Winterbach

Sanierung der Lehenbachverdolung in Winterbach wird erheblich teurer: Gemeinderäte fordern Gutachten

Kanal
Harte, zähe Arbeit im Kanal. Seit Monaten arbeitet die Firma an der Sanierung der Lehenbachverdolung, währenddessen sind immer mehr schadhafte Stellen offenbar geworden. © Gabriel Habermann

Die Sanierung der Lehenbachverdolung zieht sich weiter hin – und wird erheblich kostspieliger als Anfang des Jahres noch gedacht. Mehr als doppelt so teuer nämlich. Ist die Sanierung abgeschlossen, werden Stand heute voraussichtlich 788 000 Euro investiert worden sein.

Zu Erinnerung: Die Verdolung leitet den Lehenbach auf 630 Metern vom Spielplatz Raingärten unter der Straße Oberdorf/Landesstraße durch die Ortsmitte bis zum Kreisverkehr Bachstraße und endet dort an der Rems. Saniert werden müssen diverse Betonabschnitte, teilweise müssen auch die Stahlträger von brüchigem Beton befreit und entstandener Rost entfernt werden.

Dies in denkbar ungünstiger Lage. Die Arbeiter können in dem 1,40 Meter hohen Kanal nicht stehen, alle Arbeiten müssen im Sitzen ausgeführt werden. Ursprünglich war das Ende der Sanierungsarbeiten an dem 40 Jahre alten, unterirdischen Kanal für Ende August anvisiert.

Ingenieur Krop: Ausmaß der Schäden war so zuvor nicht absehbar

Dann im Sommer wurde klar, dass da mehr „Fehlstellen“ zu bearbeiten waren als zunächst gedacht. Ingenieur Wolfgang Krop erklärte nun in der jüngsten Gemeinderatssitzung, man hätte bei der ersten Inaugenscheinnahme im Jahr 2013 dieses Ausmaß an Schäden nicht absehen können.

Im Bereich des Rathauses, wo sich die Sanierungsarbeiten aktuell abspielen, muss nun die komplette Dolendecke saniert werden. Und das dauert. Zusätzlich verlangsamt hatte das unbeständige, teilweise sehr regnerische Wetter im Sommer die Arbeiten. Denn bei jedem Niederschlag müssen die Arbeiter umgehend raus aus dem Kanal. Dann schwillt der Lehenbach nämlich an und ein Aufenthalt darin wird zur Gefahr.

Weitere 423.000 Euro sind für die Sanierung notwendig

Das Septemberende wurde daraufhin als neuer Fertigstellungstermin genannt. Aber nun ist klar: Das zieht sich noch erheblich länger, außerdem ist das Geld aufgebraucht. Die zunächst geplanten Kosten von rund 319.000 Euro erhöhten sich schon im Sommer um 30.000 Euro. Allerdings ist bislang erst die Hälfte des Kanals saniert. Sollten die Arbeiten vervollständigt werden, müsste der Gemeinderat nun einer überplanmäßigen Ausgabe von weiteren 423000 Euro zustimmen.

Sanierung muss fortgeführt werden: Nicht absehbar, wie lange der Kanal hält

Dass es sinnvoll ist, die Arbeiten fortzuführen, darin waren sich die Gremiumsmitglieder einig. Schließlich ist es in den letzten Wochen erstmalig gelungen, die Rems so weit zurückzudrängen, dass Arbeiten am Auslass der Verdolung überhaupt möglich sind. „Wir haben zwei Tage lang Massen von Schlamm rausgeholt“, erklärte Bauleiter und Ingenieur Wolfgang Krop in der Sitzung.

Seit die Verdolung gebaut worden ist, sei an dieser Stelle keiner mehr gewesen. Jetzt aber könne man problemlos mit Rohrstiefeln an die einschlägigen zu sanierenden Stellen gelangen. Gehe man auf diesem Weg weiter, könnte die Sanierung noch bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden – vorausgesetzt, es gibt einen trockenen Herbst.

Neue Baustelleneinrichtung wäre teuer

Würde man die Baustelle aber nun abbrechen, weil man kein weiteres Geld bereitstellen wollte, würde man diese Errungenschaft wieder zunichtemachen und müsste außerdem zu einem anderen Zeitpunkt wieder neu die Baustelle einrichten, was zusätzliche Kosten bedeuten würde. Außerdem sei nicht absehbar, wie lange der Kanal noch halte und von innen heraus saniert werden könne. Werden die Schäden zu groß, muss die komplette Straße aufgegraben werden, um die Verdolung zu erneuern. Das hätte wochenlange Sperrungen mitten auf der Ortsdurchfahrt zur Folge. Von den Kosten ganz zu schweigen.

