Kleine Kehrwoche

Bekloppte böse Buben (42)

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Das Handy: Für viele Nutzer unverzichtbar - und für manche Spitzbuben selbst das Risiko wert, erwischt zu werden. © Jan Vašek / Pixabay

Als ich 1998 erstmals ein Handy besaß, war ich in meinem Abitur-Jahrgang einer von nur drei stolzen Mobiltelefonisten. Heutzutage ist das Handy ständiger Begleiter eines jeden. Für manche Tunichtgute ist es offenbar derart unverzichtbar, dass sie sogar riskieren, erwischt zu werden, nur um ihre Handys zurückzubekommen.

Als jüngst ein 21-Jähriger im Zug nach seinem Ticket befragt wurde, konnte er keines vorweisen. Als Ausweispapier zeigte er eine fremde Krankenversicherungskarte vor – ein Trick, der freilich nicht funktionierte. Als die Zugbegleiterin ihn also stellte, beleidigte er sie und spuckte um sich. Und gleich, als der Zug im Bahnhof Kulmbach einfuhr, stieg der Spitzbub aus und versuchte zu fliehen. Hätte vermutlich geklappt, wenn er nicht gar sein Handy im Zug vergessen hätte. Ausgerechnet bei einer Dienststelle der Bundespolizei erkundigte er sich also, ob man es gefunden habe – und wurde festgenommen.

Eine ganz ähnliche Geschichte ereignete sich in Grünkraut, Kreis Ravensburg: Dort wurde der Polizei in einer Nacht im Mai von einer Zeugin ein Verdächtiger gemeldet, der sich in einer Tiefgarage an Fahrzeugen zu schaffen machte, und offensichtlich deren Reifen klauen wollte. Die Zeugin habe dies gesehen und ihn darauf angesprochen. Der Ertappte suchte daraufhin das Weite.

Aber wie das bei harter körperlicher Arbeit so ist, hatte der 34-Jährige zur Demontage der Reifen kurz vorher seine Jacke ausgezogen. Und diese blieb, samt einem in einer Tasche verstauten Handy, am Tatort zurück. Als er den Verlust bemerkte und nochmal zu der Tiefgarage in Grünkraut zurückkehrte, wartete dort schon die Polizei auf ihn. Zusätzlich zu Handy und Jacke gab es dann gleich noch eine Anzeige wegen versuchten Diebstahls.

Ein Dieb in Frankfurt hatte wohl mit seiner Tat jeglichen Handy-Engpässen vorbeugen wollen und bei seinen Beutezügen insgesamt 10.000 Mobiltelefone geklaut. Diese – und dazu noch 47 Flachbildschirme – hatte er versucht, mithilfe eines gleichfalls gestohlenen Kleintransporters abzutransportieren. Zu seinem Pech wurde er später aufgrund von Zeugenaussagen überführt und wurde vor Gericht in erster Instanz zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Ob er tatsächlich einfährt, das entscheidet sich noch in einer Revision. Und die Moral von der Geschicht’: Am Handy hängen lohnt sich nicht!

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach