VfB Stuttgart

Machtkampf zwischen AG-Boss Hitzlsperger und Präsident Vogt: Wie Trainer Matarazzo das Thema von der Mannschaft fernhalten will

Pellegrino Matarazzo
Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild © Tom Weller

Der Machtkampf in der Führungsetage des VfB Stuttgart hielt Trainer Pellegrino Matarazzo nicht von einem gemütlichen Silvesterabend ab. Ungeachtet des heftigen Streits zwischen Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt schlief der Trainer sogar kurz vor dem Jahreswechsel auf dem Sofa ein.

Matarazzo spricht von einer „bemerkenswerten“ Attacke

„Mein Sohn hat währenddessen Harry-Potter-Lego aufgebaut und mich dann aufgeweckt um kurz vor Zwölf“, erzählte der 43-Jährige am Neujahrstag schmunzelnd. Sein Fokus soll nun dem Spiel gegen RB Leipzig am Samstag (ab 20.30 Uhr im ZVW-Liveticker) gelten.

Doch auch dem Italo-Amerikaner dürfte es aktuell schwerer denn je fallen, sich allein auf das Sportliche zu konzentrieren. Während Matarazzos Mannschaft in der Fußball-Bundesliga bislang mit teils begeisternden Auftritten überzeugte, droht der VfB sich auf höchster Ebene selbst zu zerlegen. Die Dimension der öffentlichen Attacken von Hitzlsperger und Vogt bezeichnete Matarazzo als „bemerkenswert“.

Das Thema soll mannschaftsintern schnellstmöglich „im Keim ersticken“

Anstatt seine Mannschaft allein auf RB Leipzig vorzubereiten, sprach der Coach mit seinen Spielern auch über den heftigen Streit der beiden Alphatiere. So wollte er das Thema vor seinen Profis schnellstmöglich „im Keim ersticken“. Er habe der Mannschaft gesagt, „dass der sportliche Weg auf einer anderen Ebene verläuft, dass wir in der Lage sind, Leistung abzurufen, unabhängig davon, was in der oberen Etage passiert“.

Der ein oder andere Spieler habe bei seiner Ansprache nicht mal um den heftigen Streit zwischen Vogt und Hitzlsperger gewusst, sagte der 43-Jährige. Andere Spieler wiederum beschäftige das Thema.

Hitzlsperger will Präsident Vogt aus dem Amt drängen

In einem vierseitigen Brief hatte Hitzlsperger den Unternehmer Vogt am Mittwoch (30.12.) ungewöhnlich scharf kritisiert. Um Vogt loszuwerden, will der Ex-Nationalspieler sogar bei der Präsidentenwahl im März gegen ihn antreten. Es war ein Angriff sondergleichen.

Und es dauerte einige Stunden, bis Vogt sich schließlich am Silvestertag zur Wehr setzte. „Ich, nein wir, alle hatten es sicherlich nicht für möglich gehalten, dass sich ein Vorstandsmitglied eines Clubs gegenüber seinem Aufsichtsratsvorsitzenden öffentlich derart im Ton vergreift“, schrieb der 51-Jährige am Donnerstag (31.12.) in einer persönlichen Erklärung.

Personalsituation vor dem Leipzig-Spiel

  • Der VfB muss im Heimspiel gegen RB Leipzig eventuell auf Mittelfeldspieler Daniel Didavi verzichten.
  • Der 30-Jährige habe einen grippalen Infekt, sagte Trainer Pellegrino Matarazzo am Neujahrstag. "Eine Erkältung, kein Corona. Er ist gestern ins Teiltraining eingestiegen. Heute werden wir sehen, ob er wieder bei voller Kraft ist."
  • Bis auf die Langzeitverletzten stehen dem 43-Jährigen ansonsten fast alle Spieler zur Verfügung.
  • Erik Thommy wird nach seinem Ellbogenbruch zwar noch nicht im Kader stehen, soll nach monatelanger Verletzungspause aber nächste Woche im Teamtraining dabei sein.
  • Seinem ehemaligen Zimmergenossen Julian Nagelsmann traut Matarazzo derweil sogar den Gewinn der Meisterschaft zu. "Er ist ein außergewöhnlicher Trainer. Für sein Alter hat er schon ein Niveau erreicht, das bemerkenswert ist", so Matarazzo. "Ich traue ihm zu, um den Titel mitzuspielen. Ob er ihn gewinnt, wird man sehen. Aber er wird auf jeden Fall um den Titel mitspielen." Matarazzo arbeitete bei der TSG Hoffenheim einst als Co-Trainer unter Nagelsmann. Zuvor hatten sich beide im Rahmen der Fußball-Lehrer-Ausbildung in Hennef ein Zimmer geteilt.