Winterbach

Nachgefragt bei Bürgermeister Sven Müller

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Ein Gespräch mit Sven Müller zur Bilanz seiner bisherigen etwas mehr als einjährigen Amtszeit, mit einem Ausblick auf die Themen dieses Jahres. © Alexander Roth
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Der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller im Rathaus.

Winterbach. Sven Müller befindet sich im zweiten Jahr seiner Amtszeit als Winterbacher Bürgermeister. Im ersten Jahr hat er schon viel von dem umgesetzt, was er versprochen und sich vorgenommen hat. Einige seiner Wahlkampfthemen sind aber noch offen. Wir haben zum Start des neuen Jahrs bei ihm kurz und knapp nachgefragt: Wann will er die offenen Themen wie Jugendbeteiligung oder Verkehrskonzept umsetzen?

Beim Thema Bürgerbeteiligung hat Sven Müller einen Teil seiner Ankündigungen aus dem Wahlkampf eingelöst. Die Aktion zur Bürgerbeteiligung für die Remstal-Gartenschau 2019 lief und läuft sehr erfolgreich. Viele Projektideen kamen aus der Bürgerschaft und die Gemeinde unterstützt alle, um sie umsetzen zu können.

Was noch offen ist, ist die konkrete Beteiligung der Kinder und Jugendlichen in Winterbach in kommunalpolitischen Prozessen. Das schreibt die neue Gemeindeordnung sogar vor. „Wir sind dabei, mit dem Jugendhaus, der Schulsozialarbeit und dem Hauptamt einen Leitfaden zu erarbeiten, wie wir die Winterbacher Kinder und Jugendlichen beteiligen können“, sagt Bürgermeister Sven Müller zum Fortschritt bei dem Thema. Einen Jugendgemeinderat sieht er für eine Gemeinde von der Größe Winterbachs nicht als die passende Lösung an, sondern eher eine Beteiligung in Form einer regelmäßigen Jugendversammlung.

Viele Kräfte sind durch die Gartenschau gebunden

Die Wahrnehmung der Belange der Senioren durch Einrichtung eines Seniorenrats hat Sven Müller ebenfalls im Wahlkampf angekündigt. „Dazu habe ich mittlerweile ambivalente Rückmeldungen bekommen“, berichtet er. Die eine Hälfte der Leute sage: „Super, Herr Müller, ein Seniorenrat fehlt in Winterbach.“ Die andere Hälfte meine eher, dass es das in Winterbach nicht brauche. „Von daher habe ich das Thema gedanklich in die Mitte meiner ersten achtjährigen Amtszeit geschoben“, sagt er.

Auch erst mal weiter nach hinten geschoben hat Müller das Thema Verkehrskonzept. Dabei soll es um die Frage gehen, wie die Winterbacher vom teilweise extrem angeschwollenen Verkehr in ihrem Ort entlastet werden können. Auch hier will Müller die Bürger beteiligen. „Das geht aber nicht alles parallel“, sagt der Bürgermeister. Durch die Gartenschau seien jetzt viele Bürger gebunden, genauso das Personal im Rathaus. Er habe erkennen müssen, dass man das Verkehrskonzept breit aufstellen müsse, wenn man damit wirklich etwas verändern wolle. Man müsse die Radwege einbeziehen, Verkehrszählungen machen. Das sei derzeit, also vor Ende der Gartenschau 2019, in der Fülle nicht leistbar. „Aber es ist weiterhin ein großes Thema in der Bürgerschaft und bei mir.“

Insgesamt hofft Sven Müller, dass alle Beteiligten, Verwaltung und Gemeinderat weiter so „konstruktiv und pragmatisch“ zusammenarbeiten wie bisher.



Winterbach. Zugespitzt könnte man sagen: Winterbach ist eine der wenigen Gemeinden in der näheren Umgebung, in der 2018 kein neuer Bürgermeister gewählt wird. Oder plant etwa auch Sven Müller eine berufliche Veränderung?

Herr Müller, in der Winterbacher Nachbarschaft gibt es in den Rathäusern derzeit viel Bewegung. Martin Kaufmann hat Rudersberg nach Leonberg verlassen, Jörg Hetzinger hat in Urbach genug und Stefan Breiter will von Remshalden nach Freiburg. Wie steht es mit Ihnen?

Es sind derzeit schon aufregende Zeiten. Aber ich bleibe definitiv in Winterbach.

Wirklich? Immerhin wohnen Sie ja in Urbach. Wäre das nichts für Sie?

Ich habe keine Ambitionen, nein. Ich fühle mich weiterhin sehr wohl in Winterbach. Es gibt überhaupt keinen Grund, das Pferd zu wechseln. Ich würde mich auch ziemlich unglaubwürdig machen, wenn ich nach 16 Monaten sagen würde, ich bin dann mal weg, wo ich mich doch im Wahlkampf für bis zu drei Amtsperioden angepriesen habe.

Sie wollen also die 24 Jahre durchziehen?

Ich habe es vor. Der Job als Bürgermeister macht mir unheimlich viel Spaß, das ist meine berufliche Erfüllung. Aber wie sagen die Fußballspieler: Ich habe einen Vertrag bis 2024. Ob die Bürger mich dann wieder wählen, weiß ich nicht.

Und wann werden Sie von Urbach herziehen und auch in Winterbach wohnen?

Ich halte meine Augen und Ohren offen, was den Immobilienmarkt in Winterbach angeht. Ich spreche viele Grundstücksbesitzer an, die Bauplätze als Brachflächen vorhalten. Aber ich bekomme wie alle anderen jedes Mal eine Absage. Mir geht es als Bürgermeister nicht anders als jedem Bürger, es ist derzeit schwierig, etwas zu finden. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Bekommen Sie in der Sache Druck von den Bürgern?

Ich habe das Gefühl, dass es die Mehrheit der Leute akzeptiert, dass ich derzeit noch in Urbach wohne. Ich bin ja auch nur zehn Minuten Autofahrt weit weg. Aber ich merke in manchen Situationen schon, dass es besser wäre, direkt am Ort zu wohnen.

In welchen?

Zum Beispiel bei einem Hochwasser, wie wir es vor einigen Tagen hatten. Da war ich bis um zwölf Uhr nachts mit vorne am Wehr. Da sind wir parat gestanden, um im Ernstfall das Rückhaltebecken zu fluten.

Da waren Sie wirklich persönlich mit dabei? Dafür gibt es doch geschultes Personal.

Ich sehe mich da schon persönlich verantwortlich für meine Gemeinde. Und in solchen Situationen wäre es eben schon besser, ich wäre in zwei Minuten statt in zehn Minuten am Ort des Geschehens. Aber es gibt natürlich ein Für und ein Wider. Fürs Privatleben kann es als Bürgermeister manchmal besser sein, woanders zu wohnen. In Urbach habe ich eher Freizeit und kann auch mal als Privatmann zum Bäcker gehen. Da meine Kinder in Winterbach zur Schule gehen, wäre es allerdings wiederum besser, wenn für sie der Schulweg kürzer würde. Letztendlich sage ich zum Umzug, wie auch im Wahlkampf: Wir schließen es nicht aus, können es aber auch nicht versprechen.

Das ist unter anderem schon gelungen

„Richtig glücklich“ sei er, so Bürgermeister Sven Müller, dass es mit dem Gemeinderat gelungen sei, „das Ruder herumzureißen“ und die Finanzen in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Dafür waren vor allem drei Entwicklungen entscheidend: der Verkauf des Pflegeheims an die Awo (noch unter Müllers Vorgänger Albrecht Ulrich angeleiert), die Übernahme der Rems-Renaturierung durch das Regierungspräsidium und die Kooperation mit der Kreisbau-Gesellschaft beim Thema sozialer Wohnungsbau. „Das waren die großen Millioneninvestitionen, die im Raum standen, die uns in hohe Schuldenaufnahme gezwungen hätten“, sagt Müller.

Beim Wohnungsthema geht die Kreisbau-Gesellschaft den Neubau der Häuser in der Remsstraße an. Danach, so kündigt Sven Müller an, müssen weitere Sanierungen oder Neubauten von kommunalen Liegenschaften kommen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Sven Müller hat außerdem seine Ankündigungen umgesetzt und eine halbe Personalstelle für einen Flüchtlingsbeauftragten vom Gemeinderat bewilligt bekommen. Außerdem hat er den versprochenen Runden Tisch zum Thema Integration ins Leben gerufen, der erste Erfolge dabei gezeigt hat, Flüchtlinge in Winterbach in Arbeit zu bringen.