Kleine Kehrwoche

Hokus Pokus, lieb’ mich!

the-middle-ages-2972247_1920
© Pixabay Victoria_Borodinova

Was man auf Facebook so alles angezeigt bekommt, das ist manchmal schon überraschend. Keine Ahnung, was deren Algorithmus über mich zu wissen glaubt. Jedenfalls wurde mit eine Werbeanzeige eingespielt, die mich auf ein besonderes Profil führte: „Hexenmagie“. Und ja, insofern hat das Programm ja recht: Ich hab’s angeklickt, weil das sicher eine nette Kolumne hergibt. – Los geht’s!

Im Infotext wird man von einer Hohepriesterin namens Runa begrüßt. Sie gibt an, seit 56 Jahren mithilfe ihrer Magie „Glück, Liebe, Wohlstand und Schutz“ in das Leben ihrer Klienten zu zaubern. In der Werbeanzeige, die zu der Facebook-Profilseite führt, werden immerhin schonmal eine „Partnerrückführung“, ein „Trennungszauber“, ein „Bindungszauber“, eine „Partnerzusammenführung“ sowie ein „Zauberritual“ zur Behebung von „Liebesproblemen“ angeboten – jeweils für schlappe 99 Euro. Eine Userin hat in den Kommentaren ihre Freundin markiert: „Vielleicht klappt es ja so!“ Jene will nun den Zauber zum Geburtstag. Eine andere schreibt: „Naja, auch Hexen müssen von was leben.“

Schaut man dann mal auf das Profil, präsentiert sich die Hohepriesterin schon etwas kompetenter; nicht mehr ganz so sehr wie der „billige Jakob“ der Wühltischmagie. Ihren immerhin 981 Abonnenten gibt sie so manche nützliche Tipps. Da wäre zum Beispiel die Beratung und Abwehr von „Blockaden“, die durch negative Energie entstehen, oder die einem jemand per negativer Magie in die Rübe gepflanzt hat. Frechheit! Auch empfiehlt sie, eine Reinigung der „Aura“ in den Frühjahresputz mit einzubeziehen; bei sehr günstigen Sternenkonstellationen macht sie auf die besondere Wirksamkeit ihrer Zauber aufmerksam – wie jetzt, der wirkt für 99 Euro nicht garantiert? – Und auch einen Segen oder Tipps zur Aussaat von Pflanzen kann man sich hier abholen. Service pur.

Nun mag es bis hierhin aufgefallen sein: Es fällt mir etwas schwer, das Ganze so richtig ernstzunehmen. Wobei ich es aber auch niemandem absprechen will, wenn man an so etwas glauben und sein Geld in einen Zauber investieren möchte. Ferner darf natürlich auch jeder gerne im Internet tolle Zauberrituale anbieten; die Nachfrage regelt das Angebot. Und solange den Empfängern der Magie mit dieser Leistung geholfen wird, freut es mich für sie. Meine (Schreib-)Blockade ist jedenfalls weg und eine neue Kolumne ist entstanden. – Danke vielmals!

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach