Winterbach

Weniger Straßensperrungen beim Breitbandausbau

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Diese Saugbaggerfräse einer französischen Firma fräst bis zu 300 Meter Straße pro Tag frei. © Ellwanger / ZVW
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In zwölf Zentimetern Breite und 50 Zentimeter Tiefe wird hier später das Glasfaserkabel verlegt.

Winterbach. Schneller, effizienter und mit weniger Störungen für den Straßenverkehr: Das sind, kurz gesagt, die Vorteile des Trenching. Auf diese Methode, bei der schmale Schlitze in die Straße gefräst werden, greifen die Stadtwerke Schorndorf beim Breitbandausbau in Winterbach gerade zurück. Im Industriegebiet werden dadurch in kurzer Zeit zahlreiche Betriebe mit wirklich schnellem Internet versorgt.

Der orangene Lastwagen mit den dicken Saugrohren zieht am Mittwochnachmittag viel Aufmerksamkeit auf sich. Passanten bleiben fasziniert stehen und Handys werden gezückt als die Fräse schließlich auf dem Straßenbelag aufsetzt und in kurzer Zeit schmale Schlitze im Asphalt produziert. Ein Bauarbeiter hat das Saugrohr fest im Griff und schaut, dass auch wirklich alle entfernten Straßenteile von der Maschine geschluckt werden.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Kanalreiniger, ist nämlich in Wirklichkeit eine Saugbaggerfräse. Mitarbeiter einer französischen Firma, die damit weltweit unterwegs sind, haben sich damit ins Remstal aufgemacht, um den Breitbandausbau vor Ort zu unterstützen.

Breitband in jeden Haushalt, und das schon möglichst bald – so lautet schließlich die erklärte Vision der Stadtwerke Schorndorf, die sie nun auch in Winterbach vorantreiben. Seit Montag wird im Industriegebiet nördlich der Rems an ihrer Verwirklichung gearbeitet. Es ist neben dem Wohngebiet Sterrenberg das erste Gebiet in der Gemeinde, in dem Glasfaserkabel direkt ans Haus verlegt werden.

Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit sind künftig möglich

Ganz bewusst wurde dazu das Gewerbegebiet auserkoren, sagt Rainer Blessing, Leiter des Bauamts der Gemeinde Winterbach – um Arbeitsplätze in den Betrieben zu sichern und möglichst wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Gemeinde werde davon sicher profitieren, zumal die Stadtwerke alle Kosten für den Ausbau der Hauptleitungen komplett übernehmen. Die Baukosten für die Verlegung ans Haus müssen die Kunden selbst tragen.

„Der Leidensdruck ist im Gewerbegebiet besonders hoch“, sagt Matthias Pickel, der bei den Stadtwerken die Bereiche Telekommunikation und IT leitet. Hier hätten die Stadtwerke besonders viele Anfragen erhalten, wann denn das schnelle Internet komme. Dabei geht es wohlgemerkt nicht um die bereits heute möglichen 100 Megabit, die mittels der Vectoring-Technik (bei der die Leistungsverluste der Kupferkabel, die bislang an die Häuser führen, reduziert werden) in vielen Teilen Winterbachs möglich sind. Sondern um Geschwindigkeiten von einem Gigabit synchron, also sowohl beim Hoch- als auch beim Herunterladen. Nach heutigen Stand der Laser-Technik ist dies das Maximum. Grundsätzlich ist aber noch viel mehr möglich. „Das Potenzial des Trägers ist unendlich“, sagt Pickel.

Zum ersten Mal wird bei der Verlegung von den Stadtwerken die Fräsmethode namens Trenching verwendet. „Uns war es wichtig, den Ausbau in möglichst kurzer Zeit durchzuführen“, sagt Eberhard Marx, Bau- und Projektleiter vor Ort. Während in herkömmlicher Bauweise 30 bis 40 Meter pro Tag verarbeitet werden können, sind es mit dieser Methode bis zu 300 Meter.

Die Schnelligkeit ist aber nicht der einzige Vorteil dieser Methode: Sie ist auch besonders sparsam. Wird die Straße doch nur in zwölf Zentimeter Breite und 50 Zentimeter Tiefe ausgefräst. Dadurch können die Stadtwerke kosten sparen – und die Gewerbetreibenden während der Bauphase die Straße weiterhin nutzen. Denn die Schlitze für die Glasfaserkabel sind auch für Lastwagen überfahrbar.

