Kleine Kehrwoche

Es ist „Wednesday“, Dudes!

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Christina Ricci dürfte den meisten noch in ihrer Rolle als "Wednesday" bekannt sein. Auch in der neuen Serie ist sie mit dabei. © ACC / Splendor Films

Da ist er wieder, der Popkultur-Fan. Bestimmte Anmerkungen zu speziellen Serien kann ich mir einfach nicht verkneifen. Vor allem dann, wenn ich meine Begeisterung unbedingt teilen muss und zuversichtlich bin, dass sie auch von dem einen oder anderen da draußen geteilt wird. Ganz neu auf „Netflix“ gibt’s die Serie „Wednesday“, eine modernisierte „Addams Family“, zu sehen – und niemand geringerer als Tim Burton hat dies umgesetzt.

Damit eignet sich Burton nun einen Stoff an, der 1991 mit der „The Addams Family“ und 1993 mit „Addams Family Values“ noch von Barry Sonnenfeld beackert wurde. Nicht zu vergessen die schwarz-weiße Ursprungs-Fernsehserie von 1964 bis ‘66, als die Figuren erstmals Namen erhielten. Und natürlich die Cartoons, geschaffen von Charles Addams, die sich im Magazin „The New Yorker“ in den 1930er Jahren großer Beliebtheit erfreuten.

Knapp 100 Jahre später nimmt sich nun also Tim Burton den Stoff vor. – Und seien wir ehrlich: Endlich! Allein schon das Intro, unterlegt mit der Musik seines ewigen Begleiters, dem Komponist Danny Elfman, ist schon ein Genuss. Die unverwechselbare düstere Ästhetik, die Burton ganz natürlich in die moderne Welt hineinpinselt, verleiht der Serie von der ersten Sekunde an ihr sanft nostalgisches Flair, ohne sich an die Vorgänger anbiedern.

Wer noch die von Sonnenfeld geprägten Figuren im Kopf hat – ein Raúl Julia als „Gomez Addams“ mit viel Don-Juan-Appeal, sowie Anjelica Huston als düster-gruselige „Morticia Addams“ – wird bei der Neubesetzung wohl stutzig: Mit Catherine Zeta-Jones als „Morticia“ und Luis Guzmán als „Gomez“ werden frühere Darstellungen à la Sonnenfeld dezent ignoriert. Stattdessen besinnt sich Burton auf die alten Comic-Zeichnungen der Figuren, die er in Starbesetzung castet und in seine Serie holt.

Allen voran Jenna Ortega, die als 16-jährige „Wednesday“ irgendwo zwischen Comedy-Horror und Teen-Drama in einem „Harry Potter“-Setting bestehen muss. Christina Ricci, die bei Sonnenfeld eine 12- und 13-jährige Wednesday gab, steht nun als Lehrerin „Marilyn Thornhill“ ihrer „Nachfolgerin“ zur Seite. Burton trifft den richtigen Nerv, kombiniert respektvolle Adaption und seine eigene morbide Ästhetik in einer detailverliebt-düsteren Inszenierung – samt einer zeitgemäß ansprechenden Geschichte. Voller Respekt: It’s Wednesday, my dudes!

Viel Spaß beim Schauen! Ihr Mathias Schwappach