Winterbach

Winterbacher Hotelier kämpft ums Überleben und kritisiert, dass Corona-Hilfen nicht rechtzeitig ankommen

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„Auf Dauer geht das nicht“, sagt Hotelier Stefan Kunz zu den coronabedingten Einschränkungen in seiner Branche. © Ralph Steinemann Pressefoto

Mit der „Bazooka“ und einem großen „Wumms“ wolle man die Wirtschaft in der Coronakrise stützen. So hatten es Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier versprochen. Auch jetzt im zweiten Lockdown sollen Unternehmen 75 Prozent ihrer Umsätze aus dem Vorjahres-November erhalten – und das möglichst schnell und unbürokratisch. Doch von diesem „Wumms“ hat der Winterbacher Hotelier Stefan Kunz bislang noch nicht viel gespürt. Er kämpft, wie so viele in der Branche, gerade um seine Existenz.

Im Frühjahr hatte der Hotelier noch Hoffnung 

Dabei war der 51-Jährige im Frühjahr noch recht hoffnungsfroh. Unerwartet schnell habe er die Corona-Soforthilfe erhalten. „Ich war zunächst voll des Lobes, innerhalb von drei Wochen war das Geld da, das hat uns über die ersten Wochen hinweggeholfen.“ Auch die Möglichkeit, Kurzarbeit zu beantragen habe die erste Durststrecke ein wenig abgemildert.

Doch mittlerweile zweifelt er an den Versprechungen der Politik. Denn von den Überbrückungshilfen des Bundes, die er für die coronabedingt kargen Sommermonate beantragt hat, ist bisher noch nichts bei ihm angekommen. Sein Antrag von Ende September ist nach wie vor anhängig. Und nach einem Telefonat diese Woche mit der L-Bank, die das Geld ausschüttet, glaubt er nicht mehr, dass er bald bearbeitet wird. „Die Mitarbeiter sind heillos überfordert, sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen“, so seine Erfahrung. Niemand habe ihm sagen können ob, und wenn ja wann, er mit dem Geld rechnen könne. Bei der Flut an Anträgen fehle es momentan schlicht an Mitarbeitern. „Da liegt sehr viel im Argen. Vieles wird versprochen und nichts gehalten“, so ist sein Eindruck. Dass er, wie versprochen, noch diesen Monat eine Novemberhilfe erhält? Eher unwahrscheinlich.

Ohne Novemberhilfen gehen bei vielen Betrieben die Lichter aus

Dabei wäre diese besonders wichtig, sagt Daniel Ohl, Pressesprecher des Hotel-und Gaststättenverbands in Baden-Württemberg (Dehoga): „Wir warten dringend auf die Novemberhilfen, sonst gehen bei vielen Betrieben die Lichter aus.“ Ohl bestätigt auch, dass Kunz mit seiner Erfahrung bei den Überbrückungshilfen nicht alleine ist. Es gebe hier „häufig längere Wartezeiten und Frust bei den Betroffenen“. Zwar existiere auch ein Landesprogramm speziell für Hotels und Gastronomie, bei dem die Hilfen meist recht schnell gewährt werden. Doch das sei eher auf große Betriebe ausgerichtet. Für Hotelier Kunz hätte sich die Förderung finanziell kaum gelohnt, berichtet er.

Seit vier Jahren betreibt der 51-Jährige das auf Geschäftsreisende spezialisierte Hotel am Engelberg. Und vor Ausbruch der Corona-Pandemie war es immer gut belegt – unter der Woche zu 80 bis 90 Prozent, und im Oktober und November für gewöhnlich komplett ausgebucht. Doch seit Ende Februar sind kaum noch Gäste gekommen. Als Corona noch im fernen China Schlagzeilen machte, hätten bereits die ersten Gäste Buchungen storniert, „im Lockdown war dann komplett Schicht im Schacht. Uns wurde von heute auf nachher die Geschäftsgrundlage entzogen.“ Für Geschäftskunden durfte das Hotel zwar weiter geöffnet bleiben. Doch waren zwischen April und Juni im Schnitt nur fünf bis zehn Prozent der Zimmer belegt.

Auch nach dem ersten Lockdown lief das Geschäft zunächst nur schleppend an. Im September nahmen die Buchungszahlen dann allmählich wieder zu und Kunz schöpfte Hoffnung. Einige Mitarbeiter habe er wieder in den Betrieb zurückholen können. Die meisten bleiben nach wie vor zu 100 Prozent in Kurzarbeit. „Denen geht es nicht so dolle.“

Doch jetzt, mit dem „Lockdown light“, der für Hotel und Gastronomie so gar nicht „light“ ist, „sind wir jetzt beinahe am Ende.“ Nur einige wenige Geschäftsreisende kämen gerade ins Hotel am Engelberg. Der Betrieb sei bis Ende des Jahres gerade mal zu 12 bis 13 Prozent ausgelastet.

