Winterbach

Klimaprotest auf B29 bei Aalen: Auch Clemens Schlink aus Winterbach war vor Ort

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Straßenblockade in Aalen: Der Winterbacher Clemens Schlink (mit der grünen Mütze) war mit dabei. © Lars Reckermann/GT

Mit einer Straßenblockade haben Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ am Montagmorgen (21.11.) für knapp anderthalb Stunden den Berufsverkehr auf der B 29 bei Aalen lahmgelegt. Vor Ort war auch der 79-jährige Clemens Schlink aus Winterbach. Wir haben mit ihm über die Protestaktion gesprochen.

Schlink musste schon für sechs Tage ins Gefängnis 

„Die Autofahrer waren natürlich sauer – wie immer“, sagte Schlink gegenüber unserer Redaktion. Für Schlink war es schon die siebte Blockade in diesem Jahr. Zuletzt war der frühere Schorndorfer Grünen-Stadtrat in München sogar für sechs Tage im Gefängnis gelandet – Präventivhaft.

Er ist allerdings überzeugt, dass die Aktionen richtig und wichtig sind, damit sich etwas bewegt angesichts der existenziellen Bedrohung durch den Klimawandel. Dass ein möglichst klimaschonendes Leben, wie er es selbst konsequent führt, nicht reicht. Erst kürzlich sagte er unserer Redaktion: „Ich werde weiter blockieren.“

Gesagt, getan. In Aalen haben sich zum Wochenstart Schlink und drei weitere Klimaaktivisten gegen 7.45 Uhr auf Höhe der Einmündung zur Daimlerstraße versammelt und den Verkehr in Richtung Heidenheim blockiert. Zu Beginn bei strömendem Regen. „Der Verkehr staute sich zeitweise bis nach Mögglingen zurück“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Die Autos wurden über das Industriegebiet-West aus- und umgeleitet.

Auf der Straße festgeklebt

Zwei Aktivisten haben sich später noch mit Sekundenkleber auf der Fahrbahn festgeklebt. Die beiden anderen Männer – unter anderem Schlink – haben nach Aufforderung der Polizei die Fahrbahn verlassen. Ihnen wurde neben der Straße ein „von der Versammlungsbehörde alternativ zugewiesener Versammlungsort“ auf einem Parkplatz zugeteilt. „Dort wurden unsere Personalien aufgenommen“, so Schlink. 

Die Polizei sowie die zuständige Versammlungsbehörde der Stadt Aalen wussten von der Aktion im Vorfeld nichts, eine erforderliche Anmeldung sei nicht erfolgt. „Wir fordern von der Bundesregierung die Einführung eines Neun-Euro-Klimatickets und ein Tempolimit von 100 km/h auf deutschen Autobahnen. Das würde schnell und einfach wirken. Wir brauchen jetzt schnelle Maßnahmen“, sagte der Aktivist Moritz Riedacher der Gmünder Tagespost.

Seit Monaten blockiert die Gruppe „Letzte Generation“ deutschlandweit immer wieder Straßen und Autobahnen und fordert einen „Stopp des fossilen Wahnsinns“. In den vergangenen Wochen hatten sich Klimademonstranten auch an Gemälden festgeklebt oder sie mit Lebensmitteln bespritzt. Keines der Gemälde war allerdings beschädigt worden, weil sie durch Glas geschützt waren. Die Aktivisten betonen, sie wollten mit den Aktionen ihrer Forderung nach einem entschiedeneren Kampf gegen den Klimawandel Nachdruck verleihen.

Mit dabei ist auch Clemens Schlink. Und er ist beileibe kein Neuling als Aktivist. In den 80er Jahren war er in Mutlangen bei den Protesten gegen die Stationierung amerikanischer Pershing-Raketen dabei, er wurde bei einer Blockade von der Straße getragen und mit einer Geldbuße belegt – die Jahre später vom Bundesverfassungsgericht wieder zurückgenommen wurde. Bei den Protesten gegen die Wiederaufbereitungsanlage für Atombrennstäbe in Wackersdorf war er ebenfalls vor Ort.

Warum sich Schlink nicht auf der Straße festklebt

Im August 2022 war der Berufsschullehrer im Ruhestand dann zum ersten Mal bei einer Straßenblockade dabei. Er klebt sich dabei nicht auf dem Asphalt fest, wie es viele Aktivisten der „Letzten Generation“ machen, damit sie nicht so einfach weggetragen werden können. Schlink sitzt dann wegen der Rettungsgasse in der Mitte. Das heißt: Würde ein Rettungsfahrzeug kommen, könnte er schnell Platz machen, damit es durchkommt. So auch am Montagmorgen in Aalen.

Letztlich wurden die an der Straße festgeklebten Aktivisten vom Malteser Hilfsdienst mit Lösungsmittel und Öl von der Fahrbahn gelöst. Vor Ort waren ein Vertreter der Versammlungsbehörde, die Straßenmeisterei sowie rund 20 Einsatzkräfte der Polizei. Auch ein Polizeihubschrauber befand sich in der Luft, der die Auswirkungen auf den Verkehr im Überblick behielt. Gegen 9.20 Uhr wurde die B 29 wieder freigegeben.  

Was den Aktivisten nun droht

„Das Verhalten der Aktivisten wird nun rechtlich geprüft, mit entsprechenden Strafanzeigen müssen sie rechnen“, heißt es aus dem Polizeipräsidium Aalen. Geprüft werde auch, inwieweit den beiden Festgeklebten einzelne Kosten des Einsatzes in Rechnung gestellt werden können. Für den Winterbacher Clemens Schlink war die Protestaktion in Aalen die vorerst letzte. „Für dieses Jahr ist für mich auf jeden Fall erst einmal Pause.“

Doch die Proteste der Klimaaktivisten werden weitergehen. Und im neuen Jahr dann vermutlich auch wieder mit Clemens Schlink. Seiner Ansicht nach habe die Menschheit nur noch ein paar Jahre zum Umsteuern. Dann seien Kipppunkte erreicht, nach denen man eine katastrophale Entwicklung des weltweiten Klimas nicht mehr abwenden könne. Folglich sieht er in den Protesten der „Letzten Generation“ die letzte Chance, das Unheil noch abzuwenden. 

Mit einer Straßenblockade haben Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ am Montagmorgen (21.11.) für knapp anderthalb Stunden den Berufsverkehr auf der B 29 bei Aalen lahmgelegt. Vor Ort war auch der 79-jährige Clemens Schlink aus Winterbach. Wir haben mit ihm über die Protestaktion gesprochen.

Schlink musste schon für sechs Tage ins Gefängnis 

„Die Autofahrer waren natürlich sauer – wie immer“, sagte Schlink gegenüber unserer Redaktion. Für Schlink war es schon die

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