Winterbach

Sport Schwab in Winterbach: Vor welcher Herausforderung die Juniorchefin steht

Sport Schwab
Tochter und Vater: Melanie und Jürgen Schwab. © Gabriel Habermann

Melanie Schwab schafft seit 2014 als Geschäftsführerin die besten Voraussetzungen dafür, dass Sport Schwab in Winterbach das bleibt, was es ist. Die Tugenden ihrer Eltern geben ihr das Rückgrat, um die Herausforderungen der Branche „sportlich“ anzugehen.

Schon als 16-Jährige hat Melanie Schwab im elterlichen Sportfachgeschäft mitgearbeitet, damals noch mit der Oma, drei Generationen unter einem Dach vereint. „Der Laden war schon immer in mir drin, ich bin damit aufgewachsen.“ Schnell zeigten sich ihr Talent und auch ein sportlicher Ehrgeiz. „Von Anfang an habe ich mich in meine Arbeit reingebissen, bis ich es richtig konnte.“ Sie habe sich mit „total crazy Sachen“ beschäftigt, die niemand machen wollte, erinnert sie sich lächelnd. „Melanie, kannst du mal kommen?“, hieß es, wenn sich ein Kunde für ihre „Steckenpferde“ Handschuhe und Sonnenbrillen interessiert hat.

Praktikum in Sieben-Etagen-Haus

„Es war immer mein Wunsch, genau das zu machen, ich konnte mir nichts anderes vorstellen.“ Nach der Realschule hat sie bei den Eltern ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau absolviert und dann ihr Spektrum erweitert mit einem Studium zum Sportfachwirt in Nagold. Schwerpunkt - klar: Sportfashion.

Ein Praktikum in einem Sieben-Etagen-Haus hat sie abgelegt in der Kategorie „Ja, hab’s gesehen, brauch’ ich aber nicht auf Dauer“. Sie fand es wichtig, mal eine andere Welt kennenzulernen, spielentscheidend für ihre berufliche Zukunft waren andere Faktoren. „Ich liebe unsere Kunden viel zu sehr und bin hier verwurzelt.“

Die Ware sei zwar dieselbe, aber der Kundenkontakt nicht mit Winterbach vergleichbar. „Unser super Kundenumfeld gibt es nur hier, das haben meine Eltern geschaffen, für sie will ich es fortführen.“ Viele Mitarbeiter und Kunden kennen sie schon seit der Kindheit. „Ich wusste genau, auf welche Persönlichkeiten ich mich einlasse, das ist ein großer Vorteil“, zieht sie ein Fazit.

"Beim Mittagessen wurde es auch mal lebhafter"

Melanie wuchs zwischen Sportschuhen, Kleiderständern und Fußbällen auf. Sie bekam die Möglichkeit, viel auszuprobieren, und durfte sich langsam an die Geschäftsleitung annähern. Was nicht heißt, dass sie geschont wurde. „Ich bekam immer schon Verantwortung übertragen.“ Sie durfte nach kurzer Einarbeitungszeit gleich mit auf die Verkaufsfläche und bei der Fußball-WM 2006 die gesamte Präsentation eigenständig abwickeln. Das sei die „gute alte Schule“ gewesen, von der sie bis heute profitiere. „Ich habe die Devise, das beizubehalten, was wir gut machen, und nie übers Ziel hinauszuschießen.“ Das, was man tut, zu 100 Prozent tun, aber nichts übertreiben - das hat sie von ihren Eltern mitbekommen. „Mir gefällt, was sie verkörpern“, sagt sie. Sie habe viele gute Tugenden von ihrem Vater gelernt. Pünktlichkeit und Sauberkeit - auch in der hintersten Ecke im Lager. Und: Service. „Wir gehen bei einem Kind in die Hocke, um ihm beim Schuheanziehen zu helfen“, greift sie eins von unzähligen Beispielen heraus.

Gab es nie einen „Clash of generations“? „Klar, den gab’s schon“, platzt es freudig aus ihr heraus. „Wir haben immer über alles diskutiert, da wurde es beim Mittagessen auch mal lebhafter“, erzählt sie, gerade in der Übergangszeit, als sie zwar schon Geschäftsführerin war, ihr Vater aber noch das letzte Wort hatte. „Ich sagte mir, es ist zwar mein Job jetzt, aber ich höre zu, was er mir zu sagen hat.“ Es sei mit der Zeit aber immer leiser geworden beim gemeinsamen Mittagessen. „Wir geben ihr ab und zu noch einen Tipp, auch wenn es ihr mal nicht ganz passt, aber sie muss ihr eigenes Ding machen“, bestätigt Mutter Angelika. Die Ansichten können nicht immer deckungsgleich sein, mit dem Alter habe es aber nichts zu tun. „Es ist normal, unterschiedliche Meinungen zu haben, weil wir verschiedene Menschen sind, aber nicht, weil wir verschiedene Generationen sind.“ Sie mache vieles wie ihr Vater: „Weil es ja nicht schlecht ist, was er machte, aber manchmal entscheide ich mich anders, wenn ich es für besser halte.“ Sie konnte immer ihre Meinung äußern. „Ich musste auch mal sagen, dass ich etwas jetzt anders mache, weil ich selbst lernen muss, was falsch ist. Das musste er auch, da muss jeder Selbstständige durch.“

