Winterbach

Steuerverschwendung: Radweg-Kreisel landet am Pranger

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Warnbaken und Blinklichter mussten den Kreisel sichern. © Ramona Adolf

Winterbach.
Der Winterbacher Radweg-Kreisel erlangt erneut traurige Berühmtheit. Nachdem zuletzt der Fernsehsender RTL über den Kreisverkehr an der Rems berichtet hatte, landet er nun als Steuerverschwendung im neuen "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler (BdSt). Jedes Jahr veröffentlicht der BdSt im diesem Buch Projekte, in die ihrer Ansicht nach sinnlos Steuergelder gesteckt wurden. Im letzten Jahr hatte unter anderem die Pedelec-Station am Waiblinger Bahnhof am Pranger gestanden. Am Dienstag wurde die neue Ausgabe des Schwarzbuchs vorgestellt. Mit dabei ist diesmal der Kreisverkehr an der renaturierten Rems bei Winterbach.

Warum war der Kreisel ein Problem?

Der Kreisverkehr hatte für Diskussionen gesorgt, denn viele Radfahrer hielten ihn für genauso sinnlos wie gefährlich. Eigentlich hatte der Kreisel die Radler schützen sollen. An dem Verkehrsknotenpunkt, der von Radfahrern, Fußgängern, Autos und landwirtschaftlichem Verkehr genutzt wird, hatte er als "Verkehrsbremse" wirken sollen. Dafür hatte das Land* laut BdSt 3 500 Euro investiert. Stattdessen hatten aber mehrere Personen von schweren Stürzen berichtet, die durch den Kreisverkehr entstanden waren. Das Problem: Viele Radler konnten den Kreisverkehr gar nicht als solchen erkennen - und blieben deshalb an dem nur zweieinhalb Zentimeter hohen Randstein hängen. Andere ignorierten den Kreisverkehr schlicht, um nicht an Tempo zu verlieren. Der Effekt, den man sich durch den Umbau erhofft hatte, stellte sich keinesfalls ein.

Rückbau kostet mehr als der Aufbau

Der ADFC hatte den Kreisel als "unnötige Gefahr" eingestuft, auch weil er nachts nicht beleuchtet war. Im März wurde deshalb schließlich beschlossen: Der Kreisel muss weg. In der kurzen Zeit bis zum Rückbau wurde der Kreisverkehr noch durch beleuchtete Warnbaken gesichert. Die Kosten hierfür: Zwischen 1 000 und 1 500 Euro. Mehr zu Buche schlug dann der eigentliche Rückbau und der neue Asphalt. Ganze 10 000 Euro waren hierfür nötig.

Neun Projekte aus Baden-Württemberg im Schwarzbuch

Der Bund der Steuerzahler prangert in diesem Jahr insgesamt neun Projekte aus Baden-Württemberg an, darunter die "Neckarwelle" in Stuttgart-Untertürkheim, der Schnellbus X1 zwischen Bad Cannstatt und der Innenstadt und die digitale Bildungsplattform Ella.

*In einer ursprünglichen Version des Artikels hatten wir davon gesprochen, dass die Gemeinde das Geld investiert hatte. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.