Kleine Kehrwoche

In die Brücke eine Lücke ...

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Die Koningshaven-Brücke soll der Jacht von Jeff Bezos Platz machen. © Pixabay

Man stelle sich vor: Ein hart arbeitender Mensch, der alle Welt mit herrlichsten Konsumgütern beliefert, der möchte sich einmal, nur einmal, auch selbst einen Traum erfüllen – und baut sich ein Bootle. Nix Aufwendiges oder gar Protziges, nur so ein Schiffle zum schippern. Wenn die Schiffsbauer daraus dann gleich ‘ne Superjacht für 430 Millionen Euro machen – hey, das kann doch mal passieren. Wenn dann aber so ein blödes Denkmal der lustigen Seefahrt im Wege steht, da hört der Spaß auf.

So in etwa dürfte wohl Jeff Bezos, der Gründer von „Amazon“, diese Geschichte seinen Freunden im „Club der Superreichen“ erzählen, wann immer die Runde auf’s „Mobbing missverstandener Milliardäre“ zu sprechen kommt. Da wollte der 52-Jährige doch gerade mal mit seinem 40 Meter hohen Dreimaster, der in einer Werft im niederländischen Alblasserdam gebaut worden war, hinausfahren auf die hohe See, da steht doch so eine doofe, denkmalgeschützte Brücke im Weg – und zwar auf dem einzigen Weg ins Meer. – Was also tun, Captain Bezos?

Die Koningshaven-Brücke war 1878 erbaut und nach deutschen Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg 1940 wieder aufgebaut worden. Um nun Bezos seine Jacht ausliefern zu können, hat die Werft bei der Rotterdamer Stadtverwaltung beantragt, den mittleren Teil der stahlverkleideten Brücke zu entfernen, so dass man durchkommt. Der US-Milliardär habe zugesichert, die Kosten zu tragen, erklärt ein Sprecher der Stadtverwaltung gegenüber einer Nachrichtenagentur. Trotzdem finden einige Niederländer dieses Vorhaben gar nicht so witzig, denn die Brücke war eben erst 2017 umfassend renoviert worden – und im Zuge dessen versprach die Stadtverwaltung, man werde sie niemals abbauen.

Sag niemals nie, vor allem dann nicht, wenn das Scheckheft vom Bezos locker sitzt. Warum nicht mal jemand von der Werft vorab mit ‘nem Meterstab zur Brücke hätte geschickt werden können – geschenkt. Jedenfalls versprach die Stadtverwaltung, dass die Brücke in ihrer jetzigen Form wieder aufgebaut wird. Man freue sich über Arbeitsplätze und Einnahmen, die durch den Bau der Jacht allen in der Stadt zugute kämen. Mag alles sein – ein G’schmäckle hat das Ganze trotzdem: Wer genügend Geld hat und fließen lässt, der braucht sich also neben Steuern auch um Lappalien wie Versprechen, Denkmäler oder Nachhaltigkeit nicht zu scheren. – Gut zu wissen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach