Winterbach

„Total verzweifelt auf der Suche“: Ende der Winterbacher Nachbarschaftshilfe droht

Nachbarschaftshilfe
Ulrich Wallkamm (links) gibt sein Amt als Vorsitzender des Nachbarschaftshilfevereins auf, Einsatzleiterin Silvia Kutzias meldete sich mit einer Kollegin jetzt im Gemeinderat zu Wort und bat um Unterstützung bei der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. © Benjamin Büttner

Hilfe und Unterstützung für den Alltag alter und kranker Menschen, der Secondhand-Klamottenladen, das „Lädle“, Fahrdienste und die Veranstaltung „Kelter, Kaffee, Klatsch, Kultur“ – das sind alles Beispiele dafür, was die Nachbarschaftshilfe in Winterbach auf die Beine stellt. Jetzt könnte es damit vorbei sein. Denn: Der bisherige Vorsitzende Ulrich Wallkamm hört auf, und es gibt keine Nachfolgerin und keinen Nachfolger. Ist das das Ende des Vereins? Die Einsatzleiterin und ihre Stellvertreterin appellieren mit einem emotionalen Auftritt an die Ehre der Gemeinderäte.

Die beiden Frauen, Silvia Kutzias und Judith Hutt, zitierten Aussagen aus den Wahlkampf-Prospekten der Fraktionen, in denen vom Verantwortung-Übernehmen und von einem „Miteinander für ein lebenswertes Winterbach“ die Rede war – und sie fragten die Gemeinderäte direkt: „Wo denn bitte? Wo kommt die Unterstützung von Ihnen für die Nachbarschaftshilfe?“ 45 Jahre lang sei der Verein in Winterbach tätig. Es sei vielen gar nicht bewusst, was der Ort verlieren würde, sollte er verschwinden. Das werde aber passieren, falls sich niemand für den Vorsitz finde und Dienste der Nachbarschaftshilfe zur Awo wandern, warnten Hutt und Kutzias. „Wir sind jetzt wirklich total verzweifelt auf der Suche“, so die dringliche Lagebeschreibung.

Gespräche zur Übernahme mit der Awo laufen

Tatsächlich gibt es Gespräche über eine Lösung, wie Angebote des Nachbarschaftshilfevereins unter dem Dach der Sozialstation und des Ortsvereins der Awo weitergeführt werden könnten. Das berichtet der Noch-Vorsitzende Ulrich Wallkamm unserer Zeitung auf Nachfrage. Der frühere Kämmerer der Gemeinde steht seit 18 Jahren an der Spitze des Nachbarschaftshilfevereins. Jetzt, so sagt er, sei er in einem Alter, in dem es Zeit sei, abzutreten. „Wenn ich mich noch mal zur Verfügung stellen würde, wäre ich in drei Jahren am Ende der Amtszeit 71“, sagt Wallkamm.

Sehr stark geht die Entwicklung wohl jetzt schon in die Richtung, dass die Hilfe in den Haushalten, das Kerngeschäft der Nachbarschaftshilfe, von der Awo-Sozialstation übernommen werden soll, wie Ulrich Wallkamm unserer Zeitung sagt: „Wir sind mitten in den Verhandlungen.“ Alle anderen Angebote wie die Veranstaltung „Kelter, Kaffee, Klatsch, Kultur“, die Fahrdienste oder das „Lädle“ könnte möglicherweise der Awo-Ortsverein übernehmen und weiterführen. Die andere Möglichkeit wäre, so Ulrich Wallkamm, dass zwar die Haushaltshilfe abwandert, aber der Verein erhalten bleibt und die anderen Angebote weiterführt – wenn sich dafür eine Vorsitzende oder ein Vorsitzender findet.

Wie die Zukunft auch immer aussehe: „Wichtig ist, dass für unsere Bürger die Sachen, die wir als Nachbarschaftshilfe gemacht haben, nachher weiter angeboten werden können.“

Wie wird die Nachbarschaftshilfe fit gemacht für die Zukunft?"

Auch Bürgermeister Sven Müller sagte im Gemeinderat auf die emotionale Ansprache der beiden Frauen der Nachbarschaftshilfe: „Wir möchten, dass die Nachbarschaftshilfe fortbesteht.“ Der Verein liege allen in der Verwaltung und im Gemeinderat „sehr am Herzen“. „Die Frage ist nur, wie die Nachbarschaftshilfe fit gemacht werden kann für die Zukunft.“ Man könne aber keine Lösung aus dem Ärmel schütteln. Die Anforderungen im Bereich der Haushaltshilfe seien immer mehr gestiegen, was die Professionalität angehe, die eine Führungskraft im Vorsitz des Vereins mitbringen müsse.

Aus dem Gemeinderat meldete sich Klaus Junge (CDU) zu Wort, weil er, wie er sagte, „den pauschalen Vorwurf“ der Untätigkeit nicht stehenlassen wollte. Er arbeite selbst seit Jahren ehrenamtlich beim Seniorennachmittag mit. „Jedem Gemeinderat liegt die Nachbarschaftshilfe am Herzen“, betonte Junge. „Wir wissen auch, dass es eine absolute Katastrophe wäre, wenn es die Nachbarschaftshilfe nicht mehr geben würde.“ Auch er drückte jedoch seine Zweifel daran aus, dass ein ehrenamtlicher Vorstand die Aufgaben noch bewältigen kann. „Da muss man sich insgesamt andere Dinge einfallen lassen“, so Junge.

Hilfe und Unterstützung für den Alltag alter und kranker Menschen, der Secondhand-Klamottenladen, das „Lädle“, Fahrdienste und die Veranstaltung „Kelter, Kaffee, Klatsch, Kultur“ – das sind alles Beispiele dafür, was die Nachbarschaftshilfe in Winterbach auf die Beine stellt. Jetzt könnte es damit vorbei sein. Denn: Der bisherige Vorsitzende Ulrich Wallkamm hört auf, und es gibt keine Nachfolgerin und keinen Nachfolger. Ist das das Ende des Vereins? Die Einsatzleiterin und ihre

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