Präventionskonzept des Vereins und zum Thema sexualisierte Gewalt im Sport zu erfahren.

Klare Verhaltensregeln definieren den richtigen Umgang mit Kindern

Der VfL Winterbach habe sich dazu entschieden, ein Präventionskonzept zu erstellen, da es immer wieder Vorfälle in Vereinen gebe, die in den Medien große Aufmerksamkeit erregten, erklärt Wilfried Steiner, einer der zwei Vorstände. Er betont aber: „Es gab und gibt im VfL nie einen Anlass, und das soll auch so bleiben.“ Dazu soll das Präventionskonzept beitragen. Es richtet sich sowohl an die im Kinder- und Jugendbereich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als auch an die Kinder und Jugendlichen und deren Eltern. Konkret beinhaltet das Konzept zum Beispiel die Ernennung der Schutzbeauftragten Lisa Huttelmaier, Alice Uetz und Manuel Lederer. Alle drei sind im Verein aktiv und daher leicht ansprechbar. An sie können sich die Kinder und Jugendlichen im Ernstfall vertrauensvoll wenden. Außerdem müssen alle Mitarbeiter, die regelmäßig eine Gruppe im Kinder- und Jugendbereich leiten, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Die Mitarbeiter halten sich im Umgang mit den Kindern an einen Verhaltensleitfaden, der ebenfalls im Präventionsprogramm festgeschrieben ist. Dieser legt genaue Verhaltensregeln fest, wie zum Beispiel: „Ich halte die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes ein.“ Sie dienten laut Steiner zum beidseitigen Schutz der Kinder und der Übungsleiter oder Betreuer, denn Letztere wüssten dadurch genau, wie sie handeln müssen.

Fürs Thema sensibilisieren

Wichtig sei auch, dass die Mitarbeiter im Rahmen des Konzepts Wissen vermittelt bekommen, das sie für das Thema sensibilisiert. Falls dann doch einmal eine kritische Situation entstehen sollte, kann sie so schon im Frühstadium erkannt und abgewendet werden, hofft der VfL.

Als „Qualitätsmerkmal für den Verein“ bezeichnet Referent Matthias Reinmann von der Württembergischen Sportjugend das Schutzkonzept. Es schrecke potenzielle Täter von Beginn an ab, wenn ein Führungszeugnis gefordert werde, Verhaltensregeln festgelegt seien und sie mit sensibilisierten Vereinsmitgliedern zu tun haben. „Sie wählen den Weg des geringsten Widerstands“, und viele Vereine nähmen jeden ehrenamtlichen Trainer mit offenen Armen in Empfang.

„Schon eine Grenzverletzung prägt ein Kind ein Leben lang“

Dabei sei die Prävention gegen Kindeswohlgefährdung gerade in Sportvereinen elementar wichtig. In vielen Sportarten sind Berührungen wie beispielsweise Hilfestellungen unvermeidbarer Bestandteil des Bewegungsablaufs, was eventuell Anlass zu übergriffigen Berührungen bieten könnte. Übungsleiterinnen und Übungsleiter könnten darüber hinaus ihre Machtposition und ihre Stellung als Vertrauensperson ausnutzen, um den Kindern und Jugendlichen zu nahe zu kommen.

„Schon eine Grenzverletzung prägt ein Kind ein Leben lang“, betont Reinmann. Es müsse nicht zu einem sexuellen Übergriff kommen, damit sich Kinder unangemessen behandelt fühlten. Trainer und Jugendleiter müssten sich also immer in die ihnen anvertrauten Kinder hineinversetzen und ihr eigenes Handeln überdenken.

Oft, sagt Reinmann, seien alle Beteiligten zu wenig informiert über das Thema, das eine enorme Feinfühligkeit von den Erwachsenen gegenüber betroffenen Kindern und Jugendlichen verlange. Eine Sensibilisierung, wie sie beim VfL Winterbach stattfindet, fördert den offenen Umgang mit dem schwierigen Thema. Vorstand Steiner ist deshalb froh, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendarbeit positiv auf das Schutzkonzept reagiert haben und sich insbesondere auch die Jugendleiter der Sache angenommen und die Aktivitäten unterstützt haben.

Dunkelziffer ist sehr hoch

Die Dunkelziffer bei Kindeswohlgefährdungen ist sehr hoch. Die wenigsten Fälle gelangen an die Öffentlichkeit oder kommen zur Anzeige.

Menschen mit Behinderung werden etwa doppelt so oft Opfer sexueller Gewalterfahrung wie Menschen ohne Behinderung.

Kinder müssen im Durchschnitt siebenmal einen Erwachsenen ansprechen, wenn sie Opfer sexueller Gewalt wurden, bis sie von jemandem Unterstützung erfahren.

Drei Viertel der Täter und Täterinnen sind Familienangehörige oder direkte Bekannte der Kinder.

Die Täter sind oft gut in den Vereinen integriert und verfolgen ihren Plan Schritt für Schritt. Sie suchen sich isolierte Kinder aus, machen ihnen Geschenke und teilen Geheimnisse.

Beratung gibt es bei www.hilfeportal-missbrauch.de oder bei der Württembergischen Sportjugend.