Auf diese Weise konnten bereits an zwei Tagen die Talstraße sowie Teile der Leder- und der Fabrikstraße bearbeitet werden. Bis zum Ende der Woche sollen im kompletten ersten Ausbau-Abschnitt auf gut 900 Metern die Straßen bearbeitet sein.

In die Schlitze hinein werden dann Leerrohre. In diese kann später Glasfaser in bis zu 600 Meter Entfernung eingeschossen werden. Die entscheidende Grundlage dafür haben die Stadtwerke bereits vor zwei Jahren mit einer Hauptleitung von Schorndorf nach Winterbach gelegt.

Nachfrage der Betriebe war geringer als von den Stadtwerken erwartet

Wer möchte, kann sich also jetzt Breitband bis ans Haus legen lassen. „Etwas enttäuscht“ ist Eberhard Marx aber schon. Denn die Nachfrage im Industriegebiet war bislang geringer als erwartet. Lediglich rund ein Drittel der Betriebe, die potenziell Breitband bis ans Haus nutzen können, hat sich bislang dafür entschieden. Erfahrungsgemäß würden sich während und im Nachgang zur Baumaßnahme aber noch weiterere Betriebe melden.

Noch müssen im Industriegebiet erst die herausgefrästen und nun mit Glasfaserkabel bestückten Straßenteile wieder befüllt werden. Das wird ein Betonmischer besorgen, der einen drainagefähigen Verfüllbaustoff über die Leitungsrohre legt. Dieser wird im Anschluss verdichtet und ausgehärtet. Die oberste Schicht wird dann noch einmal in 50 Zentimetern Breite entfernt und mit Asphalttragschicht ersetzt.

In einem bis zwei Monaten haben die Kunden schnelles Internet

In ein bis zwei Monaten dürften die Kunden dann erstmals bis zu einem Gigabit Leistung nutzen, schätzt Pickel. Das richtig schnelle Internet in Winterbach startet also in Bälde. Und in dem Bereich zwischen Tal-, Leder- und Fabrikstraße soll noch lange nicht damit Schluss sein.

Demnächst wird die Saugbaggerfräse in der Rosenstraße aufschlagen, wo der deutliche Wunsch nach einer Glasfaserverbindung vorhanden ist. Mit ziemlicher Sicherheit werden auch dort deshalb bald Menschen fasziniert vor einem seltsamen orangenen Lastwagen stehen und ihre Handys zücken, wenn die Fräse auf dem Asphalt aufschlägt.


Wie geht es weiter mit dem Ausbau?

Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Seufer hatte die Vision diesen Sommer in unserer Zeitung verkündet: Jeder Haushalt in Schorndorf und Winterbach soll einen Zugang zum Breitband-Internet bekommen. Bis zu 50 Millionen Euro könnte diese Vision die Stadtwerke kosten.

Auf das Trenching kann dabei nicht immer zurückgegriffen werden. Vor allem in Wohngebieten mit Bestandsbau geschieht der Ausbau immer noch ganz klassisch mit Bagger und Handarbeit.

In den allermeisten Fällen wird auch parallel zu ohnehin stattfindenden Tiefbaumaßnahmen verlegt. Das ist kostengünstiger und effizienter für die Stadtwerke und sicher auch angenehmer für die Anwohner, die nur einmal mit einer Baustelle konfrontiert werden.

Allerdings verzögert das auch den schnellen Ausbau des Glasfasernetzes. Wenn es nach den Stadtwerken geht, könnte dieser schon viel weiter vorangeschritten sein.

Ein Hindernis mag aus Sicht des Telekommunikationsanbieters auch sein, dass bereits jetzt im weiten Teilen des Verbreitungsgebiets mittels der Vectoring-Technik ziemlich schnelle Internetverbindungen von bis zu 100 Megabit möglich sind.

Ein weiterer Faktor dürften die Kosten für den Ausbau von der Straße bis ins Haus sein. Denn neben den Anschlusskosten für die Haustechnik und das Einschießen der Glasfaserkabel müssen ja auch noch die Tiefbauarbeiten auf Privatgrund bezahlt werden. Mehrere tausend Euro muss ein Haushalt dafür am Ende schon in die Hand nehmen.

Bisherigen Erfahrungswerten zufolge entscheiden sich bei aktuellen Baumaßnahmen deshalb in der Regel weniger als die Hälfte der Haushalte für einen Ausbau bis ans Haus.

Natürlich ist, wenn die Leerrohre auf der Straße einmal verlegt sind, auch zu einem späteren Zeitpunkt problemlos ein Anschluss ans Glasfasernetz möglich. Kostengünstiger wird die Maßnahme dann aber sicher nicht sein.