Winterbach

Musikfamilie Kefer aus Winterbach: Wie begeistert man Kinder für ein Instrument?

Familie Kefer
Greta, Clara, Jochen, Katharina und Anna Kefer (von links): „Das Programm soll auch Kinder ab dem Kindergartenalter ansprechen.“ Fotos: Habermann © Gabriel Habermann

Wenn diese fünf mit ihren Instrumenten loslegen, dann sprüht es im Raum nur so vor Energie. Bei den Kefers aus Winterbach dreht sich alles um die Musik. Die Eltern Katharina und Jochen sind Profimusiker an Geige und Cello. Ihren Töchtern Anna, Greta und Clara haben sie die Musik-Begeisterung mitgegeben, sie treten sogar zusammen als Streicherquintett auf. Jetzt spielen sie drei Neujahrskonzerte, eins davon in Remshalden. Wert legen sie dabei darauf, dass die Konzerte familien- und kinderfreundlich sind. Was ist ihr Geheimnis – wie begeistert man Kinder dafür, ein Instrument zu lernen?

Der Ungarische Tanz und eine schlagartige Wandlung

Ein Besuch an einem Morgen kurz nach Weihnachten im Hause Kefer. Die drei Mädchen Clara (12 Jahre), Greta (14) und Anna (16) sind erst mal recht still. Vielleicht müde oder einfach schüchtern? Im Proberaum im Keller vollzieht sich dann aber eine schlagartige Wandlung. Die Kefers sitzen im Halbkreis – und mit den ersten Tönen von Brahms’ Ungarischem Tanz Nummer 5 ist sofort knisterndes Leben im Raum, eine Energie, die sich zwischen den Musikerinnen und Musikern mit ihren Cellos und Geigen aufbaut.

„Den Ungarischen Tanz können wir aus dem Effeff“, sagt Katharina Kefer hinterher. „Das ist immer unser Eröffnungsstück. Damit kriegt man alle.“ In ihrem heimischen Studio proben sie gerade für drei anstehende Neujahrskonzerte: am 6. Januar in Neuffen, am 8. Januar in Kirchheim und am 14. Januar in Remshalden. „Wir wollen kein reines Konzertpublikum 65 plus“, sagt Katharina Kefer. „Das Programm soll bewusst auch Kinder ab dem Kindergartenalter ansprechen.“ Es sei abwechslungsreich gestaltet, da gehe es „zack, zack“ durch die Stile zwischen Klassik, Rock und Pop, mit relativ kurzen Stücken und insgesamt nicht länger als etwa eine Stunde. „Wir haben auch kein Problem damit, wenn mal ein Kind was sagt oder brabbelt.“

Katharina Kefer spielt bei einigen Liedern zusätzlich mit dem Fuß ein kurioses, aus Omas altem Lederkoffer selbst gebautes Schlagzeug und dazu Percussion-Instrumente wie einen Schellenring mit dem zweiten Fuß. Ein weiterer wichtiger Punkt, der bei ihren Konzerten junge Menschen im Publikum besonders fessle, seien die drei jungen Musikerinnen, die so professionell und beseelt Geige und Cello spielen und die bei manchen Stücken auch singen. Greta nimmt jetzt sogar Gesangsunterricht.

Mit „Beatlestrings“ in der Pandemie die Straßenmusik entdeckt

Greta, Clara und Anna Kefer spielen schon seit frühester Kindheit ihre Instrumente. Sie sind damit aufgewachsen, haben das Musikmachen durch ihre Eltern aufgesogen, die sie schon als Babys mit zu Proben und Auftritten nahmen. Inzwischen haben sie alle mehrfach Preise und Wettbewerbserfolge erspielt und sowohl solo als auch in Ensembles und Orchestern viele Auftritte vor großem Publikum hingelegt. Während der zurückliegenden Pandemie-Jahre entdeckten die Kefers mit ihrem Familienquintett „Beatlestrings“ (von englisch „Beatle“ für „Käfer“ und „strings“ für „Saiten“) die Straßenmusik für sich, als normale Konzerte für lange Zeit nicht mehr möglich waren.