Corona-Maßnahmen für Hotel und Gastronomie hält er für nicht verhältnismäßig

Kunz ist beileibe kein Corona-Leugner: „Das Virus gibt es, keine Frage, das ist da, und es gibt auch schwere Verläufe, das wünscht man keinem.“ Allerdings hält er die Maßnahmen zur Eindämmung für unverhältnismäßig. Man könne wegen der vergleichsweise geringen Zahl an schwer Erkrankten doch nicht ein ganzes Land an die Wand fahren, findet er. Der 51-Jährige ist sicher: „Man hätte die Hotels und Gaststätten ohne großes Infektionsrisiko weiterlaufen lassen können.“ Denn es mag zwar einige wenige schwarze Schafe in der Branche geben, aber die allermeisten Betriebe hätten die Vorsichtsmaßnahmen sogar übererfüllt.

Auch in seinem Hotel in Winterbach ständen überall Hygienespender, gebe es Masken für die Gäste, werde alles zigfach am Tag desinfiziert und penibel auf die Einhaltung der Abstände geachtet. „Die Gäste, die ich noch habe, stoßen ins selbe Horn.“ Das Unverständnis für die harten Einschränkungen der Branche sei groß.

Und selbst wenn er wider Erwarten bald die Überbrückungshilfen erhalten sollte, seien damit die laufenden Kosten nicht gedeckt. „Es hilft lediglich bei der Liquidität, ich kann Löhne überweisen und Rechnungen bezahlen, ohne dass die Bank mir auf den Füßen steht.“ Hinzu komme: Die Hilfen müssen später wieder versteuert werden.

Kunz hat wegen Corona Geld aus der Altersvorsorge ins Hotel gesteckt

Kunz sagt, er habe in diesem Jahr bereits eine größere fünfstellige Summe aus der privaten Altersvorsorge entnommen, um das Hotel am Laufen zu halten. „Auf Dauer geht das nicht. Bis April werden wir wohl die restlichen privaten Altersvorsorgemittel verbraucht haben.“ Der 51-Jährige rechnet damit, dass bis dahin viele Hotels, Gastronomen, Restaurants, Kneipen und Theater „verrecken werden, auf gut Deutsch gesagt.“ Und er zweifelt, ob diese Maßnahme zur Eindämmung des Virus überhaupt so hilfreich ist. Denn durch die Schließungen verlagere sich manche Feier jetzt ins Private – wo die Einhaltung der Hygieneregeln wohl nicht so penibel kontrolliert werde wie in den Hotels und Gaststätten.

Selbst für den Fall, dass im Frühjahr das Schlimmste überstanden ist und Deutschland die Pandemie in den Griff bekommt, geht Kunz davon aus, dass künftig weniger Gäste in sein Hotel kommen werden. Denn in vielen Betrieben hat Corona zu einem Umdenken geführt. Zwar gebe es immer noch Geschäftsreisende, aber „man merkt jetzt schon, dass Firmen sagen: Unsere Vertriebsleitermeetings können wir über die Konferenz-Software machen.“ Auch was Hochzeiten und Feste anbelangt, blickt Kunz skeptisch in die Zukunft: „Da sind die Leute zwar heiß drauf, ich glaube aber, dass es bei Einschränkungen bleiben wird.“

Noch hat Stefan Kunz seinen Mut nicht verloren

Einen Plan B hat Kunz im Moment noch nicht. Erst vergangenes Jahr hat er die Hotelgesellschaft übernommen, „da war noch nicht absehbar, dass wir eine Pandemie bekommen.“ Zuvor hat er lange Jahre Golf-Turniere veranstaltet und war im Marketing für größere Hotels tätig. Seit gut 15 Jahren ist er mit der Branche verbunden.

Den Mut verloren hat Stefan Kunz aber noch nicht. „Wir laufen weiterhin mit einem Lächeln durch unser Hotel und tun unser Menschenmögliches, dass die Gäste sich gut aufgehoben fühlen. Wir haben ein hervorragendes Team. Alle sind mit Leib und Seele Gastgeber“ – und wollen das auch künftig bleiben.

Mit der „Bazooka“ und einem großen „Wumms“ wolle man die Wirtschaft in der Coronakrise stützen. So hatten es Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier versprochen. Auch jetzt im zweiten Lockdown sollen Unternehmen 75 Prozent ihrer Umsätze aus dem Vorjahres-November erhalten – und das möglichst schnell und unbürokratisch. Doch von diesem „Wumms“ hat der Winterbacher Hotelier Stefan Kunz bislang noch nicht viel gespürt. Er kämpft, wie so viele in der Branche, gerade um

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