Winterbach

Sieben Wein- und Sekt-Empfehlungen von Sommelier und Weinhändler Daniel Hasert - und Tipps, wie man sie am besten genießt

Sieben Weine
Vom Gewürztraminer-Sekt aus dem Remstal bis zum Cabernet Sauvignon aus Australien: Daniel Hasert hat für uns sieben herausragende Trauben-Produkte als Empfehlungen zusammengestellt. © Benjamin Büttner

Es sind gerade schlimme Zeiten für die Lebenslust, könnte man meinen: Restaurants geschlossen, keine Partys, keine Feste. Wenn man jedoch Daniel Hasert zuhört, dann ist genau das Gegenteil der Fall. Er hat festgestellt: „Die Leute leben bewusster, sie nehmen sich mehr Zeit zum Kochen. Sie genießen mehr das Häusliche und sie nehmen sich Zeit für Genuss.“ Dabei muss die Geselligkeit gar nicht zu kurz kommen, wie der Sommelier und Weinhändler weiß: Es gibt Unternehmen, die jetzt ihre Weihnachtsfeier online per Videokonferenz planen und dazu Weine bei ihm ordern, die die Mitarbeiter nach Hause geliefert bekommen, samt fachkundiger Weinverkostung.

Für unsere Zeitung hat Daniel Hasert sechs Weine und einen Sekt herausgesucht, die er jetzt für die dunkle Jahreszeit empfiehlt, inklusive der Gerichte, zu denen sie passen. Und er gibt Tipps, wie man es ohne Profi-Hilfsmittel hinbekommt, dass ein Rotwein zum richtigen Zeitpunkt die richtige Trinktemperatur hat.

Online-Weinproben helfen über die Corona-Zeit hinweg

Daniel Hasert hat in Winterbach seinen Laden „Daniel’s Weine“. Für die Arbeit dort wurde er gerade ausgezeichnet: Er kam auf den zweiten Platz bei der Preisverleihung zum Weinfachhändler des Jahres durch das Deutsche Weininstitut und die Fachzeitschrift „Wein und Markt“. Hasert arbeitet aber gleichzeitig auch noch als Sommelier im „Lamm“ in Hebsack, im Familienbetrieb, in den er hineingeboren wurde. Er hat also die Auswirkungen der Corona-Krise in doppelter Hinsicht gespürt. Restaurants und Hotels wie das „Lamm“ sind hart von den Corona-Maßnahmen betroffen. Und weil die Wirte keine Gäste haben, hat Daniel Hasert zugleich viele Abnehmer für seine Weine verloren. „Wir beliefern fast 30 Restaurants in der Region, aber auch im Allgäu oder in Österreich“, sagt er. Dort mache er auch Schulungen für das Personal und helfe beim Erstellen der Weinkarten. „November und Dezember ist eigentlich die Hauptzeit in der Gastronomie. Das fällt alles weg.“

Auch die eigenen Veranstaltungen von „Daniel’s Weine“ – allein im November wären 14 Weinproben geplant gewesen – können nicht stattfinden, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Doch Daniel Hasert hat einige ins Internet verlagert, wie es derzeit auch einige Weingüter machen. Bei „Daniel’s Weine“ gab es zum Beispiel eine Schalte in ein französisches Weingut zu buchen, inklusive Kellerführung per Video.

Die Teilnehmer der Weinproben werden vorab mit den zu verkostenden Flaschen beliefert. Dazu kommt eine Anleitung mit, welche Temperatur der Wein haben sollte und wann man am besten die Flasche öffnet, damit sie ihr volles Aroma entfalten. Natürlich sei das nicht dasselbe wie eine Weinprobe vor Ort, meint er, aber es könne auch online durchaus sehr gesellig und lustig werden. Eine Probe, die er für zwei Stunden angesetzt habe, sei schon mal auf vier ausgeufert. Verhocken in den heimischen Sofakissen bei der virtuellen Weinprobe – die Corona-Krise eröffnet ganz neue Perspektiven. Und das Gute daran ist: Man braucht kein Taxi und keinen Fahrer, sondern kann danach gleich ins Bett fallen.

Wann öffnet man die Flasche, wie temperiert man den Wein richtig?

Mit diesen Weinproben und den gestiegenen Zahlen bei Privatverkäufen, dem Plus an Kunden, die sich Wein für zu Hause kaufen, um ihn dort statt im Restaurant zu genießen, hält sich „Daniel’s Weine“ jetzt über Wasser. „Man merkt, die Leute gehen gerade bewusster ans Essen und Kochen ran“, sagt Daniel Hasert. Und dazu gehört dann für viele auch der Genuss eines guten Weins. Wer dafür jetzt nach Inspiration sucht – für den kommen hier gleich sieben Empfehlungen des Sommeliers für alle Gelegenheiten und passend zur Jahreszeit.

Vorab aber noch ein paar Tipps vom Profi, wie der Wein am besten schmeckt. „Grundsätzlich werden Weine viel zu jung getrunken“, sagt Daniel Hasert. „Man kann es manchmal nicht abwarten, aber es ist schöner, wenn man einen reifen Wein hat.“ Also: den aktuellen Jahrgang nicht gleich köpfen, sondern die Flasche mindestens zwei, drei Jahre lagern.