Wenn die fünf Kefers davon erzählen, dann sprudeln sie vor Begeisterung, ihre Augen leuchten. „Wir haben uns schon länger gewünscht, Straßenmusik zu machen“, sagt Clara. Also fing Papa Jochen Kefer an, Stücke zu arrangieren, die man mit drei Cellos und zwei Violinen spielen kann. „Ich war am Anfang gar nicht so arg begeistert“, meint er zu der Idee mit der Straßenmusik. Aber die Skepsis war schnell weg, als sie zum ersten Mal in der Königstraße in Stuttgart standen: „Es kam wahnsinnig viel zurück von den Leuten, sie waren glücklich und dankbar, Livemusik hören zu können.“ Sie hätten auf der Straße auch viele Leute erreicht, die nie in ein klassisches Konzert gehen würden.

Und so ging das mit den „Beatlestrings“ seinen Gang, sie spielten bei den „Sommerklängen“ in Winterbach, gaben dann verschiedene Konzerte, als das wieder mit Einschränkungen möglich war. Es war für sie einfacher, weil sie als ein Haushalt gezählt wurden. Der vorläufige Höhepunkt war ein Kirchenkonzert vor 600 Menschen in Kirchheim im Sommer 2021. „Die Begeisterung war riesig, es war eine ganz besondere Stimmung. Es gab nach den Stücken einen Jubel wie sonst eigentlich eher bei Popkonzerten“, sagt Katharina Kefer. Man habe deutlich gemerkt, wie sehr so etwas gefehlt habe.

„Musik muss man von sich aus wollen“

Mit zwei Profimusikern als Eltern überrascht es nicht, dass die drei Mädchen auf so natürliche Weise zum Musikmachen gefunden haben. Der Wunsch, ein Instrument zu spielen, sei früh von ihren Kindern selbst gekommen, sagt Katharina Kefer. Das sei auch wichtig: „Musik muss man von sich aus wollen – oder eben nicht.“ Auch der Antrieb und der Wunsch, an Wettbewerben teilzunehmen, mit aller verbundenen Probearbeit, kämen von ihren Töchtern selbst, dazu zwinge sie niemand. Wichtig sei nur, wenn man sich für etwas entschieden habe, konsequent dabeizubleiben. Das müsse man als Eltern dann schon immer mal wieder einfordern, sagt Jochen Kefer. „Dann gibt es schon die Momente, in denen man sagt: So, jetzt müsst ihr, sonst wird es nichts.“

Wie bringt man nun aber Kinder zur Musik und zur Freude an einem Instrument, wenn man selbst nicht gerade Profimusiker ist? Für Katharina und Jochen Kefer, die beide auch Musiklehrer sind und Unterricht an der Engelberger Musikschule geben, gibt es dazu zwei ganz wesentliche Erfolgsfaktoren.

Erstens wichtig: Kinder müssen Musik hören und live erleben

Es ist eigentlich fast logisch: Ohne mit Musik in Berührung zu kommen, kann auch keine Beziehung dazu entstehen. Deswegen sei es für Kinder wichtig, Musik zu hören und Konzerte zu besuchen, sagt Jochen Kefer. Sie bräuchten Vorbilder als Inspiration und Ansporn. Ab dem Kindergartenalter könne man mit Kindern gut auch klassische Konzerte besuchen, findet Katharina Kefer. Es müsse ja nicht gerade sechs Stunden Oper sein. „Es gibt überall spezielle Konzerte und Angebote für Kinder“, sagt sie. Wenn man im Internet schaue, finde man was.

Einige Instrumente könne man schon ab dem Kindergartenalter erlernen, sagt Katharina Kefer. Zum Beispiel die Geige. „Das hängt aber auch vom Kind ab.“ Andere Instrumente wie das Cello seien eher ab dem Schulalter zu empfehlen. Generell sollte man früh mit dem Heranführen an Musik und Instrumente beginnen, aus ihrer Sicht am besten spätestens ab der ersten Klasse. Jochen Kefer ist aber selbst eine Ausnahme: Er fing erst mit zwölf Jahren an, Cello zu spielen.

