Keine Entspannung in Sicht

Mehr als 23.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

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"Bitte Abstand halten"
Hinweisschilder zum Corona-Schutz an einem Schaufenster in der Innenstadt von München. Foto: Sven Hoppe/dpa © Sven Hoppe
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Hinweisschild
Ein Schild weist auf einem Wochenmarkt in Berlin auf Maskenpflicht und Abstandsgebot hin. Foto: Jörg Carstensen/dpa © Jörg Carstensen

Berlin (dpa) - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt weiterhin dramatisch. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstag 23.399 neue Fälle innerhalb eines Tages - ein neuer Höchststand.

Bereits an den vergangenen drei Samstagen war bei den Neuinfektionen ein Rekord verzeichnet worden. Laut RKI ist eine deutliche Trendumkehr noch nicht in Sicht. CSU-Chef Markus Söder zeigte sich aber angesichts des aktuellen Teil-Lockdowns optimistisch. Mediziner sehen teils schwarz.

Im RKI-Lagebericht vom Freitagabend heißt es, bisher sei eine weitere Zunahme der Übertragungen in der Bevölkerung zu beobachten. Bis sich die Wirkung des seit Montag greifenden Teil-Lockdowns mit Schließungen etlicher Einrichtungen im November bei den Infektionszahlen zeigt, dauert es wegen der Spannen von der Ansteckung zu Symptomen, Test und Erfassung laut RKI zwei bis drei Wochen.

Die Zahl erfasster Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg nach RKI-Angaben vom Samstag um 130 auf insgesamt 11.226. Schon in den vergangenen Tagen hatte die Zahl deutlich über 100 gelegen. Selbst wenn die Zahl der Neuinfektionen demnächst stagnieren sollte, ist zunächst weiter mit hohen Werten bei den Todesfällen zu rechnen, da diese im Verlauf der Erkrankung, oft erst Wochen nach der Infektion, auftreten.

Auch Bayerns Ministerpräsident Söder betonte, es brauche mindestens zwei Wochen, um den Erfolg der Maßnahmen bewerten zu können. «Der Lockdown light wird wirken. Die Medizin ist bitter, aber notwendig. Ich hoffe, die Dosis reicht», sagte der CSU-Chef der «Rheinischen Post» (Samstag). Er rief die Bürger zugleich auf, «Geduld zu bewahren».

Die Entwicklung alarmiert Mediziner. Wenn die Zahl der Patienten mit schweren Verläufen weiter steige wie bisher, «dann sind alle aktuell als frei gemeldeten Betten belegt, schon in drei Wochen», sagte etwa der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS). Er kritisierte, dass der Teil-Lockdown aus medizinischer Sicht zu spät beschlossen worden sei.

Zum Schutz besonders in Pflegeheimen und Kliniken läuft unterdessen der Einsatz neuer Corona-Schnelltests an. In ersten Bundesländern können die ergänzenden Testmöglichkeiten nach Angaben der zuständigen Ministerien bereits verwendet werden, teils sind Vorbereitungen dafür geplant. Für November hat der Bund zunächst neun Millionen Tests über Abnahmegarantien bei Herstellern gesichert.

Vor erneuten Besuchsverboten in Heimen warnte der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus. «Ich höre bereits wieder von Angehörigen, dass pauschale Besuchsverbote für stationäre Pflegeeinrichtungen ausgesprochen wurden», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Sonntag). «Das ist nicht zu akzeptieren.» Soziale Kontakte seien für Bewohner von essenzieller Bedeutung.

Gesundheitsminister Jens Spahn rief dazu auf, mehr nachgewiesene Infektionen über die Corona-Warn-App zu teilen. Er sei aber weiter dagegen, die Anwendung verpflichtend zu machen, sagte der CDU-Politiker am Samstag bei einem virtuellen Kongress der Kommunalpolitischen Vereinigung von CDU und CSU. Entwickler arbeiteten an Verbesserungen. Derzeit haben nach seinen Worten 22 Millionen Menschen in Deutschland die App installiert, 18 bis 20 Millionen Menschen nutzen sie tatsächlich.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund plädiert unterdessen dafür, dass positiv Getestete ihre Quarantäne auch in einem Hotelzimmer verbringen können. Das Angebot solle freiwillig sein und nur für Menschen gelten, die keine oder nur schwache Symptome haben, sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Eine solche Regelung könne die Infektion von Familienmitgliedern verhindern und nütze nebenbei auch Hotels und Pensionen, die in der Krise kaum Einnahmen haben. Die Kosten für die Unterbringung müsse der Staat übernehmen.

© dpa-infocom, dpa:201107-99-244932/3