Winterbach

Wie die Vereine mit dem Coronavirus umgehen

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Symbolbild. © pixabay.com (CC0 Public Domain)

Winterbach.
Der VfB Stuttgart hat sein Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am Montag mit einem vollen Stadion ausgetragen. Doch in der Champions League und in der Bundesliga gibt es schon in dieser Woche Geisterspiele, das heißt, es wird vor leeren Rängen gekickt. Manche halten solche Maßnahmen für überzogen. Aber die Verantwortlichen sind in einer schwierigen Lage, nicht nur auf den höchsten sportlichen Ebenen. Michael Rieger, einer der beiden Vorsitzenden des VfL Winterbach, sagt: „Vielleicht haben wir auch bei uns bald Geisterspiele.“ Beim Fußball drohe das weniger, eher sei es eine Frage beim Handball in der Halle.

Verkaufsoffener Sonntag abgespeckt

Fakt ist, immer mehr Veranstaltungen jeder Art, nicht nur aus dem Sportbereich, werden abgesagt. In Winterbach trifft es am kommenden Wochenende zum Beispiel den verkaufsoffenen Sonntag. Dieser sollte mit Vorträgen und Aktionen unter dem Motto „Winterbach aktiv“ wieder als Gesundheitstag stattfinden. „Wir haben lange darüber gesprochen“, sagt Dirk Mölter, Handelsvorstand beim Bund der Selbstständigen (BdS) „Aber wir können keinen Gesundheitstag machen, wenn Corona ist.“ Viele Geschäfte haben am kommenden Sonntag in Winterbach trotzdem geöffnet. „Die Händler haben eindeutig gesagt, davon lassen wir uns nicht unterkriegen.“

Mölter selbst lässt sein Reisebüro zu, weil derzeit ohnehin so gut wie niemand reisen will. „Im Moment ist unser Tagesablauf eher so, dass wir stornieren und umbuchen, als das wir Neues buchen.“ Die Leute seien ganz einfach verunsichert.

Unsicherheit beherrscht auch die Lage bei den Vereinen. Was ist angemessen, wann sollte eine Veranstaltung abgesagt werden, welche Vorsichtsmaßnahmen sind nötig? Michael Rieger vom VfL Winterbach fühlt sich zwar durch die Gemeindeverwaltung bestens informiert und beraten. Auch die Abstimmung mit den anderen Vereinen sei exzellent. Am Ende sind die Vereinsspitzen jedoch immer die, die eigenverantwortlich die Entscheidung treffen müssen, welche Konsequenzen sie ziehen.

Hauptversammlungen abgesagt

Der VfL und der Musikverein Trachtenkapelle Winterbach, die beiden größten Vereine im Ort, haben jetzt entschieden, ihre Hauptversammlungen (Musikverein am 13. März, VfL am 21. März) abzusagen beziehungsweise auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Man habe da als Vereinsführung eine Verantwortung, sagt der VfL-Vorsitzende Michael Rieger. „Bei den Hauptversammlungen sind immer relativ viele ältere Leute.“ Sprich: Leute, die durch die Folgen einer Corona-Ansteckung besonders gefährdet sind. Man wolle einerseits ein gesundheitliches Risiko ausschließen und andererseits die Situation vermeiden, dass viele nicht kommen und ihre Stimme nicht abgeben können, weil sie aus Sorge vor einer Ansteckung zu Hause bleiben, so Michael Rieger. Aus den gleichen Gründen hat der Musikverein seine Hauptversammlung abgesagt.

Was den Sportbetrieb angeht, ist die Lage etwas komplizierter. Klare Ansagen an die Vereine gibt es nicht. Nur die Empfehlung des Gesundheitsamts, bei Sportveranstaltungen Hinweisschilder aufzustellen, dass die Zuschauer Sicherheitsabstände einhalten sollen. Das sei beim Fußball draußen im Stadion noch problemlos möglich, sagt Michael Rieger. Aber beim Handball in der Halle werde das schwierig. „Handballspiele sind schon gut besucht bei uns.“ An einem Spieltag, wenn sämtliche Mannschaften von der Jugend bis zu den Erwachsenen im Einsatz sind, seien über den Tag verteilt mehrere Hundert Menschen in der Halle. Bei Spielen der ersten Frauenmannschaft der HSG Winterbach/Weiler könnten es auch mal allein 150 Zuschauer sein. Diese säßen dann dicht an dicht. Da sei man noch im Gespräch mit der Handballabteilung, wie man damit umgehe.

„Die Zuschauer sind auch ein Wirtschaftsfaktor“

„Ich kann nicht einfach sagen, wir lassen den Spieltag ausfallen“, sagt Michael Rieger. Das müsse man ja auch begründen. Solange von den Sportverbänden dazu keine klare Ansage komme, setze man sich der Gefahr aus, im Ligabetrieb die Punkte zu verlieren. „Vielleicht werden wir bald Geisterspiele beim Handball haben“, sagt der VfL-Vorsitzende. Aber auch das sei eine Entscheidung, die Konsequenzen habe: „Die Zuschauer sind auch ein Wirtschaftsfaktor.“ Die Einnahmen vom Getränke- und Essensverkauf in der Halle brauche die Handballabteilung, um die Kosten für die Schiedsrichter zu decken.

Ähnlich verhält es sich mit dem Remstallauf, der Anfang April ansteht und vom VfL Winterbach organisiert wird. Auch da träfe eine Absage den Verein wirtschaftlich, sagt Michael Rieger: „Da hängt Geld dran.“ Aber bis zum Remstallauf habe man ja noch ein paar Tage. Die Lage und die Empfehlungen durch das Gesundheitsamt seien ja praktisch täglich in der Veränderung begriffen. Michael Rieger ist froh, dass in Winterbach die Vereine untereinander in gutem Kontakt sind und die Gemeindeverwaltung so gut informiert und berät. Wie er von Vereinen in anderen Gemeinden mitbekommt, ist das nicht überall so.