Winterbach

Traumjob mit Bewerbermangel: Was Winterbachs Schwimmmeister Frank Höhn berichtet

Schwimmeister Höhn
Schwimmmeister Frank Höhn in seinem Bad. © ALEXANDRA PALMIZI

Bademeister händeringend gesucht - auch in Winterbach bleibt die Situation im Freibad schwierig. Frank Höhn ist die einzige verbliebene Fachkraft in Winterbach, weil der Kollege langfristig ausgefallen ist. Die Öffnungszeiten mussten bereits in der Saison reduziert werden. Der Dienstag bleibt auch 2022 weiter geschlossen. Warum will niemand mehr Bademeister werden?

„Wenn unsere lieben, coolen und tollen Badegäste nicht wären, hätte ich das Handtuch schon längst hingeworfen“, sagt Schwimmmeister Frank Höhn. Momentan nutzt er seine Handtücher aber noch – zum Wespenverjagen oder auch zum Abtrocknen, wenn er vor der Badöffnung selbst sein fast tägliches Erfrischungsbad nimmt. Das Privileg, im leeren Becken zu schwimmen, zähle zu den vielen schönen Seiten seines Berufs. Wie auch der Umgang mit den Menschen, der Arbeitsplatz an der frischen Luft sowie die lange Auszeit im Winter, die für die langen Arbeitstage während der Saison entlohnt. „Wegen des Geldes jedenfalls mache ich es nicht“, ist er ehrlich.

"Man macht sich nicht klar, was an uns alles hängt"

Seine offizielle Berufsbezeichnung klingt etwas sperrig: Fachangestellter für Bäderbetriebe. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Die Lerngebiete sind vielseitig, sein Alltag sei es auch. „Man macht sich nicht klar, was an uns alles hängt.“ Seit 18 Jahren sorgt er für einen reibungslosen Badebetrieb, zunächst in seiner Heimat Coburg, wo er gelernt hat, seit 2006 in Winterbach. Für ihn ist es Passion. „Schon als Jugendlicher habe ich ehrenamtlich geholfen, es macht mich glücklich, unsere kleine Oase hier im Ort über den Sommer zu erhalten.“

Kern der Tätigkeit ist die Wasseraufsicht. Schwimmmeister sind vorbereitet auf Wasserrettungsmaßnahmen, geschult in Gesundheitslehre und Hilfeleistung in Notfällen.

„Wir arbeiten in einem Lebensrettungsberuf“

In einer Gefahrenlage muss er sofort eingreifen können. „Wir arbeiten in einem Lebensrettungsberuf. Unsere Besucher brauchen das Sicherheitsgefühl.“ Eine kurze Abwesenheit wird sofort registriert: „Wenn wir uns mal nicht am Becken blicken lassen, weil wir vielleicht einen Wespenstich verarzten oder nach der Technik schauen, wird sofort nachgefragt, wo wir sind.“ Er muss die Sicherheit der Gäste beaufsichtigen.

Diese verantwortungsvolle Arbeit teilt er sich derzeit mit vier Aushilfsbademeistern und zwei externen selbstständigen Bademeistern. 2020 war die letzte Saison mit seinem Stellvertreter. Weil der Kollege langfristig ausgefallen ist, ist Frank Höhn die einzige Fachkraft in Winterbach.

Als Mitte Juli 2022 das Freibad in Remshalden für zwei Wochen geschlossen war, rannten ihnen in Winterbach die Badegäste die Bude ein. Sie seien unterbesetzt, insbesondere für den Andrang bei diesem, über Wochen hinweg anhaltenden Sommerwetter. Schon 2021 war nur an drei Tagen „normal“ von 9 bis 20 Uhr geöffnet. An drei Tagen ist das Frühschwimmen komplett ausgefallen.

Viele scheuen die hohe Verantwortung und ebenso die Arbeitszeiten

Es gibt zu wenige, die seinen Job machen möchten. Anwärter auf diesen Posten sind, positiv gesehen, in einer komfortablen Position. Ihnen stehen sämtliche Türen zu einem zukunftssicheren, abwechslungsreichen, oft anstrengenden Job mit langen, aber erfüllenden und schönen Arbeitstagen offen. So zumindest spricht Frank Höhn über seine Arbeit. „Für mich ist es der Traumjob, auch wenn ich manchmal schon dachte, warum geb’ ich mir das“, sagt er. Während der Saison von Mai bis September kein Wochenende frei. Täglich früh auf den Beinen sein. Wenig Zeit für die Familie.

Mit Sorge beobachtet Höhn den Bewerbermangel

Viele scheuen die hohe Verantwortung und ebenso die Arbeitszeiten. Wochenendarbeit ist ein Muss. Mit Sorge beobachtet Höhn den Bewerbermangel. Es gebe deutlich mehr freie Stellen als Bewerber, auch bei der Ausbildung zeigten sich eklatante Lücken. „Ist halt für junge Leute nicht so cool, wenn die Kumpels paar Tage wegfahren, abends grillen und feiern und man selbst steht bei 40 Grad am Beckenrand.“

Ein einziger Bewerber habe sich in dieser Saison vorgestellt. „Nach ein paar Fragen war klar, dass er mit falschen Vorstellungen gekommen ist.“ Als Schwimmmeister müsse man auf die Menschen zugehen können. Insbesondere in einem Bad mit so viel familiärem Charme. „Hier wird jeder mit großem Herzen aufgenommen, 80 Prozent der Badegäste sind aus dem Ort, man kennt sich.“ Morgens grüßen die munteren Frühschwimmer, bis zum Mittag gibt er Kindern Schwimmkurse und verhilft zu vielen Seepferdchen. „Das ist für mich das Schönste, wenn ich sehe, wie sie als Babys kommen und wenige Jahre später vom Dreier hüpfen.“

Als Schwimmmeister pflegt er auch die Rutschen, sucht die Wiese nach Müll oder Glasscherben ab, er ist Seelentröster und Pflästerle-Verteiler, kontrolliert und sichert die Technik, reinigt die Durchschreitebecken und die Filter des Bodenstaubsaugers, der Haare und Dreck vom Beckenrand entfernt. „Das ist unser fleißiger Mitarbeiter, der nachts Überstunden schiebt“, sagt er lachend. Beim Blick auf sein eigenes Stundenkonto dankt er sofort seiner Frau: „Wenn sie nicht so tolerant wäre und mitspielen würde, wäre es nicht machbar.“

Bademeister händeringend gesucht - auch in Winterbach bleibt die Situation im Freibad schwierig. Frank Höhn ist die einzige verbliebene Fachkraft in Winterbach, weil der Kollege langfristig ausgefallen ist. Die Öffnungszeiten mussten bereits in der Saison reduziert werden. Der Dienstag bleibt auch 2022 weiter geschlossen. Warum will niemand mehr Bademeister werden?

„Wenn unsere lieben, coolen und tollen Badegäste nicht wären, hätte ich das Handtuch schon längst hingeworfen“, sagt

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