Winterbach

Reinigungsmittel, aber nachhaltig: Was Almawin aus Winterbach anders macht

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Die Sprühflaschen des Reinigungsmittelherstellers sind zu 100 Prozent aus wiederverwertetem Kunststoff. © Ralph Steinemann Pressefoto

Bio-Lebensmittel haben sich seit geraumer Zeit etabliert – spätestens seitdem auch Discounter Ökoprodukte ganz selbstverständlich im Angebot haben. Dass es auch bei Waschmitteln oder Badreinigern ein Segment mit nachhaltigen Produkten gibt, ist hingegen noch nicht ganz im Bewusstsein der Mehrheit angekommen.

Dabei gibt es in Winterbach ein Unternehmen, das diese seit 29 Jahren im Angebot hat – und Gründe, beim Kauf genauer hinzuschauen, gibt es ohnehin genug, wie Verena Bund, Geschäftsführerin von Almawin, berichtet.

Was handelsübliche Reinigungsmittel so alles beinhalten können

So enthalte handelsübliches Waschmittel etwa jede Menge Füllstoffe wie Natriumsulfat. Insbesondere bei großen Packungen sei das eine gängige Methode. Am Ende bekomme der Kunde dann zwar mehr Waschpulver, muss aber auch mehr davon pro Waschgang verwenden.

Oder Mikroplastik in Spülmaschinentabs: Die meisten sind mit dünner Kunststofffolie umhüllt, die sich beim Spülvorgang auflöst. Doch damit gelangen kleinste Kunststoffpartikel ins Grundwasser. Das gilt auch für viele Waschmittel, die synthetische Polymere enthalten. Weichspüler wiederum können dazu beitragen, dass sich mehr Fasern aus den Textilien lösen – und damit Mikroplastik ins Abwasser gespült wird.

Den allermeisten Reinigungsmitteln werden zudem Konservierungsstoffe beigefügt. Dies kann bei manchen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen.

Was in Winterbach bei Almawin besser gemacht wird

„Wir verzichten auf das alles komplett“, sagt Verena Bund. Stattdessen werden für die Marken Almawin und Klar (Letzteres kommt komplett ohne Duftstoffe aus) ausschließlich Konzentrate aus natürlichen Rohstoffen wie der Waschnuss oder Orangenölen hergestellt. Auch auf Gentechnik, Chlor oder optische Aufheller verzichtet das Unternehmen. Alle Produkte sind hautverträglich und vegan.

Dass ausschließlich Konzentrate hergestellt werden, ist laut Bund eine ganz bewusste Entscheidung, denn „das reduziert das Transportvolumen, wir benötigen weniger Verpackung und auch weniger Lastwagen auf der Straße“.

Nachhaltig ist bereits die Herstellung

Der Umweltschutz spielt bei Almawin eben nicht nur bei den Endprodukten eine Rolle, sondern bereits beim Herstellungsprozess. „Wir wollen kein Greenwashing betreiben“, betont Bund, also sich lediglich einen grünen Anstrich verpassen. Almawin ist nachhaltig aus Überzeugung. So werden nicht nur die Flaschen wiederverwertet, fast alle Flaschen selbst bestehen seit vergangenem Jahr bereits aus Recyclat, also Altplastik

Die Etiketten sind selbstredend mineralölfrei, die Bänder, auf denen sie geklebt sind, werden gesammelt und wiederverwertet. Und die Kanister für die Großpackungen, man ahnt es bereits, werden ebenfalls gewaschen und wiederverwertet. Das Ausgangsmaterial der Kartonagen für den Transport stammt aus nachhaltigen Wäldern. In der Produktion wurde das Licht inzwischen auf LED umgestellt, so kann 30 Prozent des Strombedarfs eingespart werden. Und das Abwasser läuft zuvor durch eine Neutralisationsanlage.

Weitere Ideen aus dem Hause Almawin

Mit den Ideen sei man damit aber noch lange nicht am Ende, sagt Vertriebsleiter Bernd Rühle. So experimentiert man in Winterbach etwa mit neuen Verpackungsstoffen. Die Verpackung des Spülmaschinenreinigers etwa besteht seit kurzem zu 30 Prozent aus Gras und zu 70 Prozent aus Recyclat. „Das ist wasser- und energiesparend“, erklärt Rühle. Für eine Tonne Graspapier würden lediglich zwei Liter Wasser benötigt. Bei der Herstellung werde zudem deutlich weniger CO2 verbraucht. Die Liste an Öko-Zertifizierungen, die das Unternehmen für diese nachhaltige Philosophie bekommen hat, ist entsprechend lang.

Aus der Öko-Nische in den Supermarkt

All diese Ideen fanden lange Zeit nur in der Nische statt. „Doch seit etwa fünf Jahren profitiert auch Remsgold ganz stark davon“, sagt der Almawin-Gründer und geschäftsführende Gesellschafter Rudolf Bund. Almawin ist nämlich eine Ausgründung von Remsgold. Die Produktion findet bis heute dort statt. Dass sie allmählich in der Breite der Gesellschaft wahrgenommen werden, zeige sich daran, dass die Produkte der Winterbacher Firma mittlerweile auch im Lebensmitteleinzelhandel zu finden sind.

Was Almawin in den kommenden Jahren noch vorhat

Und dieser Erfolg ist seit einiger Zeit auch im Remstal gut sichtbar. Bis vor zwei Jahren war die Almawin GmbH noch komplett in den Räumlichkeiten von Remsgold, doch 2020 wurde ein Neubau an der Bundesstraße in Winterbach errichtet. Das Gebäude wird zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt, das Dach ist begrünt, eine Wärmepumpe beheizt das Lager und die Büros. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach ist in Planung. „Und wir denken bereits über eine Erweiterung nach“, sagt Rudolf Bund. Angedacht ist, auch die Produktion an den Standort zu verlagern. Die Planungsphase dafür hat bereits begonnen, der Baubeginn ist für Anfang 2024 angedacht.

Die Fläche dafür ist bereits vorhanden, momentan wächst dort eine Blühwiese. „Wir nutzen die Brachfläche, auf der die Produktion entstehen soll, für Biodiversität“, sagt Andrea Siegl, zuständig für Werbung und PR. Auf 2000 Quadratmetern sei vor zwei Jahren eine Nützlingswiese als Nahrungsquelle und Überwinterungsmöglichkeit für Insekten angelegt worden. Auf weiteren tausend Quadratmetern wurde 2021 eine Schmetterlingswiese ausgesät. Dort wachsen im Moment Bartnelken, die Zaunwicke, kalifornischer Mohn oder der Bocksbart, eine alte Heilpflanze, die außerdem Schwebfliegen Nahrung bietet.

Firma will klimaneutral werden

Klimaneutralität - so lautet das langfristige Ziel bei Almawin. Bei fünf Produkten sei dies bereits erreicht worden, sagt Vertriebsleiter Bernd Rühle, der den Weg dahin wie folgt beschreibt: „Wir müssen Umweltschäden vermeiden, uns verbessern – und was nicht vermeidbar ist, kompensieren.“

Ein Prozess, der nicht an den Werkstoren des Reinigungskonzentrate-Herstellers enden könne. „Jeder Einzelne muss sich bewegen“, davon ist Gründer Rudolf Bund überzeugt. „Aber das hat unsere Gesellschaft noch nicht so ganz begriffen.“

Bio-Lebensmittel haben sich seit geraumer Zeit etabliert – spätestens seitdem auch Discounter Ökoprodukte ganz selbstverständlich im Angebot haben. Dass es auch bei Waschmitteln oder Badreinigern ein Segment mit nachhaltigen Produkten gibt, ist hingegen noch nicht ganz im Bewusstsein der Mehrheit angekommen.

Dabei gibt es in Winterbach ein Unternehmen, das diese seit 29 Jahren im Angebot hat – und Gründe, beim Kauf genauer hinzuschauen, gibt es ohnehin genug, wie Verena Bund,

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