Kleine Kehrwoche

Betrügen ist nicht charmant!

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Der "Tinder-Schwindler" gaukelte seinen Opfern eine märchenhafte Liebe vor, um sie dann gnadenlos auszunehmen.

Auf dem Streaming-Portal Netflix liegen derzeit zwei Eigenproduktionen besonders im Trend: Die Serie „Inventing Anna“ und die Dokumentation „Der Tinder-Schwindler“. So sehr diese beiden Aufbereitungen von faszinierenden Betrugsgeschichten die Menschen packen und in ihren Bann ziehen, sollte eines dabei doch klar sein: Betrug ist niemals charmant, es ist ein Verbrechen.

Das Märchen vom sympathischen Ganoven geht freilich deutlich weiter zurück als bis zu diesen Serien. Schon über den „Rosaroten Panther“ konnte man einst schmunzeln. Später war es Danny Ocean (alias George Clooney), der in „Ocean’s Eleven“ und Folgefilmen derart charmant die Casinos ausraubte, dass man ihm als Zuschauer jeden Cent gönnte. Und auch Netflix hat etwa mit „Lupin“ schon einige ähnliche Stoffe geliefert, bei denen man mit den eigentlichen Spitzbuben sympathisiert.

Die Serie „Inventing Anna“ erzählt die wahre, jedoch leicht dramatisierte, Geschichte der Betrügerin Anna Sorokin – die gerade kürzlich aus dem Gefängnis heraus die US-Behörden wegen eine verweigerten Booster-Impfung verklagt hat. Rund 275.000 Dollar soll die in der Presse „SoHo-Betrügerin“ der High Society New Yorks abgenommen haben. Geradezu ein Waisenkind war sie gegen den „Tinder-Schwindler“ Simon Leviev alias Shimon Hayut, der seine zahlreichen Opfer um insgesamt rund 10 Millionen Dollar betrogen haben soll. Und im Gegensatz zu Sorokin, die einsitzt, ist Hayut – nach einer lächerlich geringen Strafe – wieder auf freiem Fuß.

Diese und andere Dokumentationen oder Dramatisierungen laufen unter dem Label „True Crime“: Es geht also um „wahre Verbrechen“, die derart faszinierend sind, dass man gerne darüber erzählt und gerne zuhört. Allerdings versuchen sich manche Zeitgenossen auch in der Realität an solchen Maschen. In kleinerem Ausmaß, jedoch für die Opfer des Betrugs ebenso schmerzhaft.

Oft begegnet einem das im realen Leben bei „eBay Kleinanzeigen“, „Schwarzes Brett“– oder Flohmarkt-Gruppen. Eiserne Regel: Wer abenteuerliche Zahlungs- oder Abholungswege verlangt, wer Druck aufbaut, offensiv agiert, dort sollte man den Handel abbrechen. Und wer erstmal Geld will, und das mit (Horror)märchen begründet, den darf und sollte man getrost blockieren, bevor man selbst einen Geschmack von „True Crime“ erhält.

Passen Sie auf sich auf! Ihr Mathias Schwappach