Winterbach

Wie's in Winterbach mit "Click und Meet" läuft? Enttäuschung und Optimismus halten sich noch die Waage

Click und Meet
Ein freundlicher Hans-Jürgen Raithle beim Anmeldungsprozedere eines Kunden in seinem Modehaus. © ALEXANDRA PALMIZI

Vor dem Laden von KiK steht eine Dame und liest das neben dem Eingang stehende, handgeschriebene Schild: Einlass nur mit einem negativen Schnelltest-Ergebnis oder Impfnachweis. „Ich wusst’ gar nicht, dass die offen haben.“ Aber dann wollte die 79-Jährige doch so ein einfaches Körbchen für ihre Masken kaufen. Nur: „Ich hab’ meinen Impfpass vergessen“, ärgert sie sich.

Impfpass vergessen: Kauf eines Maskenkörbchens verschoben

Aber „wenn’s nicht ist, ist es nicht“, meint sie etwas fatalistisch und fügt hinzu: „Ich bin dankbar, dass ich Corona nicht bekommen habe.“ Aber, kommt sie ins Erzählen, was sie wirklich vermisst, sind die Vereine mit ihren Gymnastikgruppen, bei denen sie an einigen gern teilgenommen hatte und die in den vergangenen Monaten alle nicht stattfinden konnten. Demgegenüber fällt das ausgefallene Eimerchen für die Masken nicht so ins Gewicht.

Ausgefallen ist jedenfalls so wie in anderen Kommunen auch in Winterbach der Ansturm auf den Einzelhandel, der ab Freitag wieder für „Click & Meet“ öffnen durfte. Blicken die Leute bei den Verordnungen noch durch? Ist es ihnen egal? Dass die Haupteinkaufsstraße von Winterbach besonders belebt war, konnte man nicht feststellen. „Was sind die Gründe?“

Hans Raithle vermutet: „Viele Kunden warten noch ab.“

„Viele warten ab bis Baden-Württemberg flächendeckend offen hat“, schätzt Hans-Jürgen Raithle vom Modehaus Raithle die Zurückhaltung der Leute ein, während er doch mit gelassener Souveränität immerhin einige Kunden bedienen kann. „Wir gehen immer optimistisch ran und müssen gucken, dass die Kunden wieder Vertrauen haben.“ Er hofft auf das Geschäft durch die Konfirmationen, die erstmal verschoben wurden. „Und auch die Hochzeiten kommen noch!“

Zum Optimismus gesellt sich bei dem Firmenchef „auch Enttäuschung über die Politik“. Und da nimmt er - nicht eifernd aber pointiert - kein Blatt vor den Mund. Er beobachtet „eine große Verunsicherung“. Und dabei meint er wohl nicht nur den Handel oder die einzelnen Bürger.

„Es fehlt der Mut, wie wir weiter gehen wollen!“

„Wir warten alle ab. Man hat das Gefühl, es wird mehr gewartet als mitgestaltet.“ Und da hat sich dann wohl doch einiges aufgestaut bei dem Geschäftsmann, der es nun einmal gewohnt ist, mit kalkulierten Risiken umzugehen. Was er vermisst? Nun: „Es fehlt der Mut, wie wir weiter gehen wollen!“

Und er spricht da sicher vielen Händlern, Gewerbetreibenden, Gastronomen und anderen mittelständischen Selbstständigen, und sicher nicht nur in Winterbach, aus dem Herzen, wenn er bekennt: „Für mich hat die Politik schon Ende letzten Jahres die Glaubwürdigkeit verloren.“

„Inhabergeführte Geschäfte sind eine aussterbende Spezies.“

Daten gefällig? „Von den 20 Wochen dieses Jahres haben wir bisher nur drei Wochen aufgehabt. Das ist schon stramm. Uns hat’s hart getroffen.“ Gut, Überbrückungshilfen, die allerdings auf der Basis von Fixkosten errechnet wurden, seien teilweise geflossen. Raithle gibt aber zu Protokoll, dass die Frühjahr/Sommer-Kollektion eingekauft ist; die Herbst/Winter-Mode sei bereits bestellt. Nur, sagt der Unternehmer: „Wir wissen nicht, was ab November kommt.“ Da schwingt dann durchaus ein Angst-Ton vor der Zukunft mit.

„Wenn Sie hier durchgehen, sieht es sehr entspannt aus“, führt Raithle mit einnehmender Geste aus. Um dann mit nüchterner Illusionslosigkeit festzustellen, vielleicht auch zu warnen: „Wir, die inhabergeführten Fachgeschäfte, sind eine aussterbende Spezies.“

Derweil herrscht doch dauerhafter Betrieb an der Corona-Schnelltest-Stelle in der Salier-Apotheke. Nur: Niemand lässt sich testen, um mal schnell einzukaufen. Ein Ehepaar macht es, um die ältere Mutter über Pfingsten in einem Heim zu besuchen. „Ich war gerade in Italien“, begründet ein Mann sein Hiersein. Nicht nachvollziehen kann ein Vater von drei Töchtern, warum man einen Test für den wenig besuchten Einzelhandel braucht und nicht für die vollen Supermärkte.

Stimmung? Zwischen Optimismus und Enttäuschung.

Vor dem Laden von KiK steht eine Dame und liest das neben dem Eingang stehende, handgeschriebene Schild: Einlass nur mit einem negativen Schnelltest-Ergebnis oder Impfnachweis. „Ich wusst’ gar nicht, dass die offen haben.“ Aber dann wollte die 79-Jährige doch so ein einfaches Körbchen für ihre Masken kaufen. Nur: „Ich hab’ meinen Impfpass vergessen“, ärgert sie sich.

Impfpass vergessen: Kauf eines Maskenkörbchens verschoben

Aber „wenn’s nicht ist, ist es nicht“, meint sie

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