Winterbach

Trüben Maskenpflicht und Abstandsregeln die Lust am Einkaufen?

Einzelhändlern
Hans-Jürgen Raithle verzeichnet im Modehaus deutliche Umsatz- und Frequenzrückgänge. © ALEXANDRA PALMIZI

Auf dem Wochenmarkt wird geplaudert, vor der Bäckerei trinken die Menschen zusammen Kaffee. Es ist wieder was los im Zentrum von Winterbach. Doch gehen all die Leute, die jetzt auf den Straßen unterwegs sind, auch shoppen oder trüben Maskenpflicht und Abstandsregeln die Lust am Einkaufen?

„Die Kauflust ist eingeschränkt. Den Einzelhandel trifft die Krise nach wie vor massiv“, sagt Hans-Jürgen Raithle, Inhaber des Modehauses Raithle. Nachdem das Geschäft nach mehr als einem Monat Ende April wiedereröffnete, seien Frequenz und Umsatz um die Hälfte zurückgegangen, und auch im Juni verzeichnete Raithle etwa 40 Prozent weniger Kunden. Diese Umsatzverluste seien nicht aufzuholen. Auch Preisreduzierungen lockten nicht so viel Kundschaft in den Laden, wenngleich ihm gar nichts anderes übrigbleibt als Rabatte, um die Ware zu verkaufen, die das Modehaus schon vor der Krise eingekauft hat. „Im Vergleich dazu war die Wirtschaftskrise 2008/2009 ein Nasenwasser. Ich rechne damit, dass wir frühestens Mitte nächsten Jahres keine Langzeitfolgen mehr spüren.“ Dennoch will Hans-Jürgen Raithle nicht traurig zurück, sondern optimistisch nach vorn schauen. „Unsere Stärke liegt in der Beratung mit besonderem Schwerpunkt auf festlicher Garderobe. Daran halten wir fest.“ Denn auch wenn gerade Abendkleider und Anzüge zu Ladenhütern mutieren, weil die meisten Feiern abgesagt werden: „Hochzeiten und Konfirmationen werden nachgeholt, und dann sind wir für unsere Kunden da.“ Wichtig sei jetzt, dass die Menschen das Vertrauen in die neue Situation gewännen.

Masken verhindern lange Shoppingtouren

Das Einkaufsverhalten hat sich verändert, bestätigt Marlen Bistritz, Bereichsleiterin Retail bei Peter Hahn: „Die Kunden kaufen nun eher Basics und bequeme Sommerware. Outfits für Hochzeiten, Kreuzfahrten oder Konzerte werden derzeit nicht benötigt.“ Dazu kommt: Das Shoppingerlebnis ist nicht mit dem vor der Corona-Pandemie zu vergleichen. Neben der Maskenpflicht und den Abstandsregeln verzichtet das Unternehmen derzeit auch auf den Ausschank von Getränken und den Änderungsservice. „Gerade die Masken verhindern ausgedehntere Einkaufserlebnisse. Häufig werden schnelle Besorgungen gemacht, um sich nicht zu lange im Geschäft aufzuhalten“, beobachtet Bistritz. Nichtsdestotrotz ist auch sie optimistisch: Nachdem das Geschäft nach der Wiedereröffnung aller Filialen in Deutschland und der Schweiz am 11. Mai zunächst schwer angelaufen sei, sei seit Ende Mai eine Verbesserung zu bemerken.

Besser ergangen ist es Einzelhändlern, die Bedarfsgegenstände wie zum Beispiel Eisenwaren und Haushaltswaren anbieten: „Wir wurden glücklicherweise als eine Art Baumarkt eingestuft und durften deshalb die ganze Zeit über geöffnet haben“, sagt Manuel Singer, Inhaber des Singer-Zentrums in Grunbach. Dennoch seien die ersten Tage nach dem Lockdown extrem ruhig gewesen. Das Geschäft habe sich aber schnell erholt: „An Ostern war richtig viel los, und auch jetzt machen wir mehr Umsatz als sonst und werden deshalb voraussichtlich keine Einbußen haben.“

Zusätzliche Kosten für Einzelhändler

Der Schreibfuchs Remshalden musste zwar viereinhalb Wochen lang geschlossen bleiben, nach der Wiedereröffnung am 20. April habe sich die Lage aber sofort entspannt: „Wir waren sofort wieder auf dem gleichen Umsatzniveau wie vor der Corona-Pandemie“, sagt der Inhaber Gerald Fahnenbruck. Dennoch könnten die Verluste der Schließung nicht kompensiert werden: Es ist nicht nur das komplette Ostergeschäft weggefallen. Durch die Corona-Krise hat der Einzelhändler zusätzliche Kosten: „Die Mehrwertsteuersenkung ist gut gemeint, für uns kleine Händler aber schwierig“, sagt Fahnenbruck. Die Kosten für die Umstellung beliefen sich auf mehrere Tausend Euro, unter anderem für den Steuerberater. Auch Plexiglasscheiben an den Kassen und Desinfektionsmittel sind zusätzliche Ausgaben. „Obwohl ich im Vergleich zu anderen Branchen Glück hatte, musste auch ich Eigenkapital investieren, um durch die Krise zu kommen.“ Fahnenbruck hofft nun aufs Schulgeschäft, denn im September macht der Schreibwarenladen so viel Umsatz wie sonst im ganzen ersten Quartal des Jahres. Allerdings birgt das hoffentlich gute Geschäft in diesem Jahr auch neue Herausforderungen: „Wir kontaktieren beispielsweise gerade die Schulen, ob sie die Listen, was benötigt wird, schon früher an Eltern und Schüler herausgeben können. Denn wenn alle Kunden an den ersten Schultagen gleichzeitig kommen, sind die Hygiene- und Abstandsregeln kaum einzuhalten.“

Auf dem Wochenmarkt wird geplaudert, vor der Bäckerei trinken die Menschen zusammen Kaffee. Es ist wieder was los im Zentrum von Winterbach. Doch gehen all die Leute, die jetzt auf den Straßen unterwegs sind, auch shoppen oder trüben Maskenpflicht und Abstandsregeln die Lust am Einkaufen?

{element}

„Die Kauflust ist eingeschränkt. Den Einzelhandel trifft die Krise nach wie vor massiv“, sagt Hans-Jürgen Raithle, Inhaber des Modehauses Raithle. Nachdem das Geschäft nach mehr als einem

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper