Kleine Kehrwoche

Frauenversteher & #pinkygate

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Wie zwei selbstberufene "Frauenversteher" ein "Problem" lösen wollten - und dabei zeigten, wie wenig sie tatsächlich verstanden hatten. © Southern Sun / Pixabay

Eigentlich ist der Name „Höhle der Löwen“ für die StartUp-Show auf Vox so gewählt, weil er eine gewisse Gefahr für jene implizieren soll, die dort ihre Ideen pitchen. In der deutschen Version der Show geht's aber meistens recht zahm zu. Die Investor-Raubkatzen zeigen selten die Zähne. Das „Zerfleischen“ zweier Gründer aus der Sendung vom 12. April übernahmen nun die Zuschauer.

Die Freunde Eugen Raimkulow und André Ritterswürden warteten auf mit einem Frauenprodukt: „Pinky Glove“. Dieser rosafarbene Einmalhandschuh sollte Frauen die hygienische Entsorgung ihrer Tampons ermöglichen. Man entnimmt den Tampon mit dem Handschuh, der Pinky Glove wird auf links gedreht, alles eingewickelt, mit dem angebrachten Klebestreifen versiegelt, so könne man ihn gut mitnehmen oder im Müll entsorgen.

Die Erfinder verwiesen auf Erfahrungen in Wohngemeinschaften, wo Frauen ihre Tampons in Klopapier eingewickelt und in den Müll geworfen hätten. Zitat: „Nach einer Zeit riecht das unangenehm und das Papier nässt durch.“ Gelöst wird also nicht ein Problem der Nutzerinnen, vielmehr wird es ihnen eingeredet. Der Anspruch: Blutung und Periode sind zu kaschieren, um andere nicht zu belästigen. Die Prozente waren ein Schnäppchen, die Marge lockte, Investor Ralf Dümmel griff zu – und wurde so ebenfalls Ziel des Shitstorms #pinkygate. Ein Vorwurf ist die Haltung, dass Frauen ihre Periode verstecken sollen. Aber auch Klischee-Farbe und Name wurden kritisiert, überdies der viele unnötige Plastikmüll.

Gründer und Investor entschuldigten sich in Statements, räumten Defizite bei Produkt und Idee ein. Man versprach, sich besser zu informieren. Doch der Druck war zu groß. Viele Kommentare und Nachrichten waren völlig überzogen, voller Hass oder sogar bedrohlich. Am Montag gaben die Gründer auf – und erklärten ihren Rückzug.

Was man den Jungs vorwerfen darf, ist eine naive Unwissenheit samt anmaßender Haltung. – Doch was ist mit den „Löwen“? Solange die Menstruation im TV zur besten Sendezeit widerspruchslos zur Peinlichkeit erklärt wird; solange nicht einmal die „Löwinnen“ in der Runde die Krallen ausfahren und stattdessen die Gründer als „Frauenversteher“ loben; solange das Thema nicht endgültig enttabuisiert wird – so lange bleibt dies eines von vielen Beispielen „gut gemeinter“ Diskriminierung.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach