Winterbach

Warum Winterbacher Klärschlamm demnächst nach Schorndorf transportiert werden muss

Kläranlage
Die Winterbacher Kläranlage. © Benjamin Büttner

Bürgermeister Sven Müller musste selbst ein bisschen schmunzeln über seinen Satz am Ende der Bauausschusssitzung: „Wir drücken alle die Daumen, dass wir noch weitere Jahre Freude an unserem Faulturm haben werden.“ Freude am Kläranlagen-Faulturm? Tatsächlich löst die Kläranlage wahrscheinlich bei den meisten Menschen eher wenig Emotionen aus. Am ehesten noch Ekel. So lange sie tut, was sie soll, nämlich das Abwasser reinigen, das man zu Hause die Toilette und den Abfluss runterspült, will man davon eigentlich nichts wissen.

Damit das so bleiben kann, kostet so eine Kläranlage jedoch regelmäßig ziemlich viel Geld zur Instandhaltung und Sanierung. Die Gemeinde Winterbach geht davon aus, dass sie jetzt 80.000 bis 90.000 Euro für den 25 Jahre alten Faulturm in die Hand nehmen muss – und das nur, um ihn zu entleeren und untersuchen zu lassen.

Untersuchung nur ohne Klärschlamm

Die Untersuchung des Faulturms selbst ist laut Markus Posch, Ingenieur vom Büro Klinger und Partner, in ein bis zwei Tagen erledigt. Aufwendiger ist die Vorbereitung. Denn untersuchen kann man das Bauwerk innen nur, wenn der Klärschlamm raus ist, der dort vor sich hin gärt und zur Energieerzeugung genutzt wird. Zur Entleerung veranschlagt Markus Posch, der das Projekt im Bauausschuss des Gemeinderats vorstellte, sechs Wochen, in denen der Schlamm in die Schorndorfer Kläranlage gekarrt wird. Diese Transporte machen den Hauptteil der Kosten aus.

Begutachtet werden muss der Faulturm, weil er jetzt eine Lebensdauer von 35 Jahren erreicht hat und die letzte Untersuchung schon 25 Jahre zurückliegt. Durch Gas und Säure ist das Innenleben des Bauwerks sehr beansprucht. Bei der Untersuchung soll nun zum Beispiel nach Rissen im Beton oder Undichtigkeiten in Rohren gesucht werden.

Bakterien im Sommer aktiver

Kleinere Schäden sollen dann gleich behoben werden. Sollte sich aber herausstellen, dass eine größere Sanierung notwendig ist: „Dann reden wir drüber, dass wir den Faulturm wieder in Betrieb nehmen würden und dann nächstes oder übernächstes Jahr die Sanierung angehen müssten“, so Ingenieur Markus Posch im Bauausschuss. Wenn der Schaden sehr groß sei, gehe es bei den Kosten der Sanierung schnell um einen sechsstelligen Betrag. Wie schwer mögliche Schäden sind, lässt sich aber erst sagen, wenn man in den Turm reinschauen kann.

Stattfinden soll die Untersuchung des Faulturms jetzt im Sommer, weil dann weniger Schlamm drin ist. Das liegt laut Markus Posch daran, dass bei wärmeren Temperaturen die Bakterien im Turm das Material besser abbauen. „Im Winter können die nicht so viel wegvespern.“

Der Ingenieur geht nach der anstehenden Überprüfung und einer möglicherweise nötig werdenden Sanierung davon aus, dass der 1976 gebaute Turm noch einige Jahrzehnte stehen könnte. Und vielleicht freuen sich die Winterbacher ja auch mal ein bisschen, wenn sie demnächst an der Kläranlage vorbeikommen.

Bürgermeister Sven Müller musste selbst ein bisschen schmunzeln über seinen Satz am Ende der Bauausschusssitzung: „Wir drücken alle die Daumen, dass wir noch weitere Jahre Freude an unserem Faulturm haben werden.“ Freude am Kläranlagen-Faulturm? Tatsächlich löst die Kläranlage wahrscheinlich bei den meisten Menschen eher wenig Emotionen aus. Am ehesten noch Ekel. So lange sie tut, was sie soll, nämlich das Abwasser reinigen, das man zu Hause die Toilette und den Abfluss runterspült, will man

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