Winterbach

Preisgekrönt, aber oft brotlos: Winterbacherin produziert und verlegt Hörbücher

TinaWalzhoerbuch
Tina Walz bringt in ihrem Verlag „Der Diwan“ Hörbücher heraus: „Downloads sind eine Katastrophe“. © Gaby Schneider

In ihrem Verlag „Der Diwan“ produziert Tina Walz in Winterbach hochwertige, mehrfach preisgekrönte Hörbücher und arbeitet dabei auch mit Top-Schauspielern wie Charly Hübner oder Kai Wiesinger als Sprecher. Das Medium Hörbuch boomt – aber in einer Art und Weise, die es kleinen Verlagen immer schwerer macht.

Nur ein Bruchteil des Verkaufswerts kommt bei ihr an

In Tina Walz’ Wohnzimmer ist die Welt noch ziemlich analog: Es gibt ein Klavier, einen Plattenspieler und ein großes Schallplattenregal, eine Wand besteht komplett aus einem vollgepackten Bücherregal. Doch das Medium, mit dem sie arbeitet, ist eines des Digitalzeitalters. Hörbücher sind mit den CDs zu einem Massenmedium geworden – doch deren Zeit ist jetzt im Grunde auch schon lange wieder vorbei. Und das ist für Tina Walz ein echtes Problem. „Downloads sind eine Katastrophe“, sagt sie. Und rechnet vor: Bei Plattformen wie Amazon oder Audible zahlen die Leute vier oder fünf Euro für ein Hörbuch. Bei ihr als Verlegerin kommt davon am Ende nur ein Bruchteil an, im Schnitt 50 Cent – und davon muss sie noch Steuern zahlen.

„Wir haben im Hörbuchbereich keine Preisbindung wie bei gedruckten Büchern“, sagt Tina Walz. Dabei koste die Produktion eines Hörbuchs viel mehr, man brauche Sprecher, Studio, Lizenzen. Irgendwann werde es kaum noch Hörbuchverlage mehr geben, nur wenige große, meint sie.

Tina Walz macht schon sehr lange Hörbücher. Seit 2017 wohnt die gebürtige Pfälzerin in Winterbach. Ihren eigenen Verlag „Der Diwan“ hat sie seit 2007. Um die zehn Titel bringt die 51-Jährige darin pro Jahr heraus. Große Verlage kommen auf um die 2000 – das zeigt ziemlich gut die unterschiedlichen Dimensionen des Geschäfts.

Tina Walz muss deswegen versuchen, Nischen zu besetzen. „Eine Taktik ist, dass ich besondere Titel mache aus dem Backlistprogramm“, sagt sie. Das heißt: Sie setzt ältere Bücher um, zu denen es noch kein Hörbuch gibt. Bei Neuerscheinungen sei es mittlerweile ohnehin so, dass die Hörbücher gleichzeitig auf den Markt kämen. Das heißt: keine gesonderte Presse für die Vertonung. Deswegen muss sie sich mit ihren Veröffentlichungen anders abheben.

Dass ihr das gelingt, das belegen Auszeichnungen, die die von ihr verlegten Titel schon eingeheimst haben. Dieses Jahr hat sie den Preis der Deutschen Schallplattenkritik für Stefanie Höflers „Tanz der Tiefseequalle“ erhalten, ein Kinder- und Jugendbuch. „Die Preise sind wichtig zum Überleben“, sagt sie. Nur durch sie bekomme man als kleiner Verlag in der Flut der Hörbücher, die jedes Jahr auf den Markt kommen, mal etwas Aufmerksamkeit.

Zwischen einem halben Jahr und einem Jahr vergehen für die Produktion eines Diwan-Hörbuchs. Tina Walz macht dabei vieles selbst. Sie führt im Studio Regie, schreibt Rechnungen, packt Päckchen für den Versand. Neben dem Verlag ist sie als Musiktherapeutin und Gesangslehrerin tätig. Gerne setzt sie auch Musik in ihren Hörbüchern ein, um Atmosphäre zu erzeugen, aber nicht als Hintergrundmusik, sondern nur begleitend, zum Beispiel zwischen den Kapiteln.

„Es sind schon Teile, die man nicht immer nebenher hören kann“

In einem guten Hörbuch werde eine ganz eigene Atmosphäre geschaffen, es zeichne sich dadurch aus, „dass jemand zu einem spricht und das ernst nimmt“, jemand, der es verstehe, mit dem Text umzugehen. Podcasts und Hörbücher konsumieren die Leute heute meist als Begleitung ihres Alltags, beim Autofahren, im Fitnessstudio oder beim Kochen. Tina Walz will eigentlich etwas anderes. Sie sagt über ihre Hörbücher: „Es sind schon besondere Teile, die Aufmerksamkeit brauchen, die man nicht immer nebenher hören kann.“ Der Titel ihres Verlags „Der Diwan“ ist dabei auch eine programmatische Aussage: Ihre Hörbücher sind dafür gemacht, sie auf einem Diwan oder Sofa hingestreckt, ganz konzentriert wahrzunehmen.

Solange es Menschen gibt, die solche literarisch-akustischen Genüsse schätzen, wird Tina Walz ein Publikum für die Titel ihres Verlags finden. Wer ein Hörbuch verschenken will, der wird auf jeden Fall weiter zur CD statt zum Download greifen. Ans Aufhören denkt Tina Walz trotz aller Schwierigkeiten nicht: „Es ist eine absolute Leidenschaft“, sagt sie. „Sonst würde man das nicht durchhalten.“

In ihrem Verlag „Der Diwan“ produziert Tina Walz in Winterbach hochwertige, mehrfach preisgekrönte Hörbücher und arbeitet dabei auch mit Top-Schauspielern wie Charly Hübner oder Kai Wiesinger als Sprecher. Das Medium Hörbuch boomt – aber in einer Art und Weise, die es kleinen Verlagen immer schwerer macht.

Nur ein Bruchteil des Verkaufswerts kommt bei ihr an

In Tina Walz’ Wohnzimmer ist die Welt noch ziemlich analog: Es gibt ein Klavier, einen Plattenspieler und ein großes

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