Winterbach

Winterbach schafft es

Fluechtlingshotel
Mit Freude in der Flüchtlingsarbeit (von links): Sina Henzler, Sozialarbeiterin und Integrationsmanagerin, Barbara Monauni, ihre Chefin als Fachbereichsleiterin beim Kreisdiakonieverband, Cornelia Drofenik, Sprecherin es Arbeitskreis „Ankommen“, und Michael Haberkorn, Flüchtlingsbeauftragter der Gemeinde. © Schneider/ZVW

Winterbach. Am Höhepunkt des Flüchtlingszustroms waren im Dezember 2016 im ehemaligen Best-Western-Hotel in Winterbach 206 Menschen untergebracht. Eine Herausforderung, zumal für einen Ort mit nicht einmal 8000 Einwohnern, die nach Ansicht aller Beteiligten sehr gut gemeistert wurde. Mehr als 105 Flüchtlinge wohnen derzeit in Winterbach, die länger bleiben.

Im Eingangsbereich der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises in Winterbach erinnert die Empfangstheke noch daran, dass das hier einmal ein Hotel war. Dahinter steht wie ein Portier ein freundlicher Sicherheitsdienst-Mitarbeiter und begrüßt die Ankömmlinge. „Ehrenamtliche Mitarbeiter bitte immer Ausweis beim Sicherheitsdienst vorlegen“, steht auf einem Schild. Ein Artikel unserer Zeitung ist aufgehängt zur Fahndung nach dem afghanischen Asylbewerber, der verdächtigt wird, in Plüderhausen einen Mann mit dem Messer schwer verletzt zu haben.

Rechts von der Empfangshalle geht es durch eine Tür ins Büro der beiden Sozialarbeiterinnen, die für den Landkreis die Unterkunft betreuen. Im ehemaligen Speisesaal des Hotels stehen Schreibtische, Computer und Regale mit Akten. Hier arbeiten Sina Henzler und Silke Schmid vom Kreisdiakonieverband. Sie sind nicht nur für die vorläufig im Hotel Untergebrachten zuständig, sondern mittlerweile auch für das Integrationsmanagement in der Anschlussunterbringung (siehe „Säulen der Flüchtlingsarbeit“). Der Schwerpunkt hat sich verschoben: Mittlerweile leben in Winterbach deutlich mehr Flüchtlinge mit Bleiberecht als solche mit noch unklarem Aufenthaltsstatus.

Winterbach hat seine Aufnahmequote übererfüllt

Winterbach hat mit 105 Flüchtlingen die geforderte Aufnahmequote für Flüchtlinge mit Bleiberecht in der sogenannten Anschlussunterbringung schon jetzt mehr als übererfüllt. Eigentlich hätte es gereicht, wenn die Gemeinde bis zum Ende dieses Jahres 35 Menschen aufgenommen hätte. Das heißt, es gibt in nächster Zeit keinen Druck, weiteren Wohnraum zu schaffen.

Der Blick auf die Zahlen zeigt: Vor allem die Menschen aus Syrien und dem Iran sind von der Gemeinschaftsunterkunft in die dauerhafte Unterbringung in Winterbach gewechselt. Viele waren dabei auch bei der Wohnungssuche auf dem privaten Markt erfolgreich. Andere sind in Wohnungen der Gemeinde untergekommen, zum Beispiel 27 Menschen im Neubau in der Remsstraße.

Das Zusammenleben dort funktioniere gut, berichtet Michael Haberkorn, der Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde. Es gibt einen Kehrwochenplan, an den sich alle halten. Das kennen die Menschen bereits aus der Gemeinschaftsunterkunft, für die es so einen Plan auch gibt. Wie in einem guten schwäbischen Haus ist jede Woche ein anderes Zimmer dran und bekommt ein Schild an die Tür, damit die Bewohner wissen, wofür sie zuständig sind.

Wenige Probleme im Zusammenleben

Probleme im Zusammenleben habe es nur sehr wenige gegeben, berichtet Sozialarbeiterin Sina Henzler, selbst als mehr als 200 Menschen im Hotel lebten. Ein Grund sei das vergleichsweise hohe Maß an Privatsphäre: Die Fünferzimmer haben alle ein eigenes Bad mit WC. Michael Haberkorn nennt das Hotel als Unterkunft einen „Glücksfall“. Konflikte gab und gibt es natürlich, aber laut Henzler alle in einem normalen Rahmen. Es kam nicht zu Gewaltausbrüchen oder Ähnlichem. Die einzige Polizeimeldung, die im Zusammenhang mit dem Hotel aufgefallen ist, stammt von Mitte Juli, als sich ein Bewohner, der in eine andere Einrichtung umziehen sollte, ein Gerangel mit der Polizei lieferte. Eine Ausnahme, meinen alle, die in Winterbach mit den Flüchtlingen arbeiten.

Die Umzüge sind allerdings allgemein für viele der Menschen kein freudiges Ereignis. Viele mussten Winterbach verlassen und in andere Gemeinden umziehen. „Viele davon wollten in Winterbach bleiben“, sagt Sina Henzler. Dort kannten sie sich aus, hatten Beziehungen zu Einheimischen aufgebaut und waren teilweise in Vereinen aktiv. Henzler sieht Winterbach als vorbildlich bei der Integration der Flüchtlinge und der Zusammenarbeit von Verwaltung und Ehrenamtlichen. Dazu liege Winterbach verkehrstechnisch gut, das sei wichtig für die, die arbeiten gehen würden. Einige Flüchtlinge haben im Ort selbst einen Job gefunden, zum Beispiel beim Bauhof, Contexo und Peter Hahn.

Kinder gehen in die Schule

In die Winterbacher Kindergärten gehen im kommenden Kindergartenjahr 22 Flüchtlingskinder. In der Lehenbachschule waren es im vergangenen Schuljahr 32 Kinder. In den vergangen Jahren und Monaten waren es vor allem Familien, die Winterbach zugeteilt wurden. Das hat sich nun verändert. „In den vergangenen zwei Monaten waren es zum größten Teil alleinreisende Männer“, sagt Sozialarbeiterin Sina Henzler. Da inzwischen kaum noch Neuankömmlinge Deutschland erreichen, sind es meist Menschen aus anderen Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises und nicht wie vorher üblich aus Erstaufnahmestellen des Landes, die kommen,

Weil die, die jetzt noch neu in Winterbach eintreffen, fast alle schon länger in Deutschland oder sogar im Rems-Murr-Kreis sind, brauchen sie nicht mehr so viel Unterstützung wie andere, die direkt aus Erstaufnahmestellen kamen. In den Hochzeiten hat bekanntlich alles nur so gut funktioniert, weil sich eine Schar Ehrenamtlicher um die Menschen gekümmert hat. Jetzt sind die Ehrenamtlichen immer noch wichtig, doch vieles ist in professionelle Strukturen übergangenen, mit Michael Haberkorn im Rathaus und den beiden Sozialarbeiterinnen, die vom Land auch als Integrationsmanagerinnen finanziert werden.

Unterstützer-Kern weiter aktiv

Es besteht aus Sicht von Cornelia Drofenik, der Sprecherin des Arbeitskreises „Ankommen“ in Winterbach, also kein Grund zur Sorge, dass es für die jetzt neu Ankommenden zu wenig Unterstützung gibt. Zwar habe vielfach der Antrieb nachgelassen, sich noch einmal auf ganz neue Leute einzulassen. Aber ein treuer Unterstützer-Kern sei nach wie vor aktiv.