Winterbach

Umbau der Bushaltestellen für mehr Barrierefreiheit: Warum auch die Haltestelle in der Winterbacher Ortsmitte schon wieder neu gemacht werden muss

Haltestelle Remsbrücke
Die Haltestelle „Remsbrücke“ in Richtung Ortsmitte soll verlegt werden. Unter anderem soll dadurch erreicht werden, dass Autos den haltenden Bus nicht mehr überholen können, um gefährliche Situationen zu vermeiden. © Gabriel Habermann

Der Einstieg in den Bus ist derzeit in Winterbach für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, aber auch für Eltern mit Kinderwagen, an vielen Haltestellen noch ein großes Hindernis. Jetzt sollen neun barrierefrei umgebaut werden. Kritisch sahen dabei manche Gemeinderäte, dass an der erst vor wenigen Jahren neu gemachten Haltestelle in der Ortsmitte schon wieder Änderungen nötig sind. Dennoch fiel die Entscheidung für den Umbau im Gremium am Ende einstimmig.

Diese Haltestellen sollen ab Spätsommer 2021 umgebaut werden:

  • Remsbrücke (beide Fahrtrichtungen in der Ritterstraße)
  • Pflegeheim (beide Fahrtrichtungen in der Schorndorfer Straße)
  • Ortsmitte (beide Fahrtrichtungen in der Straße Oberdorf)
  • Engelberg (beide Fahrtrichtungen in der Esslinger Straße)
  • Lerchenstraße

„Von der Barrierefreiheit profitiert jeder“

Laut derzeitigem Planungsstand kommen für alle neun Haltestellen Kosten von 150.000 Euro auf die Gemeinde zu, weil 110.000 Euro der Gesamtsumme durch Fördermittel abgedeckt sind. Zum Umbau ist die Gemeinde gesetzlich verpflichtet: Bis zum 1. Januar 2022 soll der öffentliche Nahverkehr barrierefrei sein. Fachplaner André Metzger betonte im Gemeinderat: Barrierefreie Haltestellen kämen nicht nur Rollstuhlfahrern zugute, sondern Menschen mit Sehbehinderung, aber genauso Kindern, Senioren, Eltern mit Kinderwagen oder Reisenden mit Koffer, sprich: „Von der Barrierefreiheit profitiert jeder.“

An allen neun Bushaltestellen wird ein sogenannter Hochbord mit einer Höhe von 18 Zentimetern hergestellt, der sich dann auf einer Höhe mit dem Einstieg in den Bus befindet. Außerdem werden, wo möglich, die Wartebereiche auf etwa 2,50 Breite vergrößert und mit einem taktilen Leitsystem, das heißt Rillen im Belag, versehen, an dem sich Blinde mit Taststock oder Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit orientieren können, um die Bustür zu finden.

Der Punkt mit dem Leitsystem führte bei der Haltestelle in der Ortsmitte, die erst im Zuge des großen Umbaus und der Sanierung des Ortskerns vor ein paar Jahren neu gestaltet wurde, zu Diskussionen. Einige Gemeinderäte äußerten ihr Unverständnis darüber, dass dafür nun schon wieder Geld ausgegeben wird. „Das finde ich doch etwas übertrieben“, sagte zum Beispiel Klaus Dieter Gawaz (CDU). Er regte an, die Rillen so zu lassen, wie sie sind, und nur weiß anzustreichen, um die Anforderungen an die Barrierefreiheit besser zu erfüllen.

Tatsächlich haben sich die Richtlinien seit dem Umbau der Ortsmitte geändert, wie Fachplaner André Metzger erklärte. Weiß soll das Leitsystem sein, damit Menschen mit einer Einschränkung des Sehvermögens, die hauptsächlich Kontraste wahrnehmen, es besser erkennen. Doch ein neuer Anstrich reiche im Fall der Ortsmitte nicht, so Metzger. Auch die Verlegeart der Rillenplatten zur Orientierung sei nicht mehr Stand der Technik. „Es hat sich erst in den letzten zwei Jahren ein Standard für die taktilen Leitsysteme durchgesetzt“, erklärte er. Er gehe davon aus, dass dieser nun aber länger Gültigkeit habe.

Haltestelle "Remsstraße" wird verlegt

Davon abgesehen ergibt sich beim Umbau der Winterbacher Bushaltestellen die größte Veränderung bei den beiden Haltestellen „Remsstraße“. Die ortseinwärts, die bisher auf Höhe des Abramzik-Supermarkts liegt, soll nach Süden auf Höhe der Haltestelle auf der anderen Straßenseite verlegt werden. Außerdem soll dort der bestehende Fahrbahnteiler, die schmale Mittelinsel in der Straße, verbreitert und verlängert werden, so dass dort Fußgänger sicherer die Straße überqueren können, natürlich barrierefrei.

Mit der Vergrößerung der Mittelinsel ergibt sich für den Autoverkehr ein gewünschter Effekt, wie Planer André Metzger erklärte: „Wir verhindern zuverlässig das Vorbeifahren am Bus.“ Das heißt: Wenn ein Bus dort auf der Straße an der Haltestelle stoppt, können ihn die Autofahrer nicht mehr einfach überholen, wobei es zu gefährlichen Situationen kommen kann.

Manche Gemeinderäte sprachen sich dafür aus, die Haltestellen-Verlegung umgekehrt zu machen, das heißt, die nördliche Haltestelle dort zu belassen, wo sie ist: Diese sei näher am Gewerbegebiet, sagte etwa Bernd Waibel (BWV), dort sei sie sinnvoll platziert für die Mitarbeiter der Betriebe. Dafür habe man keine Lösung gefunden, sagte André Metzger. Mit der Ampel und den Ausfahrten der Tankstelle an der Stelle sei es schwierig, dort einen Bushalt unterzubringen.

BWV-Gemeinderat Roger Ortmann regte an, für den Umbau der Haltestellen auf die Ergebnisse aus dem geplanten Mobilitätskonzept der Gemeinde zu warten. Dieses sei weit in die Zukunft gedacht. Baue man jetzt um ohne fundierte Grundlage, „unterstellen wir, dass die Bushaltestellen, die wir haben, 2035 immer noch richtig stehen“. Dazu sagte Bürgermeister Sven Müller: Auf die Ergebnisse des Mobilitätskonzepts könne man nicht warten. Solange die Pandemie viele von der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel abhalte, könne man keine realistischen Fahrgastzahlen erheben. Nur jetzt könne man aber sicher sein, für den Umbau der Haltestellen Fördermittel zu bekommen. Es sei aber nicht damit zu rechnen, so Müller, dass man zu dem Schluss komme, auf eine der bestehenden Haltestellen verzichten zu können. Das sei auch die Meinung des Landratsamts, das für die Planung des Busverkehrs zuständig ist.

Der Einstieg in den Bus ist derzeit in Winterbach für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, aber auch für Eltern mit Kinderwagen, an vielen Haltestellen noch ein großes Hindernis. Jetzt sollen neun barrierefrei umgebaut werden. Kritisch sahen dabei manche Gemeinderäte, dass an der erst vor wenigen Jahren neu gemachten Haltestelle in der Ortsmitte schon wieder Änderungen nötig sind. Dennoch fiel die Entscheidung für den Umbau im Gremium am Ende einstimmig.

Diese Haltestellen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper