Kleine Kehrwoche

Ein neues „Aschenbrödel“

Ksenia Sergeeva - cinderella-g3a99e0009_1920
Aschenbrödel, Cinderella oder Aschenputtel: Das Märchen hat verschiedene Titel, die mitschwingende Romantik ist aber stets die Gleiche. © Ksenia Sergeeva / Pixabay

Die Einen rollen genervt mit den Augen, sobald auch nur die ersten Takte der Titelmusik ertönen. Andere notieren sich in der Weihnachtszeit alle Sendetermine zur oder schweben zu Ella Endlichs melodiebegleitendem Geträller an ihrer Hochzeit über die Tanzfläche. Die Rede ist von Kult-Film: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

Man fragt sich, was zuerst zum Kult wurde: Der Film von 1973 oder die ihn begleitende Musik, komponiert von Kartel Svoboda, die damals vom Symphonieorchester Prag eingespielt wurde – und übrigens im Original von Karel Gott gesanglich begleitet wird. Die Melodie trägt jedenfalls maßgeblich zum Feeling und der Atmosphäre jenes Films bei – und ist vermutlich deshalb so beliebt.

Der tschechische Märchenfilm„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ steht heute exemplarisch für sein Genre und wird jedes Jahr um die Weihnachtszeit in mehreren dritten Programmen ausgestrahlt. Er basiert auf dem gleichnamigen Märchen der tschechischen Schriftstellerin Boena Nemcová – und wurde später von den Gebrüdern Grimm als „Aschenputtel“ neu erzählt. Der Schnee, die Liebesgeschichte, die Märchenwelt: Viele von uns wurden als Kinder vom Lächeln Libuse Safránkovás als „Aschenbrödel“ durch die Weihnachtszeit begleitet.

Und wie das mit alten, erfolgreichen Filmen oft so ist: Man glaubt, sie heute noch besser machen zu können. Und deswegen erfährt der Stoff nun ein Remake durch eine Neuauflage aus Norwegen. Regie führte die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Cecilie A. Mosli. Das „Aschenbrödel“ wird von der 24-jährigen Astrid Smeplass gespielt, ihr Prinz von Cengiz Al. Der Trailer verspricht Motive, Kostüme und Schneelandschaften, die doch sehr ans Original erinnern. Jedoch, so faszinierend Technik, Musik und Effekte hierbei auch sind, es macht das Ganze doch zu einem komplett anderen Film.

Die Atmosphäre und das Flair im Remake erinnern eher an Disney-Ästhetik oder die großen Fantasy-Blockbuster unserer Zeit. Es ist durchaus märchenhaft, passt auch zu Weihnachten – und doch fehlt das gewisse Etwas. Womöglich wird Astrid Smeplass zum „Aschenbrödel“ der nächsten Generation? Ich bin mir aber recht sicher, dass mancher trotzdem zu Weihnachten noch die Programminformationen durchsieht, um zu Bildern und Musik in märchenhaften Erinnerungen zu schwelgen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach