Kleine Kehrwoche

Grenzen des „Aktivismus“

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Mit dieser Art von Protest macht man sich definitiv keine Freunde, dessen Ziele stehen aber in Bezug zur Aktion. Wenn so ein Bezug jedoch nicht gegeben ist, wäre dies dann noch "Aktivismus" - oder doch eher Straftat? © Benjamin Davies / Pixabay

Dem heutigen Gedankengang muss ich zwei Thesen vorausschicken. These eins: Es ist richtig, den Menschen bestimmte Missstände ins Bewusstsein zu rufen, denn nur dann, wenn es „weh tut“, erwägt man auch deren Änderung. These zwei: Wer sich Aktivist nennt, muss genau abwägen, wie sinnvoll die gewählte Aktion bezüglich des intendierten Ziels ist. Allein ein direkter Zusammenhang lässt eine Beschäftigung mit dem Ziel erhoffen.

So sind Aktivisten, die sich zugunsten des Klimaschutzes am Boden einer Fahrbahn festkleben, für Autofahrer extrem zwar ärgerlich, ihre Denkweise lässt sich aber wenigstens nachvollziehen: weniger Verkehr heißt weniger Abgas. Gut muss man sowas nicht finden: Die Aktionen sind zu pauschal, sie erzeugen eher Wut als Nachdenken und sie gefährden mitunter sogar die Sicherheit. Aber: Der Eindruck wirkt themenbezogen, nachhaltig.

Die Grenzen eines„Aktivisten“ sind dann erreicht, wenn eine Aktion mit dem angestrebten Ziel so gar nichts zu tun hat – und es nur noch um Zerstörung und Provokation geht. Eben dies muss man den „Aktivisten“ von „Just Stop Oil“ vorwerfen, die in der National Gallery in London das Bild „Sonneblumen“ von Vincent van Gogh mit Tomatensuppe besudelt haben. Zum Glück nahm das Gemälde im Wert von 84 Millionen Euro keinen Schaden, allein der Rahmen hat gelitten. – Aber wofür das?

Es war vergangene Woche nicht die einzige Aktion dieser Art: In Melbourne haben sich zwei Klimaaktivisten an das Picasso-Gemälde „Massaker in Korea“ geklebt. Und im August hatten sich Aktivisten in Frankfurt, Berlin und Dresden an Gemälde geklebt. Die Ideen waren unterschiedlich: Mal gingt es um die Motive der Bilder bezogen aufs Klima; heuer ging’a darum, den Wert von Kunst gegenüber den Lebenshaltungskosten infrage zu stellen. Gemeinsam ist allen Aktionen, dass sich deren „gute Absicht“ nur mühsam aus dem Kontext herleiten lässt.

Die Aktivisten sprechen da von „friedlichem Protest“, der aber „laut genug“ sei, um „gehört zu werden“. Hierzu ist klarzustellen: An der Zerstörung von Kunstwerken, von Weltkulturerbe, ist gar nichts „friedlich“. Bei aller Aufmerksamkeit: Wo nachhaltiger Schaden an unersetzbaren Werten entsteht, ist selbst bei hehren Idealen die Grenze zu ziehen. Wer das nicht versteht, hat selbst viel zu lernen – und sollte es von der Justiz gelehrt bekommen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach