Winterbach

Rossmann will im September eröffnen

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Der Drogerie-Rohbau steht: Bürger, Gemeinderäte, Rossmann- und Verwaltungsmitarbeiter feierten am vergangenen Montag Richtfest. © ZVW/Benjamin Büttner

Winterbach. Vom neuen Netto-Markt nebenan ist außer der Bodenplatte noch nicht viel zu sehen. Die neue Rossmann-Drogerie in Winterbach hat jedoch mittlerweile Gestalt angenommen und konnte Richtfest feiern. Bürgermeister Sven Müller sieht einen „großen Zugewinn“ für die Gemeinde und appelliert jetzt schon an die Bürger, beim zukünftigen Einkauf dort, das Auto zu Hause zu lassen: „Bei diesem zentralen Standort ist das sehr gut möglich.“


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Netto und Rossmann entstehen in Winterbach beide an der Schorndorfer Straße, direkt neben dem Awo-Pflegeheim und nicht weit vom Bahnhof. Bürgermeister Sven Müller bat in seinem Appell beim Richtfest der Drogerie an diesem Montag die Winterbacher, dort „klimaschutzfreundlich zu Fuß beziehungsweise per Fahrrad einkaufen zu gehen“. Ab September soll das möglich sein, einen genauen Termin für die Eröffnung nannten die Rossmann-Verantwortlichen allerdings noch nicht.

20 Parkplätze stehen zur Verfügung

Für die, die dennoch mit dem Auto zum Einkaufen in den neuen Markt kommen, für die gibt es laut Rossmann-Projektleiter Richard Frey 20 Parkplätze. Man hätte gerne mehr gehabt, aber der zur Verfügung stehende Platz dafür sei begrenzt gewesen. Eine Tiefgarage sei einerseits wirtschaftlich nicht möglich gewesen, so Frey auf Nachfrage, hätte aber auch nicht mehr Parkplätze gebracht. Ein- und Ausfahrt nähmen sehr viel Platz weg und hätten auch zu einer Verkleinerung der Verkaufsfläche geführt. Der Winterbacher Bauamtsleiter Rainer Blessing meint zudem: „Die Menschen wollen oben parken.“ Tiefgaragen würden in der Stuttgarter Stadtmitte funktionieren, so seine Ansicht, aber nicht auf dem Land. Das sehe man zum Beispiel an der Tiefgarage in der Winterbacher Ortsmitte.

Die Projektverantwortlichen gehen jedoch auch davon aus, dass viele Kunden einen Einkauf beim benachbarten Netto-Supermarkt nutzen, um dann auch noch bei Rossmann reinzuschauen und dabei einen der Netto-Parkplätze nutzen.

Vorgabe der Gemeinde war es, dass Rossmann möglichst platzsparend baut. „Das Ziel war, vom angrenzenden Garten des Pflegeheims so wenig Fläche wie möglich zu verbrauchen“, sagt Martina Merath, die bei der Firma Rossmann ebenfalls an der Planung des Drogeriemarkts beteiligt war. Gut für Winterbach ist: Die Gemeinde darf die Rossmann-Parkplätze außerhalb der Öffnungszeiten des Ladens für kommunale Veranstaltungen verwenden.

Volles Rossmann-Sortiment auf 700 Quadratmetern

Bei der Größe des Drogeriemarkts selbst, ist Rossmann trotz des begrenzten Platzes in die Vollen gegangen. Das 6,50 Meter hohe Gebäude mit einer Grundfläche von mehr als 980 Quadratmetern bietet Raum für eine Verkaufsfläche von 700 Quadratmetern, auf der Rossmann sein volles Sortiment anbieten kann. Diese Fläche sieht Projektleiter Richard Frey auch als zukunftstauglich an, um auf kommende Entwicklungen der Branche reagieren und trotzdem das volle Sortiment anbieten zu können.

Müller: Winterbach wird von Rossmann und Netto profitieren

„Winterbach wird von dem Drogeriemarkt und vom ebenfalls noch in diesem Jahr in Betrieb gehenden neuen Netto-Lebensmittelmarkt sehr profitieren“, ist Bürgermeister Sven Müller überzeugt. Bereits im Bürgermeister-Wahlkampf vor drei Jahren habe er den Wunsch der Winterbacher nach einer Drogerie mitgenommen. Nun sei er „sehr stolz darauf, mit welcher Schnelligkeit und Zielstrebigkeit wir an diesem Projekt alle zusammengearbeitet haben“.

Tatsächlich sind gerade einmal zwei Jahre vergangen von der konkreten Idee der Drogerie-Ansiedlung durch Rossmann bis zum Richtfest am vergangenen Montag, mit dem jetzt der fertige Rohbau samt Dachkonstruktion gefeiert wurde. Das ist für so ein Bauprojekt ziemlich zügig. Eine Verzögerung war zwischenzeitlich eingetreten, weil das sogenannte Gärtnerhaus, das an der Stelle vorher stand, noch bewohnt war und die Mieter der Gemeinde erst anderweitig unterkommen mussten.


Netto

Noch nicht so weit wie Rossmann ist der Bau des neuen Netto-Markts auf dem Nachbargrundstück in der Schorndorfer Straße. Dort liegt die Bodenplatte, das Gebäude ist aber noch nicht in die Höhe gewachsen. Der Markt soll aber noch in diesem Jahr eröffnen.

Der Discounter zieht durch den Neubau von seinem alten Standort in der Schorndorfer Straße um und vergrößert seine Verkaufsfläche von derzeit 500 auf 1100 Quadratmeter.

Am alten Standort von Netto entstehen stattdessen zwei Mehrfamilienhäuser.

Einwände von Bürgern und Verkehrsgutachten

Im Bebauungsplan-Verfahren für Netto und Rossmann gab es auch einige Einwände von Bürgern gegen die Bauten. Sie waren nicht gegen die Ansiedlung der Märkte an sich gerichtet, sondern gegen die planerische Umsetzung, also nicht gegen das Was, sondern gegen das Wie.

Eine Bürgerin regte zum Beispiel an, unbedingt auch Wohnungen über dem Netto-Markt vorzusehen. Zwei Gründe sprachen für die Verwaltung dagegen. Erstens: „Wir muten den Anwohnern auf der anderen Straßenseite durch die zwei Märkte schon etwas zu“, so Bauamtsleiter Rainer Blessing. Die Baukörper seien groß und sieben und sechseinhalb Meter hoch. Jedes Wohngeschoss würde drei weitere Meter bedeuten. „Man darf es nicht überziehen.“ Außerdem sah die Gemeindeverwaltung die unmittelbare Nähe zur Bahnlinie und den Kundenverkehr der Märkte als Problem, Stichwort Lärm.

Neben weiteren Kritikpunkten aus der Bürgerschaft gab es den Vorschlag, um den enormen Flächenverbrauch zu reduzieren, eine Tiefgarage für die Kunden der Märkte zu bauen. Auf diesen gingen die Planer nicht ein. Die Verantwortlichen von Rossmann begründeten auf Nachfrage beim Richtfest, warum sie keine Tiefgarage vorgesehen haben.

Auf andere Einwände gingen Gemeinde und Planer ein. So werden entlang der Parkplätze nun Ahornbäume gepflanzt, um eine kleine Allee entstehen zu lassen. Und: Die Gemeinde ließ ein Verkehrsgutachten anfertigen, um die Befürchtung zu überprüfen, dass durch die beiden neuen Märkte ein Verkehrsproblem entsteht.

Ergebnis des Gutachtens: Durch Netto und Rossmann sind 2000 zusätzliche Fahrten in der Schorndorfer Straße zu erwarten. Die Verkehrsexperten halten die Zunahme aber für verträglich. Nicht in den Blick genommen haben sie die Parksituation an der Schorndorfer Straße. Damit will sich die Gemeinde noch befassen und ein Konzept erarbeiten.