2011: "World of teamsport" als eigener Unternehmensbereich gegründet

Ihre Eltern hätten sie immer machen lassen, dabei aber unterstützt und bestärkt. „Ich wusste immer, dass ich volle Rückendeckung habe.“ Das Family-Backup war immer da. „Das hat mich stark gemacht in jeder Situation“, sagt Melanie Schwab. Für sie war es immer eine Beruhigung, dass alle auf einer Ebene arbeiten, trotz mancher Querelen. Den harten Cut braucht es aus Sicht der Juniorchefin gar nicht. „Es gibt genügend kleine Punkte und Stellschrauben, an denen man etwas ändern kann, ohne das große Ganze infrage zu stellen.“ Mutter Angelika ist stolz, dass das Unternehmen fortgeführt wird und nicht alles umgekrempelt wird. „Es ist unser Baby, das wir großgezogen haben - wie unsere Kinder auch“, sagt sie. Ihre Philosophie habe sich auf die nächste Generation übertragen. „Sie hat selbst gemerkt, dass nicht alles falsch war, und es umgesetzt - teils sogar noch besser als wir“, so Angelika Schwab.

Melanie habe viele Veränderungen angestoßen, neue Marken eingeführt und Abläufe angepasst. 2011 wurde die „World of teamsport“ als eigener Unternehmensbereich gegründet. 2014 hat Melanie Schwab das Unternehmen socialmedia-kompatibel umstrukturiert. „Es muss sein heutzutage“, sagt die 35-jährige Geschäftsführerin. Der Einkauf werde heute zum Großteil digital abgewickelt. „Viele Vertreter, die meinen Vater früher alle zwei Monate besucht haben, habe ich seit drei Jahren nicht mehr gesehen.“ Obgleich ein Kind der Internetgeneration, steht sie zu 100 Prozent hinter dem stationären Handel. „Bestellen kann man alles auch im Internet, aber die Menschen gehen immer dorthin, wo sie sich wohlfühlen, um ihr Geld sorgfältig zu verteilen und auszugeben.“ Socialmedia-Marketing und Internetpräsentation waren Anfang der 1980er Jahre noch nicht erfunden, als die Eltern ihre Kundschaft mit Sportkleidung und Trikots versorgt haben.

Wo sieht Melanie Schwab die Herausforderungen der Branche?

„Wäre mein Vater noch Geschäftsführer, er würde für den Online-Einkauf jemanden anstellen, ich glaube, das alles würde er gar nicht mehr anfangen“, sagt Melanie Schwab. Sie selbst könne auch keine Erfüllung im reinen Onlinehandel finden. „Mir ist es wichtig, beim Einkauf die Sachen noch anzufassen und zu sehen.“

Aktionen wie der Black Friday sind fixe Termine, die sie eigenständig gestaltet. Die Herausforderungen der Branche sieht sie in ständig wechselnden Sortimenten, Schnelllebigkeit, Digitalisierung und auch Mitarbeiterführung. Work-Life-Balance, flexiblere Arbeitszeiten und Einteilung von freien Tagen sowie Vaterschaftsurlaub seien heute das A und O für den Arbeitgeber, der auch morgen noch motivierte Fachkräfte haben will. So einen wie Mitarbeiter Thomas Scholz, der seit 15 Jahren dabei ist. Er kennt beide Welten. „Das Arbeitsklima ist gewachsen, aber gut geblieben, auch unter den Mitarbeitern.“ Hier weiß man dem Kunden und den Mitarbeitern gegenüber noch, was Service bedeutet. „Die Geschäftsleitung tut einiges dafür, dass es so gut bleibt.“

Dieser Artikel ist zuerst am Donnerstag, 15. Dezember, in unserer Beilage "So stark ist der Rems-Murr-Kreis - die nächste Generation" erschienen.

Melanie Schwab schafft seit 2014 als Geschäftsführerin die besten Voraussetzungen dafür, dass Sport Schwab in Winterbach das bleibt, was es ist. Die Tugenden ihrer Eltern geben ihr das Rückgrat, um die Herausforderungen der Branche „sportlich“ anzugehen.

Schon als 16-Jährige hat Melanie Schwab im elterlichen Sportfachgeschäft mitgearbeitet, damals noch mit der Oma, drei Generationen unter einem Dach vereint. „Der Laden war schon immer in mir drin, ich bin damit aufgewachsen.“ Schnell

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