Weißwein sollte direkt aus dem Kühlschrank mit sechs bis sieben Grad ins Glas kommen, das ist einfach. Wie temperiert man aber einen Rotwein richtig, wenn man keinen Profi-Weinschrank hat? Daniel Hasert empfiehlt: Insbesondere junge Rotweine sollte man eine Stunde vorher in eine Dekanter-Karaffe gießen. Oder: Am Tag vorher öffnen, einen Schluck raus, Korken wieder rein und dann in den Kühlschrank. Nimmt man sie dann 30 Minuten vor dem Ausschank raus, haben sie die richtige Temperatur von 17 bis 18 Grad.

Weine für jeden Tag und für besondere Anlässe: Daniel Haserts Empfehlungen

  • 2017 Riesling Q.b.A. trocken – Exklusivausbau für „Daniel’s Weine“, Weingut Gold, Gundelsbach (13,90 Euro). Dazu schreibt Daniel Hasert: „Saftiger, gelbfruchtiger Riesling aus alten Rebstöcken. Er zeigt sich jetzt in voller Pracht. Aromen von gelbem Apfel, Aprikose und Quitte. Am Gaumen saftiges Mundgefühl, elegantes Säurespiel mit mineralischem Nachhall und tollem Trinkfluss.“
  • 2018 Le Viogn (Viognier) – Bio-Weingut Tröpfltalhof, Kaltern-Südtirol (23,50 Euro). Daniel Hasert: „Für mich der beste Viognier Italiens. Perfekter Weißwein zu gebratenem Fisch, Kürbissuppe und Ente. Ideal zur kalten Jahreszeit. Reife Frucht, gepaart mit Blütenaromen, dominiert seinen süßen Duft. Am Gaumen geschmeidig und dennoch mit kräftigem Körper erinnert er an weißen Pfirsich und Aprikose."
  • 2017 Cabernet Sauvignon – Richland Calabria Family Wines, Australien (8,90 Euro). Daniel Hasert: „Ein attraktiver, fruchtbetonter Wein mit einem intensiven Bouquet von süßen Beeren und Veilchen, gestützt durch eine dezente Holznote. Der Beerencharakter setzt sich am Gaumen fort, kombiniert mit Würze, Vanilletönen und weichen, dichten Tanninen. Perfekter Wein für jeden Tag."
  • 2015 LAN Reserva D.O.Ca – Bodegas LAN, Rioja-Spanien (13,90 Euro). Daniel Hasert: „Reifte für 18 Monate in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche und anschließend 20 Monate in der Flasche. Eine schöne Frucht, mit Noten nach Kirschen und Pflaumen. Dazu kommen feine Gewürzaromen und samtige Tannine am Gaumen. Ein typischer Tempranillo mit einem Schuss Mazuelo. Perfekter Begleiter zu Schmorgerichten, Hirsch und Rehrücken. Ideal auch zur Gans.
  • 2017 Volnay A.O.C. (Pinot Noir) – Domaine Glantenay, Burgund Frankreich (36 Euro). Daniel Hasert: „Der Duft ist fruchtig und fein-würzig und erinnert an Kirschen, Erdbeeren und Gewürze. Er zeigt die rassige Eleganz des Terroirs mit einem zarten Fruchtbukett und einer gewissen Fleischigkeit und einer Konsistenz von legendärer Geschmeidigkeit. Die Weine aus Volnay zählen zu den besten Burgunds. Harmoniert mit edlen Terrinen (Gemüse, Wild, Wildgeflügel), Pilzgerichten, Boeuf Bourguignon, gebratenem oder geschmortem Wildgeflügel, edlen Reh-Gerichten.“
  • 2018 Syrah Q.b.A. trocken – Exklusivausbau für „Daniel’s Weine“, Weinmanufaktur Untertürkheim (22,50 Euro). Daniel Hasert: „Der Barrique-Ausbau von zwei Jahren verleiht dem Wein Ausdruck, ein differenziertes Aromenspektrum sowie Raum für Reifepotenzial. Dunkles, ganz dichtes Rot mit dunkelvioletten Reflexen. Kräftige Brombeeraromen gefolgt von Wacholderbeeren und dezenten Vanilletönen, feine Röstaromen, edle Tabaknoten und Kaffee. Perfekter Begleiter zu Rib-Eye-Steak mit Rosmarinkartoffeln, Fondue, Hirschrücken mit Pfeffersoße.“
  • 2018 Gewürztraminer Sekt Brut b.A. – Weingut Klopfer, Großheppach (13,90 Euro). Daniel Hasert: „Dieser ganz besondere Sekt wurde in der Kategorie Sortenvielfalt Deutscher Sekt brut vom Meininger Verlag mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Für mich springt er förmlich aus dem Glas, intensiver Rosenduft, Lindenblüten, ein Feuerwerk im Gaumen, explosiv und elegantes Mousseux.“

Es sind gerade schlimme Zeiten für die Lebenslust, könnte man meinen: Restaurants geschlossen, keine Partys, keine Feste. Wenn man jedoch Daniel Hasert zuhört, dann ist genau das Gegenteil der Fall. Er hat festgestellt: „Die Leute leben bewusster, sie nehmen sich mehr Zeit zum Kochen. Sie genießen mehr das Häusliche und sie nehmen sich Zeit für Genuss.“ Dabei muss die Geselligkeit gar nicht zu kurz kommen, wie der Sommelier und Weinhändler weiß: Es gibt Unternehmen, die jetzt ihre

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