Und wie findet man das richtige Instrument? Ganz klar: auch durch das Erleben. „Indem man ein Instrument hört und im besten Fall mal ausprobiert“, sagt Katharina Kefer. Dazu bieten Tage der offenen Tür von Musikschulen gute Gelegenheiten. Auf keinen Fall sollten Eltern hier eine Vorgabe machen, nur weil vielleicht zu Hause ein Klavier im Wohnzimmer stehe.

Zweitens wichtig: Gemeinsam Musik machen und auf Auftritte hinarbeiten

Im zweiten Schritt geht es dann natürlich um die Frage: Wie halte ich mein Kind bei der Stange und motiviere es zum Dranbleiben? Dazu die klare Empfehlung der Kefers: Niemand sollte nur allein für sich Musik machen. Das Erlebnis, mit anderen zusammen zu spielen und dann auch auf einer Bühne etwas aufzuführen, sei ganz wichtig, gerade um über mögliche „Dellen“ in der Motivation hinwegzukommen, sagt Katharina Kefer: „Wenn zum Beispiel im Quartett die anderen sagen: Jetzt krieg’ du mal deinen Hintern hoch.“ So ein Spruch von anderen Kindern sei viel wirkungsvoller, als wenn das von der Lehrerin oder vom Lehrer komme. Im Ensemble ziehe man sich gegenseitig mit.

Und ein Ziel, auf das man beim Üben und Proben hinarbeite, motiviere immer. Auch Jochen Kefer erlebt bei seinen Schülerinnen und Schülern immer wieder, wie sie nach dem positiven Erlebnis eines Konzertprojekts mit ganz neuer Lust und neuem Schwung dabei seien.

Durchhänger sind ganz normal

Die Kefers sagen auch: Durchhänger sind ganz normal. „Das gibt es bei unseren Kindern auch immer wieder“, sagt Katharina Kefer. „Da muss man durchgehen, indem man dranbleibt.“ Und das lohne sich dann auch, Musik bringe ein Kind in seiner Entwicklung weiter. Es müsse sicher nicht jeder ein Musiker werden. Aber die Fähigkeiten, die man beim Musikmachen erwerbe, die seien einfach wertvoll. Allein die soziale Kompetenz im Zusammenspiel mit anderen, aufeinander zu hören und aufeinander zu achten.

So sehen es auch die drei Kefer-Töchter. Sie haben durchaus auch andere Interessen, zum Beispiel Malen oder Zeichnen. Greta und Clara machen bei der SG Schorndorf aus dem Fun-Sportangebot Parkour und Ninja. Dass ihnen neben all dem Proben und Üben nicht viel freie Zeit bleibt, sehen sie überhaupt nicht als Verlust. Im Gegenteil, Anna sieht es anders: „Die Zeit, die uns fehlt, das ist eher wegen der Schule, nicht wegen der Musik.“ Die Schule müsse sein, aber: „Die Musik macht uns ja Freude, da gibt es keinen Zwang, das ist unsere Entscheidung.“

Greta pflichtet bei: „In der Schule ist es so, dass ich viel lerne, was mir in meinem zukünftigen Leben gar nichts bringen wird. Für die Musik verschwende ich gar nichts. Diese Zeit ist immer sinnvoll investiert.“

Wenn diese fünf mit ihren Instrumenten loslegen, dann sprüht es im Raum nur so vor Energie. Bei den Kefers aus Winterbach dreht sich alles um die Musik. Die Eltern Katharina und Jochen sind Profimusiker an Geige und Cello. Ihren Töchtern Anna, Greta und Clara haben sie die Musik-Begeisterung mitgegeben, sie treten sogar zusammen als Streicherquintett auf. Jetzt spielen sie drei Neujahrskonzerte, eins davon in Remshalden. Wert legen sie dabei darauf, dass die Konzerte familien- und

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