Winterbach

Mit Handwerk und Mathematik

Geselle
Matthias Hujicek (links) mit seinem Chef Jochen Schaal: Ein Winterbacher Eigengewächs im Familienbetrieb. © Schneider / ZVW

Winterbach. Fräsen, Bohren, Drehen – die Jobbeschreibung klingt nach Handarbeit. Doch der Beruf von Matthias Hujicek besteht zum großen Teil aus Informatik. Ein Feinwerkmechaniker bewegt seine Maschinen heutzutage kaum mehr von Hand, er programmiert sie am Computer. Der 27-Jährige ist in seinem Job so gut, dass er den Bundeswettbewerb des Zentralverbands des Deutschen Handwerks gewonnen hat.

Video: Matthias Hujicek aus Winterbach ist Deutschlands bester Feinwerkmechaniker mit Schwerpunkt Zerspanungstechnik. 

Auf dem Computer-Bildschirm hat Matthias Hujicek das Teil, das er fertigen will, in diesem Fall einen Montagewinkel, den der Kunde genau so bestellt hat. Mit der Maus kann er das Modell in alle Richtungen drehen. Vor ihm liegt ein kleiner Metallblock, das Rohmaterial, aus dem der Winkel herausgefräst werden soll. Am Bildschirm setzt der Feinwerkmechaniker die Koordinaten, an denen sich die Maschine nachher orientieren soll. Außerdem sucht er aus einer Datenbank die Werkzeuge aus, mit der das Teil Schritt für Schritt bearbeitet werden soll.

Der Mercedes unter den Werkzeugmaschinen

Die CNC-Maschine selber ist ein Kasten in der Form eines größeren Kleinbusses mit einer zweiflügligen Tür an der Front. Ein Hermle Fünf-Achs-Bearbeitungszentrum, so erklärt Firmenchef Jochen Schaal, der „Mercedes unter den Werkzeugmaschinen“. Darin spannt Matthias Hujicek den rohen Metallblock ein, schließt die Türen und startet das Programm. Innerhalb von wenigen Minuten wird die vorprogrammierte Form aus dem Block gefräst.

Viel Mathe und Logik

Feinwerkmechanik, so wie sie Matthias Hujicek bei der Winterbacher Firma Schaal betreibt, ist die Kunst, eine Maschine mit den richtigen Zahlen und Befehlen zu füttern. „Es hat viel mit Mathe und Logik zu tun“, sagt er. Konventionelle Maschinen gibt es im Betrieb gar nicht, nur CNC, das steht für „Computerized Numerical Control“, zu Deutsch: „Rechnergestützte numerische Steuerung“. Beim Leistungswettbewerb der Deutschen Handwerkskammer musste Matthias Hujicek jedoch beweisen, dass er gute alte Handarbeit draufhat.

Der beste Feinwerkmechaniker mit Fachrichtung Zerspanungstechnik

Qualifiziert hat sich der 27-Jährige für den Bundeswettbewerb durch die Abschlussnote seiner Ausbildung. Mit 1,8 war er der beste Feinwerkmechaniker mit Fachrichtung Zerspanungstechnik in Baden-Württemberg. Beim Bundeswettbewerb im hessischen Nordheim musste er dann noch einmal eine verkürzte Abschlussprüfung absolvieren. Er musste in einem theoretischen Teil Fachfragen beantworten und im praktischen ein CNC-Programm zum Drehen und Fräsen schreiben. Außerdem hatte er zwei Werkstücke herzustellen – und das von Hand mit konventionellen Maschinen. „Das war ungewohnt“, sagt er. „Aber es lief erstaunlich gut.“ So gut, dass er den Wettbewerb der besten Feinwerkmechaniker in seiner Fachrichtung gewann.

Das trockene, theoretische Studium war nichts für ihn

Matthias Hujicek ist in Winterbach aufgewachsen. Er hat an der Ernst-Heinkel-Realschule in Remshalden die Mittlere Reife und dann sein Fach-Abitur in Schorndorf gemacht. Danach nahm er sich eine Auszeit und reiste ein Jahr mit Work-and-Travel durch Australien. Zurück in der Heimat begann er in Aalen ein Studium in Werkstoff- und Oberflächentechnik, hielt aber nur zwei Semester durch, weil er merkte, dass es nicht das Richtige für ihn war. „Das war sehr trocken“, sagt er. „Ich habe gemerkt, ich muss irgendwas mit meinen Händen machen. Ich bin kein Theoretiker.“

Bereits in der Jugend gejobbt

Erfahrungen in der Praxis hatte Matthias Hujicek bereits gesammelt: Er hatte seit seiner Jugend bei seinem Onkel Jochen Schaal gejobbt. Also kehrte er jetzt zurück zu seinen Wurzeln und begann die Ausbildung in dessen CNC-Fertigungstechnik-Betrieb.

Es ist schwierig, Leute zu finden

Jochen Schaal ist froh über gute junge Azubis wie seinen Neffen. „Es ist schwierig, Leute zu finden“, sagt er. Viele, so seine Erfahrung, wollen zu den großen Unternehmen. Obwohl es, wie er sagt, keinen objektiven Grund dafür gebe, da zähle einfach der große Name, die große Marke. „Aber die Ausbildung hier ist wesentlich umfangreicher als in einem Großbetrieb“, sagt Schaal. Seinen Betrieb hat er 1999 gegründet, seit 2003 ist er in Winterbach in der Fabrikstraße ansässig. Er stellt mit sechs Mitarbeitern plus aktuell einer Auszubildenden Maschinenteile her. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Unternehmen aus der Pharmaindustrie, die Insulinspritzen herstellen, oder Firmen, die Schreibgeräte wie Füller oder Kugelschreiber produzieren.

„Man braucht mehr seinen Kopf als die Hände“

„Es ist definitiv der richtige Beruf für mich“, sagt Matthias Hujicek. „Man sieht es ja am Erfolg.“ Ein Beruf ist es, der zwei Dinge vereint, die ihm liegen: einerseits das Handwerkliche, die Arbeit mit einem Werkstoff, andererseits das Logische, das Hantieren mit Zahlen, Daten und Größen, das Programmieren. „Man braucht mehr seinen Kopf als die Hände“, sagt der 27-Jährige.

Mathe war sein Lieblingsfach

Es geht teilweise um sehr komplexe 3-D-Strukturen. „Es reicht nicht, wenn man handwerklich begabt ist“, beschreibt Matthias Hujicek das Anforderungsprofil. „Man braucht mathematisches und logisches Verständnis.“ In Mathe war er schon immer gut, das war in der Schule sein Lieblingsfach. „Wenn man mit Mathe auf Kriegsfuß steht, dann würde ich abraten von dem Job“, sagt er. Winkelfunktionen, Dreisatz, den Satz des Pythagoras, all das Rüstzeug aus dem Mathe-Unterricht braucht er täglich bei seiner Arbeit. Wer herausfinden will, ob der Job etwas für ihn ist, der solle am besten ein Praktikum machen, empfiehlt Matthias Hujicek.

Weitere erfolgreiche Azubis aus dem Kreis

Außer Matthias Hujicek waren noch andere Auszubildende aus dem Rems-Murr-Kreis beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks am Start und teilweise erfolgreich. Im Wettbewerb werden anhand der Abschlussnoten zunächst die besten Auszubildenden in den einzelnen Fachrichtungen auf Landesebene ermittelt. Diese dürfen dann zum Bundeswettbewerb fahren, wo sie sich mit Fachkollegen aus ganz Deutschland messen.

Bäckerin Lisa-Monique Baumann aus Schorndorf von Thilos Backstube wurde in ihrem Gebiet dritte Bundessiegerin.

Als landesbester Elektroniker in der Fachrichtung Automatisierungstechnik nahm Ioannis Gutridis aus Plüderhausen von der Firma Herrmann GmbH & Co. KG am Bundeswettbewerb teil.

Augenoptikerin Victoria Schaffrin aus Weinstadt, die bei Fielmann in Waiblingen arbeitet, kam im Wettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerk gestalten“ bundesweit auf den ersten Platz.