Winterbach

Trotz Kritik: Gemeinderat sagt Ja zu Mini-Baugebiet "Eichenwäldle" in Winterbach

Winterbach Baugebiet
Hier könnten künftig fünf Einfamilienhäuser in Kettenbauweise stehen. © Gabriel Habermann

Ob es das kleine Baugebiet „Eichenwäldle“, das Platz für fünf Einfamilienhäuser bietet, in Winterbach überhaupt braucht? Darüber waren sich die Gemeinderäte zuletzt gar nicht so einig. Zur wiederholten Debatte um das Gebiet war’s gekommen, weil in der jüngsten Gemeinderatssitzung über eine Bebauungsplanänderung entschieden werden musste. Der das Gebiet erschließende „Erich-Hinderer-Weg“ soll nun anders geführt werden, wodurch bei den notwendigen Tiefbauarbeiten rund 100 000 Euro eingespart werden können. Gut für die fünf künftigen Eigentümer, die letztlich jeweils ihren Anteil an den Kosten zu tragen haben. Der aktualisierte Bebauungsplan wird nun noch einmal für einen Monat ausgelegt. Anschließend sollen alle gesammelten Einwände gesichtet und bewertet werden.

Kettenhausbauweise hilft Fläche optimal auszunutzen

Was fürs Mini-Baugebiet in Pfeilspitzenform gilt: An der Spitze der Haarnadelkurve „Eichenweg“ sollen fünf Bauplätze für Einfamilienhäuser entstehen. Sie umfassen zwischen 250 und 300 Quadratmeter . Hier können Einfamilienhäuser in Kettenbauweise erstellt werden. Dabei wird eine Gebäudeaußenmauer auf die Grundstücksgrenze gebaut, die Garage des Nachbarn schließt direkt an. So können die recht kleinen Grundstücke bestmöglich ausgenutzt werden. Auf den Grundstücken ist jeweils Platz für eine Garage, weitere Stellmöglichkeiten können außerhalb der Baufenster auf den Grundstücken geschaffen werden, soweit sie nicht versiegelt sind. Zudem gibt’s sechs öffentliche Parkplätze.

Es soll ein „kleines, schnuckeliges“ Baugebiet werden, erklärte es Bauamtsleiter Blessing in der Sitzung. Bäcker, Handwerker, Friseure und Ähnliches sollen sich hier nicht ansiedeln dürfen. Stattdessen sind Einfamilienhäuser beziehungsweise Mehrgenerationenhäuser geplant. Zum neu erschlossenen „Erich-Hinderer-Weg“ sollen sie dann mit Staffeldachgeschossen ausgerichtet sein. Sprich: Zur Straße hin dürfen sie sechs Meter hoch sein, nach hinten neun Meter. Der so entstehende Vorsprung könnte beispielsweise als Terrasse genutzt werden, erklärte Blessing.

Erschließung könnte Ende 2022, Anfang 2023 abgeschlossen sein

Wenn alles wie gewünscht läuft, könnten die Tiefbauarbeiten nach den Sommerferien 2022 beginnen. Damit könnte die Erschließung Ende 2022/Anfang 2023 fertig sein. Wie teuer die Bauplätze sein werden, darüber könne man heute noch keine Aussage treffen, erklärte Bauamtsleiter Rainer Blessing auf telefonische Nachfrage. Schließlich wisse man noch nicht, was die Tiefbauarbeiten tatsächlich kosten werden, auch die dann gängigen Grundstückpreise könnten stark von den heutigen abweichen.

Zwar habe man als Gemeinde Winterbach nicht vor, die Bauplätze zum absoluten Maximum zu veräußern, aber auf zusätzlichen Kosten durch die Inflationsrate will man natürlich auch nicht sitzenbleiben. Die befinde sich aktuell bei rund vier Prozent, im Baugewerbe gar bei zehn Prozent. Weil nun also Preise sowie der mögliche Verkaufszeitpunkt noch in den Sternen stehen, bittet Blessing alle Interessierten von weiteren Nachfragen abzusehen. Üblicherweise klingle das Telefon in einem fort, wenn zuvor ein Artikel über Winterbacher Bauplätze in der Zeitung gestanden sei. Mehr Infos habe er für die Anrufer dann aber auch nicht.

Bürgermeister Sven Müller erklärte in der Sitzung, das kleine Baugebiet sei eine gute Ergänzung zu dem aktuell in Planung befindlichen viel größeren Baugebiet in den Winterbacher Riedwiesen. Dieses soll ab dem Frühjahr 2022 erschlossen werden und voraussichtlich Platz für bis zu 500 Menschen bieten. Auf einer Fläche von 4,1 Hektar sollen vornehmlich Mehrfamilien- und Reihenhäuser entstehen.

Nicht jeder wolle aber in solch einem verdichteten Wohngebiet wohnen, weshalb Müller es befürwortete, andere Wünsche mit eben diesem Baugebiet am „Eichenwäldle“ zu bedienen. Und Bauamtsleiter Blessing erinnerte daran, dass jede Familie, die sich einen der neuen Eichenwäldle-Bauplätze leisten kann, auch wieder eine Wohnung freigibt, in die Menschen mit weniger hohem Einkommen einziehen können.

Gawaz: Viele Gründe, die gegen eine Bebauung der Fläche sprechen

Dr. Klaus-Peter Gawaz (CDU), der übrigens selbst im Eichenweg wohnt, dazu: „Ich find’s keine gute Idee, das Baugebiet auszuweisen.“ Das sei eine „verzwungene Geschichte“. Dies aus vielerlei Gründen: Es würde viel Fläche versiegelt, Streuobstwiesen müssten weichen, emissionsmäßig sei’s nicht vorteilhaft (Landesstraßenlärm, Schafe in der Nachbarschaft), auch geologisch sei der Untergrund herausfordernd, spezielle Gründungsmaßnahmen seien notwendig. Auch vom wirtschaftlichen Standpunkt her konnte er das Vorhaben nicht unterstützen. Die Kosten für die Planung, Überplanung und Gutachter seien nicht zu vernachlässigen, er halte sie für übertrieben und unverhältnismäßig bei einem so kleinen Baugebiet. Auch sorgte er sich um die Parkplatzsituation. Schließlich bekämen die Bewohner des neuen Baugebietes auch ab und an Besuch, der ebenfalls parken wollte.

Bürgermeister Müller konterte, andere Baugebiete hätten ebenfalls mit diversen Herausforderungen zu kämpfen. Was die ökologischen und schallschutztechnischen Einwände betreffe, habe man damit auch in den Riedwiesen zu kämpfen. Die Schafe seien seines Erachtens zu weit weg. Für den Fall der Fälle allerdings sei ein Hinweis auf die weiter entfernte Landwirtschaft schon im Bebauungsplan enthalten. Auch eventuell entstehender Lärm durch die Verbindungsstraße zum Engelberg sei darin vermerkt. Spätere Einwendungen könnten sich daraus also nicht ergeben. Norbert Raisch (CDU) hielt das „Eichenwäldle“ vor allen Dingen wegen der Hanglage und des Baugrundes für ein problematisches Baugebiet. Ähnlich sah’s auch Elke Heiland (BWV), die dafür plädierte, erst einmal abzuwarten, was die Riedwiesen bringen. Dies auch angesichts der schwierigen geologischen Lage und der sich künftig wohl eher häufenden Starkregenereignisse.

Bauamtsleiter Blessing: Verwildertes Grundstück als Ausgleich gekauft

Bauamtsleiter Rainer Blessing stellte an Gawaz gerichtet fest: „Artenschutz ist uns allen wichtig.“ Deshalb habe man schon heute eine Ausgleichsfläche geschaffen, indem man ein verwildertes Grundstück gekauft hat. Mit den dort angebrachten Nist- und Fledermauskästen habe man die fünf wegfallenden Hohlbäume mehr als ersetzt. Das habe auch die Untere Naturschutzbehörde als wertgleich bescheinigt. Und der Lärmschutz beispielsweise sei schon alleine dadurch gewährleistet, dass die Bauherren moderner Häuser mit Dreifachverglasung arbeiteten und dicke Fassadenmauern planten.

Prof. Dr. Hans Hertha-Haverkamp (Grüne) stellte fest, die Bedenken das Gebiet betreffen seien zwar nicht geringer geworden. Er plädierte aber dafür, abzuwägen, was man mit dem neuen Baugebiet gewinnen oder verlieren würde. Er kam zu dem Schluss, das gesamte Gebiet würde durch das Neubaugebiet gewinnen. Aktuell zerfasere die Fläche hinter der dort befindlichen Geschirrhütte wenig attraktiv. Das Neubaugebiet könnte die vorhandenen Fläche strukturieren. „Für mich überwiegen die Vorteile.“

Bei der anschließenden Abstimmung zum geänderten Bebauungsplan, der nun ausgelegt wird, hielten die drei Kritiker an ihrer ablehnenden Haltung fest, die übrigen Ratsmitglieder stimmten zu.

Ob es das kleine Baugebiet „Eichenwäldle“, das Platz für fünf Einfamilienhäuser bietet, in Winterbach überhaupt braucht? Darüber waren sich die Gemeinderäte zuletzt gar nicht so einig. Zur wiederholten Debatte um das Gebiet war’s gekommen, weil in der jüngsten Gemeinderatssitzung über eine Bebauungsplanänderung entschieden werden musste. Der das Gebiet erschließende „Erich-Hinderer-Weg“ soll nun anders geführt werden, wodurch bei den notwendigen Tiefbauarbeiten rund 100 000 Euro eingespart

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