Winterbach

War es ein Meteor?

Meteorit
Ein Meteorit. © Pixaby.de/CC0 Creative Commons

Winterbach. Eine Feuerkugel saust durch den Himmel – und Oliver Geiger hat’s gesehen: Der Winterbacher erzählt von einem großen, hellen, ovalförmigen Gebilde, das am Dienstagabend „verdammt schnell“ in Richtung Stuttgart rauschte. Fachleute werten nun Fotos und Videos aus, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

Oliver Geigers Veröffentlichung auf Twitter schaffte es am Dienstagabend binnen kurzem in die Radionachrichten: „Gerade Meteorit von Schorndorf Richtung Stuttgart fliegen gesehen ... bläulich-grüne ovale Kugel mit Schweif!“, hatte der Ingenieur am Dienstag um 18.12 Uhr getwittert. Kurz vorher war er in Winterbach zu Fuß auf dem Heimweg gewesen. Sein Weg führte ihn eine Anhöhe hinauf, von der aus er einen guten Blick hatte. Ein helles Etwas fiel ihm am Himmel auf, „und das ist verdammt schnell geflogen. So was hab ich noch nie gesehen.“ Das ovalförmige Gebilde strahlte im Innern hell, schimmerte außen grünlich-bläulich und zog eine Art Streifen hinter sich her, so nahm Oliver Geiger das Phänomen wahr. Nach drei, vier Sekunden war der Spuk schon vorbei; das Gebilde ist „Richtung Waiblingen abgezischt“.

Das Himmelsphänomen bewegte die Gemüter

Als Oliver Geiger nach Hause kam, schenkte man ihm zunächst keinen Glauben. Feuerkugel am Himmel? Ja, ja ... Erst später checkte der Ingenieur diverse soziale Netzwerke und stellte fest: Das Himmelsphänomen bewegte die Gemüter; viele andere hatten das leuchtende Etwas ebenfalls bemerkt und ihre Beobachtungen ins Netz gestellt.

Ein heller Meteor: Nichts wirklich Seltenes

Experten werten nun all die Fotos und Videos aus und versuchen, die Flugbahn des Objekts zu berechnen, erläutert Dr. Uwe Lemmer, Direktor des Planetariums Stuttgart: „Erst im Lauf der Zeit wird man sehen, was es war.“ Das „sehr helle Objekt“ sei gut zehn Sekunden lang am Himmel zu sehen gewesen. Vielleicht war’s ein heller Meteor und somit nichts wirklich Seltenes: So etwa alle zwei Wochen tauchen irgendwo auf der Welt Videos von Feuerkugeln auf, berichtet Uwe Lemmer. Sie durchbrechen die Erdatmosphäre mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 30 Kilometer – pro Sekunde, versteht sich. Diversen Berichten zufolge bewegte sich das helle Oval am Dienstagabend aber vergleichsweise langsam – das könnte ein Hinweis darauf sein, dass ein irdisches Objekt den Himmel durchpflügt hat.

Und nun? Fällt uns demnächst Weltraumschrott oder ein Riesengesteinsbrocken aus dem All auf dem Kopf?

Hin und wieder landen Meteoriten auf der Erde

Theoretisch möglich wär’s. Kleinere Grüße aus dem All verdampfen zwar vollständig, und von ihnen bleibt nichts als Staub auf der Erde zurück. Doch hin und wieder landen größere Meteoriten auf der Erde. Sogleich durchkämmen Suchtrupps akribisch das „Streufeld“, wie Uwe Lemmer berichtet. Sie ziehen mit Metalldetektoren los – und finden tatsächlich manchmal Reste eines Meteoriten.

Nicht alles, was aus dem Weltall gen Erde fliegt, wird entdeckt. Sollte sich allerdings wie im Film „Armageddon“ ein Ungetüm nähern, das die Erde auslöschen könnte – das fiele uns auf. Mit einem „Riesending“ ist nicht zu rechnen; zumindest ist das „sehr unwahrscheinlich“, wie der Direktor des Planetariums sagt.

Besorgte Bürger rufen Polizei

Armageddon ist nur ein Film. Das heutige Nördlinger Ries ist echt. Dort hat ein Meteorit so groß wie ein Dorf eingeschlagen, und das mit einer Geschwindigkeit, mit der er es weit mehr als nur einmal in einer Stunde um die Erde geschafft hätte. Die Staubwolke mag man sich gar nicht vorstellen.

Keine Sorge. Ist lange her. Fast 15 Millionen Jahre.

Das Phänomen vom 14. November dieses Jahres hat zwar keinen Riesenkrater hinterlassen, aber Angstschweiß. Regelmäßig wählen besorgte Bürger bei Ereignissen wie diesem die Nummer der Polizei.

Mehr als 1150 Berichte eingegangen

Derweil bringt Uwe Lemmer den Begriff „Leoniden“ ins Spiel. Jetzt im November sind solche Sternschnuppenströme am Himmel zu sehen. Allerdings eher zu anderen Zeiten als kurz vor 18 Uhr abends: „Ich zögere, diesen Boliden den Leoniden zuzuordnen, sagt Lemmer. Einen sehr hellen Meteor bezeichnet man in der Astronomie als „Bolide“.

Laut der „International Meteor Organization“ sind mehr als 1150 Berichte über den Feuerball eingegangen. Der Arbeitskreis Meteore ruft Bürger auf, solche Feuerkugeln und andere Beobachtungen zu melden.


Der Arbeitskreis

Der Arbeitskreis Meteore erklärt auf seinen Internetseiten unter www.meteoros.de verständlich, was Asteroiden, Bolide, Meteore, Feuerkugeln, Kometen oder Schweife am Meteor sind. Zudem geht’s um Haloerscheinungen, atmosphärische Erscheinungen, Polarlichter und leuchtende Nachtwolken.

Nutzer berichteten am Abend des 14. November auch von einer Druckwelle und grünem Licht.