Winterbach

Metzgerei Raisch in Winterbach: Rund um die Uhr Fleisch und Wurst aus Automat

Metzgerei Raisch
Metzgermeister Norbert Raisch mit dem neuen Verkaufsautomaten vor dem Laden in der Brunnengasse: Teilweise ziemlich leergekauft war das Gerät jetzt direkt am Tag nach den Weihnachtsfeiertagen. © Gabriel Habermann

Fleisch, Wurst-Aufschnitt, Saitenwürste, Wildgulasch, Kutteln, Käse, Eier und Red Bull. Das ist derzeit grob die Auswahl im Verkaufsautomaten der Metzgerei Raisch, der seit ein paar Wochen vor dem Laden steht, der zweite seiner Art in Winterbach neben dem der Metzgerei Kefer. Für die Raischs ist es eine Erweiterung, die vor allem während der Grillsaison eine neue Einnahmequelle werden soll – eine wichtige, gerade angesichts der explodierten Energiepreise, die der Metzgerei 2023 ohne staatliche Hilfe den Umsatz komplett auffressen würden.

„Wenn die Energiepreisbremse nicht kommt“, sagt Norbert Raisch, „dann arbeitest du für einen Nullinger, für nichts – nee, da würde ich vielleicht sagen, da gehe ich woanders hin.“

Doch die Preisbremse soll ja nun kommen. Nicht nur deshalb sind seine Gedanken übers Aufhören sehr theoretische Gedanken. Sich einen anderen Job suchen – nein, betont der Metzgermeister, das sei für ihn ganz weit weg. Aber er kann die Augen vor der Realität nicht verschließen, wenn er mit den Gas- und Strompreisen für das kommende Jahr rechnet.

Dieses Jahr außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Saitenwürsten

Raisch sitzt im Nebenzimmer, das an den Verkaufsraum in der Brunnengasse anschließt. Nach dem stressigen Weihnachtsgeschäft hat er etwas Luft und Zeit. „Dieses Jahr waren wir insgesamt vom Geschäft her superzufrieden.“ Auch das Weihnachtsgeschäft sei sehr gut gelaufen. Außergewöhnlich hoch sei dieses Mal vor dem Fest die Nachfrage nach Saitenwürsten gewesen. Sein Bruder Wilfried, der in der Metzgerei für die Produktion zuständig ist, habe jeden Tag neue Würste machen müssen, um die Nachfrage zu befriedigen. „Das war hart.“

Auch aus dem Verkaufsautomaten draußen sind über Weihnachten die letzten Saitenwürstchen weggekauft worden, ebenso Eier, einige Fächer in der Maschine sind am Dienstag in dieser Woche leer. Für solche Feiertage ist der Automat wie gemacht. Er spuckt ungeachtet der Ladenschlusszeiten und rund um die Uhr die gewünschten Waren aus. Das Hauptgeschäft laufe dann aber erst im Sommer, wenn Grillfleisch gefragt sei, sagt Norbert Raisch. Darüber hat er sich auch beim Kollegen Kefer informiert, der schon ein paar Jahre einen ähnlichen Automaten vor dem Laden hat.

In der Grillsaison müsse man das Gerät an Wochenenden bis zu dreimal neu auffüllen. Derzeit sei der Automat noch nicht der große Umsatzbringer, aber das sei auch nicht zu erwarten gewesen. Wobei sogar jetzt im Winter Grillfleisch immer wieder gekauft werde.

"Nimmt das jetzt den Job weg?"

Bei jungen Kunden komme das Teil ziemlich gut an, stellt Norbert Raisch fest. Ältere seien eher zurückhaltend und kritisch. Einige hätten gefragt: „Nimmt das jetzt den Verkäuferinnen den Job weg?“ Weit gefehlt, kann er da sagen: „Im Gegenteil.“ Der Automat trage dazu bei, dass kleine Betriebe wie die Metzgerei der Raischs überleben und damit Arbeitsplätze sichern. Einer Ausweitung der Öffnungszeiten seien Grenzen gesetzt, das sei irgendwann nicht mehr zu stemmen. Der Automat sei eine Möglichkeit, auch darüber hinaus ein Angebot zu machen. Raischs Hoffnung dabei auch: Vielleicht könnte dieses Angebot auch wieder mehr jüngere Kunden in den Laden bringen.

2022 war finanziell für Gastronomen und Einzelhändler wie Bäckereien oder Metzgereien kein leichtes Jahr mit der Teuerung von vielen Waren. Sie hätten eine Preiserhöhung bei Dingen wie Salz, Gewürzen oder Fleisch von 30 Prozent wegzustecken gehabt, sagt Norbert Raisch. Davon über die eigenen Preise an die Kunden weitergegeben habe man in der Metzgerei aber bislang erst etwa zehn Prozent.

Verdreifachung der Kosten für Gas und Strom

2023 werden die explodierten Energiepreise voll reinhauen. Norbert Raisch rechnet vor: Ohne Preisbremse würden 2023 aufs Jahr gerechnet 12.800 Euro fürs Gas fällig, mehr als das Dreifache der bisherigen Kosten. Ähnlich beim Strom: 30.000 Euro statt wie bisher 12.000 Euro im Jahr.

Die Energiepreisbremse soll, Stand jetzt, dann ab März kommen, das Geld für die beiden Monate davor rückwirkend ausgezahlt werden. „Das stehen wir so lange durch“, sagt Norbert Raisch. „Wir sind doch relativ gut aufgestellt. Er sei niemand, der in Panik verfalle, bevor es so weit sei. Aber: „Da kannst du nicht schlampern.“ Man müsse aufmerksam sein und gut vorausplanen.

Er kündigt auch an: „Wir werden das Messer zwischen die Zähne nehmen und gucken, was wir noch an Energiekosten sparen können.“ Ein paar Maßnahmen hat er im Kopf, zum Beispiel: die Warmtheke nachmittags abschalten. Die koste sieben Euro Strom pro Stunde. Bei vier Stunden am Nachmittag seien das 30 Euro.

Insgesamt sei es aber schwierig, runterzukommen vom Energiebedarf. Gas brauche er nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kochen für den Mittagstisch. Den könne er nicht einfach streichen. „Das Tagesessen ist ein Umsatzbringer“, sagt Norbert Raisch. „Das macht mittlerweile bestimmt 20 Prozent aus.“

Personell "zu 100 Prozent ausgelastet"

Zuletzt hatten die Raischs auch Anfragen von Firmen, die gerne Mittagessen geliefert haben wollten. „Aber da habe ich gesagt, nee, das schaffen wir nicht“, erzählt er. „So wie wir jetzt aufgestellt sind, sind wir zu 100 Prozent ausgelastet.“ Neben ihm und seinem Bruder arbeiten drei Fleischereifachverkäuferinnen für die Metzgerei. „Solange alle gesund sind, passt das.“ Im Moment sei er in der Hinsicht deswegen „rundum zufrieden“, sagt Norbert Raisch.

Fleisch, Wurst-Aufschnitt, Saitenwürste, Wildgulasch, Kutteln, Käse, Eier und Red Bull. Das ist derzeit grob die Auswahl im Verkaufsautomaten der Metzgerei Raisch, der seit ein paar Wochen vor dem Laden steht, der zweite seiner Art in Winterbach neben dem der Metzgerei Kefer. Für die Raischs ist es eine Erweiterung, die vor allem während der Grillsaison eine neue Einnahmequelle werden soll – eine wichtige, gerade angesichts der explodierten Energiepreise, die der Metzgerei 2023 ohne

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