Winterbach

Wie findet man gute Schnelltests? Nicht alle erkennen Corona zuverlässig

Schnelltests
Es gibt eine schwer überschaubare Zahl verschiedener Schnelltests im Handel – aber nicht alle erkennen eine Corona-Infektion gleich gut. © Reinhold Manz

Wer sich derzeit mit einer Gruppe anderer Menschen trifft, dem empfehlen Experten, unabhängig vom Impfstatus, vorher einen Antigen-Schnelltest zu machen. Doch wie zuverlässig erkennen die Selbsttests für zu Hause eigentlich eine Infektion? Wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu teils vernichtenden Ergebnissen. Es hängt aber auch immer sehr viel von der sorgfältigen Anwendung und dem richtigen Zeitpunkt ab, sagt Sigrid Dätsch-Lokies, die in ihrer Apotheke in Winterbach ein Schnelltestzentrum betreibt.

Ein deutsches Forschungsteam, zu dem unter anderem der Virologe Christian Drosten und Heinrich Schleibauer vom Paul-Ehrlich-Institut gehören, hat bereits im Mai erste Ergebnisse eines Schnelltest-Tests veröffentlicht. Sie wollten wissen, wie es um die Sensitivität bestellt ist, das heißt, sie überprüften, ob die Tests virenbelastete Proben zuverlässig erkennen. Jeder fünfte fiel dabei durch, konkret genügten nicht einmal 26 von 122 überprüften Tests den Minimalanforderungen.

Wie kann man einen Test als gut oder schlecht identifizieren?

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) führt eine öffentlich abrufbare Liste, die immer wieder aktualisiert wird und auf der man die Sensitivität von verschiedenen Schnelltests auf dem Markt ablesen kann. Auch dort zeigt sich: Bei einer sehr hohen Viruslast in der Probe schlagen sich noch die meisten Tests sehr gut und erkennen alles richtig.

Bei etwas niedriger Viruslast, die die Forscher aber immer noch als „hoch“ definieren (siehe Infobox unten „Viruslast und CT-Wert), ergibt sich schnell ein komplett anderes Bild. Es gibt in der PEI-Liste (Stand 12. Januar) Tests, die in dem Fall gar keine Probe mehr als positiv erkannten. Viele liegen unter der Schwelle von 75 Prozent, die die Forscher in der oben erwähnten Studie als Minimalanforderung setzten.

Das Problem ist bisher: Auch die Tests mit einer schlechten Sensitivität, die eine Corona-Infektion häufig vielleicht gar nicht erkennen, dürfen trotzdem in den Handel kommen, wenn sie andere nötige Kriterien erfüllen. Für die Marktzulassung spielt die Evaluierung des PEI bisher keine Rolle. Wer also Tests bei Rewe, Rossmann und Co. herumliegen sieht, sollte nach Möglichkeit vorher prüfen, was er da kauft.

Dazu eignet sich die Liste auf der Internetseite des PEI. Die Wissenschaftszeitschrift „Spektrum“ hat auf www.spektrum.de im Artikel „Wie sicher sind die Ergebnisse von Schnelltests?“ eine Suchfunktion eingebaut, über die man zum Beispiel über die Herstellernamen schnell die Sensitivitätswerte nachprüfen kann. Ganz neu ist ein Barcodescanner auf schnelltesttest.de mit dem man den Strichcode auf den Testschachteln scannen kann.

Ein Beispiel aus der Praxis: Derzeit (Stichprobe vom 27. Januar) liegen bei einem Supermarkt in Remshalden, den wir hier nicht näher benennen wollen, Schnelltests von Anbio Biotech, die in der PEI-Liste zwar bei einer sehr hohen Viruslast die Probe zu 100 Prozent als infiziert erkennen, die aber nur noch auf eine 52-prozentige Trefferquote bei hoher Viruslast kommen. Das andere Fabrikat daneben, von der Firma Alltest kommt dagegen sogar bei einer sehr hohen Viruslast lediglich auf 90 Prozent, bei einer hohen nur noch auf 20 Prozent Trefferquote.

Das Angebot von Supermärkten, Drogerien und Apotheken kann sich jedoch auch schnell immer wieder ändern, je nachdem welche Schnelltests gerade überhaupt auf dem Markt verfügbar sind.

„Momentan ist es megaschwierig, etwas Ordentliches zu kriegen“, sagt Sigrid Dätsch-Lokies, die in Winterbach die Michaels- und die Salierapotheke führt. Die verkauft dort gerade Tests der Firma Goldsite. Das seien die einzigen gewesen, die aktuell zu bekommen gewesen seien. Laut Liste des PEI (Stand 12. Januar) erkennen diese Tests eine Infektion bei sehr hoher Viruslast in der Probe zu 100 Prozent, bei hoher Viruslast sind es noch 35 Prozent.

Sind Lollitests so gut wie die Tests für die Nase?

Ob Test für die Nase oder sogenannte Lollitests, bei denen der Abstrich im Speichel genommen wird, bessere Ergebnisse bringen, lässt sich aus der PEI-Liste nicht unbedingt herauslesen. So hat zum Beispiel der Lollitest von Xiamen AmonMed Biotechnology Co., Ltd., der derzeit zum Beispiel in Kindergärten in Schorndorf und Remshalden zum Einsatz kommt und den aktuell auch Rossmann im Angebot hat, im Vergleich sehr gute Ergebnisse in der Laboruntersuchung der Forscher erzielt.

Aber eine alltägliche Testsituation unterscheidet sich natürlich stark von den Laborbedingungen. Sigrid Dätsch-Lokies tut sich schwer, eine eindeutige Antwort auf die Frage zu geben, welche Tests besser funktionieren. Die Ergebnisse würden eben immer auch mit der Anwendung und der Anwendungssituation zusammenhängen. Sie hat immer wieder Fälle erlebt, dass Menschen durch einen PCR-Test gesichert positiv auf das Coronavirus getestet waren, aber die zu Hause vorgenommenen Antigen-Schnelltests waren bei ihnen negativ. „Entweder die waren dann nicht richtig abgenommen oder die Viruslast war nicht hoch genug“, vermutet die Apothekerin.

Was muss man bei der Anwendung beachten?

Für die Viruslast im Nasen- oder Rachenraum ist der Zeitpunkt der Abstrichabnahme wichtig. Jemand kann bei einer beginnenden Corona-Erkrankung morgens einen negativen Test haben, aber schon abends ist das Ergebnis eines weiteren Abstrichs positiv. Sigrid Dätsch-Lokies sagt, wenn jemand bei ihr Rat suche, weil zum Beispiel gerade seine Corona-Warn-App wegen einer möglichen Risikobegegnung mit einer infizierten Person Rot anzeige, sage sie immer: „Erst mal vier oder fünf Tage warten, dann testen. Erst, wenn die Virenkonzentration hoch genug ist, kann der Test anschlagen.“ PCR-Tests seien zwar sensibler, aber auch da rate sie, ab dem Tag der möglichen Infektion drei bis vier Tage zu warten.

Und dann sei es sehr wichtig, sich an die dem Test beiliegende Anleitung zu halten und vor allem den Abstrich sorgfältig zu entnehmen. Auf jeden Fall sollte man die Anweisung befolgen, sich vorher zu schneuzen, „so dass das Nasensekret bis nach vorne kommt“. Dann gehe man mit dem Stäbchen rein und streiche an den Nasenwänden entlang, um etwas von dem Sekret zu erwischen und das unbedingt in beiden Nasenlöchern. „Den Beipackzettel richtig lesen, dann funktioniert das auch für Laien zu Hause“, sagt Sigrid Dätsch-Lokies.

Die sogenannten Lollitests, bei denen der Abstrich im Mund über den Speichel abgenommen wird, sind allerdings auch häufig dadurch aufgefallen, dass sie falsch positive Ergebnisse gebracht haben. „Wenn Sie so einen machen, dann sollten Sie vorher eine Stunde nichts gegessen oder getrunken haben“, rät die Apothekerin. Einige Eltern von Kindergartenkindern haben das schon in leidvoller Erfahrung lernen müssen, wenn der Test direkt nach der Apfelschorle plötzlich falsch positiv ausschlug.

Warum überhaupt ins Testzentrum, wenn es gute Tests für zu Hause gibt?

Wer etwas mehr Sicherheit haben, aber nicht gleich einen PCR-Test machen will (die für die meisten Menschen bald auch nicht mehr kostenlos sind), für den lohne sich dann vielleicht doch der Gang in ein Testzentrum für einen kostenlosen Bürgertest, meint Sigrid Dätsch-Lokies. Zumindest, wenn dort gutes Personal die Antigen-Schnelltests abnehme. „Meine Leute sind auch im medizinischen Bereich unterwegs. Wir haben schon die Erfahrung, wir testen schon ein ganzes Jahr lang“, sagt sie. Man gehe beim Abstrich mit dem Stäbchen auch etwas tiefer rein als der Laie zu Hause.

Sie sagt aber auch: Eine hundertprozentige Sicherheit könne kein Antigen-Schnelltest geben. Unter dem Strich hält Sigrid Dätsch-Lokies auch die Selbsttests für zu Hause für eine gute Sache. „Man sollte sich zum Beispiel testen, wenn man sich mit einer größeren Gruppe trifft und keine Masken trägt“, rät sie. Sie spricht von „Verantwortung“, die jeder übernehmen sollte, und meint: „Dann können wir auch auf mehr Lockerungen hoffen.“

Wer sich derzeit mit einer Gruppe anderer Menschen trifft, dem empfehlen Experten, unabhängig vom Impfstatus, vorher einen Antigen-Schnelltest zu machen. Doch wie zuverlässig erkennen die Selbsttests für zu Hause eigentlich eine Infektion? Wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu teils vernichtenden Ergebnissen. Es hängt aber auch immer sehr viel von der sorgfältigen Anwendung und dem richtigen Zeitpunkt ab, sagt Sigrid Dätsch-Lokies, die in ihrer Apotheke in Winterbach ein

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