Winterbach

Winterbach spart Energie: Weniger Weihnachtsbeleuchtung, kältere Hallen

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Weihnachten ohne Lichter? Zumindest die Giebelbeleuchtung in der Winterbacher Ortsmitte gibt es dieses Jahr nicht. © Gaby Schneider

Mehr als 1,1 Millionen Kilowattstunden Strom und mehr als 1,6 Millionen Kilowattstunden Gas hat die Gemeinde Winterbach alles in allem nach eigenen Angaben im Jahr 2021 verbraucht. Nun soll der Energieverbrauch um fünf bis zehn Prozent durch verschiedene Maßnahmen sinken. Die Weihnachtsbeleuchtung wird reduziert, die Temperatur in öffentlichen Gebäuden und Sporthallen gesenkt – es darf aber nach dem Sport weiterhin geduscht werden. Auch bei der Temperatur in Klassenzimmern und Kitas setzt die Gemeinde auf Freiwilligkeit.

Sich selbst sieht die Gemeindeverwaltung in einer Vorbildfunktion, nimmt aber auch die Bürgerinnen und Bürger in die Verantwortung. „Es wird nicht ausreichen, wenn nur die öffentliche Hand Gas und Strom sparen will“, sagt Bauamtsleiter Rainer Blessing. Alle, Bürgerinnen und Bürger, Handel und Gewerbe seien „aufgefordert, sich konkrete eigene Gedanken zu machen“.

„Eine Spielekonsole verbraucht mehr Strom als ein Kühlschrank“

Letztendlich werde es wichtig sein, so Blessing, „dass wir alle Menschen sensibilisieren, bei der Arbeit, in der Schule und auch zu Hause mit Energie sparsam umzugehen“. Wenn sich jeder Gedanken mache, ließen sich sicher zehn Prozent des Energieverbrauchs einsparen. „Ich habe letzte Woche gelesen, dass eine Spielekonsole über das Jahr gerechnet mehr Strom verbraucht als ein Kühlschrank“, sagt er. „Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie wir durch unser Verhalten viel Energie sparen können."

Wie viel die Sparmaßnahmen der Gemeinde bringen, das kann Rainer Blessing nicht genau beziffern. Er geht von fünf bis zehn Prozent aus. „Dies ist aber ein reiner Schätzwert von mir.“ Den größten Stromverbrauch in Winterbach haben laut ihm die Kläranlage, die Straßenbeleuchtung, die Salierhalle und die Lehenbachschule. Beim Gasverbrauch machen die Mehrfamilienwohnhäuser der Gemeinde, also der Verbrauch der Mieterinnen und Mieter, mit mehr als 300.000 Kilowattstunden im Jahr einen großen Brocken aus. Auch hier zeigt sich für den Bauamtsleiter, „dass es sich beim Gas- und Stromsparen um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt“.

Der Winterbacher Maßnahmenplan, wie er diese Woche im Gemeinderat vorgestellt wurde, folgt in großen Teilen vor allem den Vorgaben der Bundesverordnung mit dem wunderbaren Namen „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“. Hier nur einige Beispiele: In den Büros im Rathaus wird die Raumtemperatur auf maximal 19 Grad gesenkt, Flure werden nicht mehr beheizt. Auf den Toiletten, nicht nur im Rathaus, sondern auch anderen öffentlichen Gebäuden gibt es kein warmes Wasser mehr zum Händewaschen. Hausmeister und andere verantwortliche Personen sollen dafür sensibilisiert werden, „unnötige Energieverbräuche aufzudecken“. Auch andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde sollen geschult und informiert werden.

Zu warm im Bürgerhaus Kelter?

Dazu kam aus dem Gemeinderat prompt ein Hinweis. Bei einer Veranstaltung im Bürgerhaus Kelter vergangene Woche sei es „richtig warm“ gewesen, sagte Heidemarie Vogel-Krüger, das sei den Leuten aufgefallen. Vorgesehen sei eigentlich, je nach Veranstaltung, eine Raumtemperatur von 19 bis 21 Grad, meinte Bürgermeister Sven Müller daraufhin und sagte zu, zu prüfen, woran es lag, dass es „gefühlt“ zu warm war.

Die Hallentemperaturen im Sportbetrieb sollen von 18 auf 17 Grad gesenkt werden, „mit der Empfehlung an die Sportler, zu Beginn der Sportstunde einen langen Trainingsanzug zu tragen“, so heißt es im Maßnahmenplan der Gemeinde. Bei Spielen und Veranstaltungen mit Zuschauern soll die Temperatur je nach Art der Veranstaltung zwischen 19 und 21 Grad eingestellt werden. In den Duschen sollen Schilder hängen mit Appellen, kürzer zu duschen.

Klassenzimmer, Kindergärten, Weihnachtsbeleuchtung

Die Klassenzimmer der Lehenbachschule sollen wie bisher auf 21 Grad beheizt werden. Im Maßnahmenplan heißt es aber: „Freiwillig können auf Wunsch der Klassengemeinschaft geringere Temperaturen vom Hausmeister eingestellt werden.“ In Büros und Lehrerzimmern soll es mit 19 Grad deutlich kühler sein.

In den Kindergärten bleibt die Raumtemperatur wie bisher bei 21 Grad, im U-3-Bereich bei 23 Grad. Auch hier heißt es: „Freiwillig können mit Zustimmung des Elternbeirats auch geringere Temperaturen vom Hausmeister eingestellt werden.“

Bei der Weihnachtsbeleuchtung hat sich die Gemeinde für einen Mittelweg entschieden. Die Weihnachtsbäume auf dem Marktplatz in der Ortsmitte, am Sandweg in Engelberg und im Heckenweg in Manolzweiler werden aufgestellt und beleuchtet. Es gibt in diesem Jahr aber keine weitere Beleuchtung, die Sterne an den Straßenlampen und die Giebelbeleuchtung in der Ortsmitte fällt weg, auch den Adventskalender in den Fenstern des Alten Rathauses gibt es nicht. Die Fassadenbeleuchtung der Michaelskirche ist nur an den Weihnachtsfeiertagen und beim Weihnachtsweg bis 23 Uhr eingeschaltet. Damit folgt die Gemeinde den Vorgaben der Bundesverordnung.

Aber nicht nur Sparmaßnahmen gibt es, auch die Erzeugung erneuerbarer Energie nimmt die Gemeinde jetzt ganz aktuell in Angriff. In der Kläranlage will die Gemeinde zeitnah Photovoltaik-Module auf drei Gebäudeteilen installieren. Insgesamt hätte die Anlage eine maximale Leistung von rund 105 Kilowatt. Sie sind aufgeteilt auf zwei Dächer von Betriebsgebäuden, und ein Anlagenteil soll über dem Abwasserbecken auf einer Konstruktion mit leichten Stahlträgern installiert werden. Eine Investition von 200.000 Euro ist dafür eingeplant.

98.000 Kilowattstunden Sonnenenergie

Mit der Sonnenenergie will die Gemeinde rund 98.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Insgesamt hat die Kläranlage einen jährlichen Stromverbrauch von rund 450.000 Kilowattstunden. Rund 100.000 Kilowattstunden im Jahr bringt das Blockheizkraftwerk (BHKW), in dem mit dem Klärgas aus dem Faulturm Strom erzeugt wird.

Theoretisch wäre auf dem Gelände der Kläranlage noch deutlich mehr Platz für Solarmodule. Aber die Gemeinde wird momentan durch die geltenden Vorschriften blockiert. BHKW und PV-Anlage dürfen zusammen eine Grenze von 135 Kilowatt Maximalleistung nicht überschreiten, sonst gebe es „aufwendige dokumentarische Folgen und auch zusätzliche Kosten, welche nicht verhältnismäßig wären“, so führt die Sitzungsvorlage für den Gemeinderat das Problem aus.

Sollte sich die rechtliche Lage ändern, könne man die PV-Anlage aber jederzeit erweitern, so Sebastian Schneider, der stellvertretende Bauamtsleiter. Bürgermeister Sven Müller sagte: „Es ist doch noch einiges möglich, wenn der Gesetzgeber doch einsieht, dass man solche Regelungen kippen sollte, und Anreize schaffen.“

Bedenken gegen die PV-Module über dem Abwasserbecken kamen von der CDU, Gemeinderat Klaus Junge enthielt sich bei der Abstimmung über den Bau.

Mehr als 1,1 Millionen Kilowattstunden Strom und mehr als 1,6 Millionen Kilowattstunden Gas hat die Gemeinde Winterbach alles in allem nach eigenen Angaben im Jahr 2021 verbraucht. Nun soll der Energieverbrauch um fünf bis zehn Prozent durch verschiedene Maßnahmen sinken. Die Weihnachtsbeleuchtung wird reduziert, die Temperatur in öffentlichen Gebäuden und Sporthallen gesenkt – es darf aber nach dem Sport weiterhin geduscht werden. Auch bei der Temperatur in Klassenzimmern und Kitas setzt

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