Kleine Kehrwoche

Gute „Geschäfte“ jeder Art

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Vorbei die Zeit, da fast jede Toilette an der Autobahn einer Vorhölle glich. Abgelöst wurde das Luftanhalten vom Wertbon sammeln. © Marcel Gnauk / Pixabay

Kürzlich ging eine Meldung herum, die so ziemlich jeden Autofahrer betreffen dürfte: Die Preise fürs stille Örtchen an Autobahnraststätten werden erhöht. Ab kommender Woche soll der Toilettenbesuch beim blau-weiß-grünen Marktführer 1 Euro anstatt 70 Cent kosten. Betroffen sind rund 400 Toilettenanlagen, die entlang deutscher Autobahnen von der Firma betrieben werden.

Gleichzeitig wird das zugehörige Wert-Bon-System überarbeitet. Bislang gab’s für den 70-Cent-Klosett-Aufstieg ein 50-Cent-Wertmärkchen, das man im Shop der jeweiligen Tankstelle einlösen konnte. Genutzt wurde es nur selten, zumal es da für 50 Cent nicht einmal ‘nen Kaugummi gibt. Wer den Bon also verwerten will, muss ordentlich draufzahlen – was sich eigentlich nie rentiert. Ich habe im Handschuhfach um die 50 solcher Bons, die ich aus oben genannten Gründen nie eingelöst habe. Die Idee: Irgendwann bezahle ich davon mal eine Tankfüllung. 80 Euro in Toiletten-Bons – stelle ich mir lustig vor! Denn obwohl einzelne Anbieter behaupten, nur bei ihnen erhaltene Bons einlösen zu dürfen, sagt doch die Webseite ganz klar: Alle Bons von allen Autobahnen dürfen bei allen Raststätten an Autobahnen eingelöst werden.

Deshalb klingt der gleichfalls neue Ansatz, bei erhöhter Gebühr einen Bon in gleichwertiger Höhe zu erhalten – also 1 Euro für 1 Euro –, erstmal sehr fair. Das Ganze hat aber einen Haken und ruiniert mir meinen großen Auftritt: Es darf künftig nur noch ein einziger Wert-Bon für einen Einkauf eingelöst werden. Eine Tankfüllung aus WC-Bons wird also schwierig. Auf diese Idee kamen wohl auch schon andere. Und der 5-Euro-Schokoriegel wird bei nur noch 4 Euro Zuzahlung auch nicht attraktiver.

Bei allem Genörgel möchte ich aber auch anmerken, dass jenes Unternehmen einen guten Job macht. Wenn ich an Urlaubsfahrten früher und Toilettenbesuche auf Rastplätzen denke, da graust es mich heute noch. Da sind die Besuche beim blau-weiß-grünen stillen Örtchen angenehmer. Und dass nun eben eine Preiserhöhung fällig wird, um „die Standards bei Sauberkeit, Service und Komfort trotz der stark gestiegenen Betriebskosten für Energie, Personal und Verbrauchsmaterialien dauerhaft aufrechtzuerhalten“, wie es in deren Mitteilung heißt, ist nachvollziehbar. Ich werde also meine Bon-Sammlung fortsetzen und hoffen, dass sie bei ausreichender Verbreitung irgendwann als offizielles Zahlungsmittel gilt.

Gute Geschäfte wünscht Mathias Schwappach