VfB Stuttgart

Matarazzo-Elf darf zurück auf den Trainingsplatz

VfB-Training am 13.02.2020_11
Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie vom öffentlichen VfB-Training am Donnerstagvormittag. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Offensichtlich steht er, der Masterplan der Deutschen Fußball Liga (DFL): Am ersten oder zweiten Mai-Wochenende soll die Kugel in der 1. und 2. Bundesliga wieder rollen. Vor leeren Rängen. Das berichtet der kicker. Demnach will ein Großteil der 36 Clubs die noch ausstehenden neun Spieltage größtenteils ohne englische Wochen bis zum 30. Juni austragen. Der Virologe Alexander Kekulé hält Geisterspiele ab Mai für „rein virologisch möglich“. Man könne die Spiele „theoretisch absichern, das ist möglich“, sagte Kekulé am Samstagabend im Aktuellen Sportstudio. „Machbar ist natürlich alles, aber man muss immer überlegen, wie man den Menschen erklärt, dass der Fußball so eine Spezialbehandlung bekommt.“ 

Die Zeit im „Home-Office“ ist vorbei

Für die Profis des VfB Stuttgart heißt das: die Zeit der individuellen Trainingsarbeit im „Home-Office“ ist bald vorbei. Die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo darf in den nächsten Tagen zumindest in Kleingruppen auf den Trainingsplatz zurückkehren. Grund dafür ist eine Ausnahmeregelung, die es Berufsathleten in Baden-Württemberg erlaubt, „unter Beachtung strengster Abstands- und Hygiene-Auflagen und in Kleingruppen“ wieder ins Teamtraining einzusteigen. Das teilte das Sozialministerium am Sonntag mit. 

„Wie für andere Berufstätige wie etwa Handwerker gilt auch für das Training von Profi-Sportlern: Bitte unbedingt räumlichen Abstand voneinander halten, ausschließlich alleine oder in Kleingruppen arbeiten, alle Hygienevorschriften akribisch befolgen“, so Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Kultus- und Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU) ergänzte. „Als Sportministerin ist für mich wichtig, dass wir keine reine Ausnahmeregelung für die Erst- und Zweitligisten im Fußball schaffen, sondern dass wir alle Sportarten gleich behandeln“, sagte die 55-Jährige. „Unsere baden-württembergischen Mannschaften und Spitzensportler dürfen keine Wettbewerbsnachteile erleiden.“ Eine Arbeitsgruppe aus Ministeriumsvertretern sowie des Landessportverbands und der Olympiastützpunkte soll nun noch klären, wie die Vorschriften für die Hygiene und Kontaktvermeidung im Training der Profis umgesetzt werden können.

Wie der Trainingsbetrieb in Corona-Zeiten aussieht, kann ab Montag beim FC Bayern München beobachtet werden: Beim Rekordmeister werden die Profis in vier Gruppen aufgeteilt. Diese sollen in zeitlichen Abständen in der Tiefgarage am Vereinsgelände abgeholt und in mehrere Kabinen gebracht werden. Danach wird auf verschiedenen Plätzen trainiert. Duschen und Essen sollen die Stars anschließend zu Hause. Das Cybertraining, das zuletzt via Video-Chat durchgeführt wurde, kann als Variante in der Trainingsarbeit weiter genutzt werden.

DFL-Chef Seifert: „Training ist auch Teil des Berufes“

Aufkommende Kritik an einer Sonderrolle für die Erst- und Zweitligisten wies DFL-Boss Christian Seifert dieser Tage jedoch zurück. „Wir wollen keine Extrawurst, das ziemt sich auch nicht in diesen Zeiten. Aber wir sind ein Wirtschaftsunternehmen wie viele andere“, sagte Seifert am vergangenen Dienstag nach der DFL-Mitgliederversammlung. „Training ist auch Teil des Berufes. Und die Vereine versuchen, sich durch diese Zeit zu navigieren.“ Die DFL schafft dafür die Rahmenbedingungen, zu denen unter anderem die Bildung einer medizinischen Task Force gehört. Diese soll einen verbindlichen Leitfaden entwickeln, der laut Seifert „im Detail klärt, unter welchen Bedingungen sich Hygiene und Prävention bei der Durchführung von Gruppentraining, Mannschaftstraining - und im Falle der Wiederaufnahme des Spielbetriebs auch dort - bestmöglich gewährleisten lassen“.

Der Virologe Kekulé erneuerte unterdessen seine Einschätzung, dass es in diesem Jahr keine Fußball-Spiele mit Zuschauern mehr geben werde. „Aus jetziger Sicht würde ich für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum. Im Moment sieht es nicht so aus, als könnten wir dieses Jahr ernsthaft sowas ins Auge fassen.“


Task Force der DFL arbeitet: noch keine Beschlüsse 

  • Die DFL hat in der Debatte um Spielszenarien in der 1. und 2. Bundesliga ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es „zum aktuellen Zeitpunkt weder Beschlüsse noch Vorfestlegungen gibt“. Dies teilte die Dachorganisation der 36 Proficlubs am Sonntag mit. Die „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ habe in den zurückliegenden Tagen wie angekündigt ihre Arbeit aufgenommen.
  • „Dass es unterschiedliche Denkansätze gibt, liegt in der Natur der Sache. Die Task Force wird die enge Abstimmung mit externen Experten und staatlichen Stellen suchen, um gemeinsame Lösungsansätze zu finden“, heißt es. „Selbstverständlich hat in allen Lebensbereichen der Gesellschaft die Eindämmung des Coronavirus höchste Priorität.“
  • Die Task Force wurde bei der der DFL-Mitgliederversammlung am vergangenen Dienstag ins Leben gerufen. Sie soll einen verbindlichen Leitfaden entwickeln.
  • Den Vorsitz der Task Force hat Tim Meyer, ärztlicher Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes und zugleich Arzt der Fußball-Nationalmannschaft.