Winterbach

Regeln für den Umgang mit Kindern

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Präsentieren das fertige Präventionskonzept, das den Umgang mit Kindern und Jugendlichen klar regelt: Vorsitzender Michael Rieger, Geschäftsstellenleiterin Melanie Summers und Vorsitzender Wilfried Steiner. © Alexandra Palmizi

Winterbach. Derzeit läuft der Prozess gegen einen Jugendtrainer aus dem Leonberger Stadtteil Höfingen. Der Mann soll sich über Jahre an den Kindern vergangen haben, die ihm anvertraut waren – der Alptraum für Eltern und Vereine. So etwas, betonen die Verantwortlichen in Winterbach, sei beim VfL nie vorgekommen. Damit das aber auch so bleibt, hat der Verein jetzt ein umfassendes Präventionskonzept beschlossen.

„Wir haben das nicht gemacht, weil wir eine Befürchtung haben“, sagt Wilfried Steiner, einer der beiden Vorsitzenden des VfL Winterbach, zur Einordnung des Präventionskonzepts. Das geht auch an die Adresse der Eltern der rund 850 Kinder und Jugendlichen, die im VfL aktiv sind. „Es ist rein präventiv“, betont auch Jürgen Rieger, der andere Vorsitzende. Er sei sich auch sicher, dass sexueller Missbrauch nie ein Problem beim VfL sein werde. Doch das Thema, so betonen die Vereinsbosse, dürfe man dennoch nicht unter den Tisch kehren.

Es geht dabei nicht nur um sexuelle, sondern jede Form der Gewalt oder Misshandlung, sei sie körperlich oder seelisch, also alles, was unter die Definition der Kindeswohlgefährdung fällt. Das Präventionskonzept fasst auf wenigen Seiten das Regelwerk zusammen, auf das der VfL für seine Übungsleiter und Betreuer Wert legt. „Es geht um das Verhältnis des Übungsleiters zu den Kindern und Jugendlichen“, sagt Wilfried Steiner. Das Konzept sei damit die Weiterentwicklung des Werteleitbildes, das sich der VfL schon länger gegeben hat.

Schutzbeauftragte sollen Ansprechpartner für alle sein

Das Präventionskonzept ist auf Basis einer Vorlage der Württembergischen Sportjugend entstanden. Insgesamt fünf Maßnahmen gehören dazu:

  • Schutzbeauftragte: Speziell geschulte Ansprechpartner für alle im Verein. Es gibt mit Alice Uetz, Lisa Huttelmaier und Manuel Lederer drei davon. „Wir waren positiv überrascht von der Resonanz aus den Abteilungen und wie viele sich dafür gemeldet haben“, sagt Michael Rieger.
  • Erweitertes Führungszeugnis: Das müssen ab jetzt alle vorlegen, die für den Verein in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sein wollen.
  • Wissen und Handlungskompetenz: Das Thema Kindeswohlgefährdung soll im VfL eines sein, über das man spricht. Es soll Thema auf den Tagesordnungen der Ausschüsse und auch bei der Vereinsjugend sein. Außerdem nehmen die Schutzbeauftragten einmal jährlich an einer Schulung teil und der Verein bietet intern weitere Schulungen an.
  • Verhaltsensleitfaden: Darin sind klare Regeln für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen festgelegt (siehe „Verhaltensleitfaden“).
  • Rechte der Kinder stärken: Kinder und Jugendliche sollen über ihre gewählten Vertreter und Sprecher aktiv in die Vereinsarbeit einbezogen werden.

Sicherheit auch für Übungsleiter und Betreuer selbst

Vor allem der Punkt „Verhaltensleitfaden“ zeigt: Es geht hier nicht nur um Sicherheit für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern, sondern auch für die Übungsleiter und Betreuer selbst. Damit wüssten sie genau, wie sie sich verhalten sollen, sagt Melanie Summers, die Leiterin der VfL-Geschäftsstelle. „Und können auch auf jemand zugehen und sagen, wir haben den Leitfaden, das, was du machst, das geht so nicht.“ Es gehe um „beidseitigen Schutz“, sagt Michael Rieger.

Längst nicht mehr üblich: Kinder und Betreuer zusammen in der Dusche

Was damit gemeint ist, erklärt Wilfried Steiner im Blick zurück. Als er als junger Kerl in den Sportverein gegangen sei, sei es völlig normal gewesen, dass Jung und Alt zusammen unter der Dusche standen. Niemand dachte sich etwas dabei. Doch da habe ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden, man sei viel sensibler geworden. Schon in Steiners eigener Zeit als Übungsleiter, so erzählt er, sei es selbstverständlich gewesen, dass er nicht zusammen mit den Kindern unter die Dusche gegangen sei.

Betreuer seifte die Kinder sogar ein

Der Betreuer in dem eingangs erwähnten Fall aus Höfingen zwang die ihm anvertrauten Kinder sogar zum Duschen, war oft selbst dabei und seifte die Kinder sogar ein – wobei es dabei allein nicht blieb. Solche Fälle bleiben in den Köpfen der Eltern hängen und färben, unbewusst oder bewusst, ihren Blick auf das Geschehen im Verein. Die Betreuer stehen unter Beobachtung.

Präventionskonzept wird als "Befreiung" empfunden

Deswegen, so die Erfahrung der VfL-Verantwortlichen, würden die Übungsleiter das Präventionskonzept auch als „Befreiung“ empfinden, weil es einen Leitfaden dafür gibt, wie sie sich verhalten können, damit nicht mal im Ansatz der falsche Anschein entsteht, da könnte was Ungutes im Busch sein. „Viele sagen: Endlich gibt es so was“, beschreibt Melanie Summers die positiven Reaktionen der Übungsleiter auf das Präventionskonzept. Obwohl vieles aus dem Verhaltensleitfaden sowieso schon ganz normal und selbstverständlich im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen ist.

Das Thema steht in vielen Vereinen auf der Tagesordnung

Die Botschaft, die mit dem Konzept einhergeht, ist: Keiner steht unter Verdacht, aber das Thema ist da und muss bearbeitet werden und der VfL tut alles dafür, um erst gar nichts aufkommen lassen. Das sei in vielen Vereinen derzeit auf der Tagesordnung, sagt Melanie Summers. Der VfL Winterbach ist in der Region allerdings einer der Ersten, die so ein Präventionskonzept ausgearbeitet und beschlossen haben.

Info-Broschüre wird verteilt

Auf der vergangenen Hauptversammlung wurde den Mitgliedern das Konzept bereits in seinen Ansätzen vorgestellt. Nachdem der Ausschuss es jetzt beschlossen hat, wird der Verein dazu in den kommenden Wochen eine Info-Broschüre verteilen und es dann auf der kommenden Hauptversammlung, bei der Jugendversammlung und bei einem Elternabend vorstellen.