Kleine Kehrwoche

Ich bleibe „Team Christkind“

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Das "engelhafte Aussehen", das mancher mit dem Christkind verbindet, hat vermutlich auch etwas mit dem "Nürnberger Christkind" zu tun. © Pixabay
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Und das hier wäre das eigentliche Christkind - aber wie soll man den Kindern erklären, dass dieses Baby all die Geschenke herbei schleppt? © Pixabay

Generell habe ich ja gar nichts gegen neue Bräuche, die aus anderen Ländern „importiert“ werden – meistens aus den USA. Ich mag Halloween, ich habe auch schonmal „Thanksgiving“ gefeiert – und wenn ich noch jünger wäre und eine Nacht lang wach bleiben könnte (oder wöllte), würde ich auch mal eine Superbowl-Party mitmachen. Stets nach dem Motto: Warum nicht? Uns wird ja nix „weggenommen“, man gewinnt vielmehr einen besonderen Tag dazu, wo sonst nix los wäre. Das passt schon.

Anders sehe ich es dort, wo es in Deutschland bereits eine Tradition gibt, diese aber von einer anderen – die in den Medien viel häufiger vorkommt – überlagert wird. Ich habe gerade mal wieder irgendwo im TV eine Werbung gesehen. In der war ein kleiner Junge zu sehen, der sich, so sagte er, auf den Weihnachtsmann freute. Und an der Stelle sträubt sich etwas in mir: Freuen sich etwa die Kinder in Deutschland nicht viel eher auf das Christkind?

Meine Frau klärte mich auf, dass das noch viel weiter um sich greift als nur in dieser Werbung. Fast in allen Kinderbüchern über Weihnachten sei inzwischen die Rede vom Weihnachtsmann. Freilich ist das bequem und erspart Erklärungen, warum es hier so und dort so ist. Aber unterm Strich geht den Kindern etwas Wundervolles verloren. Und konsequent durchgezogen wird es sowieso nicht: Die Geschenke gibt's trotzdem an Heiligabend – wo traditionell auch das Christkind „liefert“ – und nicht am ersten Weihnachtstag, genannt der „Boxing Day“, zumal der US-Weihnachtsmann ja ein Nachtschichtler ist.

Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit und die Bilder von Weihnachten kommen wieder ins Bewusstsein: Das Huschen hinter der verglasten Wohnzimmertür, das Glöckchen, der von Kerzen hell erleuchtete Baum. Ein Bild habe ich nie wirklich gesehen und habe es dennoch so in Erinnerung: das Aussehen vom Christkind, das etwa in die Richtung der Darstellung des Nürnberger Chriskinds geht: Also eher engelhaft, nicht das Baby in der Krippe – wie sollte das auch so viele Geschenke tragen?

Bei mir festigt sich der Wunsch, dies meinem Kind weiterhin so zu vermitteln – „Kinder-Popkultur“ hin oder her. Der „Weihnachtsmann“ hat seinen Auftritt am kommenden Montag – dann aber als Nikolaus. Auch dieser Termin ist wichtig: Sonst würde ja das eine Mal im Jahr entfallen, wenn Kinder freiwillig ihre Schuhe putzen.

Einen schönen Nikolaustag! Ihr Mathias Schwappach