"Schon eine riesen Summe"

Also, dass die Arbeiten grundsätzlich fortgeführt werden sollten, daran zweifelte keiner der Gemeinderäte. Aber: „Das ist schon eine riesen Summe“, bewertete Andreas Uetz, Fraktionsvorsitzender der BWV-Fraktion, die Kostensteigerung.

Seine Fraktion stellte daher den Antrag, dass ein Gutachter eingeschaltet werden soll, der prüft, ob die bereits geleisteten Sanierungsarbeiten auch fachgerecht ausgeführt wurden.

Gutachten kostet Zeit und Geld

Bürgermeister Sven Müller entgegnete dazu, Ingenieur Krop sei selbst Gutachter. Würde nun ein weiterer eingeschaltet, koste das auch wieder Geld. Bauamtsleiter Rainer Blessing fand zunächst, dass es vor allen Dingen ein zeitliches Problem darstellen könnte, kurzfristig einen Gutachter zu bekommen, schlug aber gegen später noch vor, einen der Gemeinde bekannten Gutachter für einen Tagessatz buchen und schon in den kommenden Wochen durch den Kanal gehen zu lassen.

Wolfgang Krop selbst betonte noch einmal, dass er selbst Gutachter, Prüfer und Statiker sei. „Aber wenn sie das wollen, gern.“ Er hielt eine erneute Prüfung nicht für nötig. Keine andere Baustellenfirma würde in dieser Sache irgendetwas anders machen, so seine Haltung. Gemeinderat Uetz dazu: „Das Gutachten wird schon keine 5000 Euro kosten.“ Bürgermeister Müller konnte sich vorstellen, dass am Ende der Sanierungsarbeiten eine zusätzliche Abnahme dazwischengeschaltet werden könnte, um zu prüfen, ob alles fachgerecht ausgeführt worden ist.

Grünen-Gemeinderätin Sabine Dilger erklärte, ihre Fraktion halte es nicht für notwendig, einen weiteren Gutachter einzuschalten. Vielmehr sei es ihnen wichtig, dass man endlich handle und das Projekt durchziehe, vor allem angesichts immer häufiger vorkommender Starkregenfälle.

Bisherige Arbeit prüfen, bevor Gewährleistung abläuft

Klaus Junge (CDU) zeigte sich empört, über die Kostensteigerung. „Das haut jeden Gemeinderat von den Socken!“, konstatierte er. Von einer Bauverzögerung hielt er aber auch nichts, er könnte sich vorstellen, dass ein Jahr vor Ablauf der Garantie ein Gutachter die Arbeit betrachte und auf richtige Ausführung hin prüfe. Bei solchen Summen müsse man schon schlucken, und man habe als Gemeinderat ja auch eine Verantwortung der Gemeinde und den Bürgern gegenüber.

Prof. Dr. Hans Hertha-Haverkamp (Grüne) plädierte dafür, die Sanierung jetzt komplett anzugehen, hielt Blessings Vorschlag einer arbeitsbegleitenden Begutachtung für gut, wünschte sich aber für die Zukunft bei ähnlichen Kostenschätzungen ein Worst-Case-Szenario vorgelegt zu bekommen.

Wunsch bei hohen Investitionen: Worst-Case-Szenario

Und Roger Ortmann (BWV) fragte sich, wie hoch das Risiko sei, dass die aktuelle Kostenschätzung durch nochmalige Steigerungen zusätzlich in die Höhe schnellen könnte. Da garantierte Wolfgang Krop: „Es gibt kein Risiko.“ Die neue Zahl werde man nun auf jeden Fall halten. Und so entschied der Gemeinderat einstimmig, der überplanmäßigen Ausgabe zuzustimmen und außerdem so schnell wie möglich einen weiteren Gutachter die bisherige Arbeit bewerten zu lassen.

Übrigens: Ein kleinerer Abschnitt in der Straße Oberdorf wird aktuell noch nicht saniert, dieser soll 2023 drankommen, wenn dort in der Investitionsliste ohnehin die Sanierung von Straßenbelag, Kanal und Leitungen geplant ist.

Die Sanierung der Lehenbachverdolung zieht sich weiter hin – und wird erheblich kostspieliger als Anfang des Jahres noch gedacht. Mehr als doppelt so teuer nämlich. Ist die Sanierung abgeschlossen, werden Stand heute voraussichtlich 788 000 Euro investiert worden sein.

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Zu Erinnerung: Die Verdolung leitet den Lehenbach auf 630 Metern vom Spielplatz Raingärten unter der Straße Oberdorf/Landesstraße durch die Ortsmitte bis zum Kreisverkehr Bachstraße und endet dort an der Rems.

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