Kleine Kehrwoche

Kitsch-Italiener & Pöbel-Diner

Peggy und Marco Lachmann-Anke  - coffee-shop-1699128_1920
So wünscht man sich den Service in einem guten Lokal. Dass es auch ganz anders geht, das zeigt das Konzept von "Karen's Diner". © Pixabay / Peggy und Marco Lachmann-Anke

Wer ein Restaurant besucht, tut das nicht nur wegen Hunger. Man möchte dabei auch etwas erleben, sich bedienen, verwöhnen, gut bekochen lassen. Man möchte Speisen probieren, die man sonst nie bekommt, Menschen treffen, entspannen. Manche Restaurants gehen allerdings mit dem Erlebnis über die reine Kulinarik oder Geselligkeit hinaus. Um zwei spezielle Beispiele geht es heute.

In München, so las man es Anfang Juni auf „Spiegel online“ hat jüngst eine Filiale von „Big Mamma“ eröffnet. Wer diesen Edel-Italiener nicht kennt, braucht sich nicht zu grämen: Die seit 2015 etablierte Restaurantkette mit bislang 18 Niederlassungen in Frankreich, Großbritannien und Spanien kommt mit ihrer Münchner Dependance erstmals nach Deutschland. Nach dem Süden sollen Hamburg und Berlin folgen, so heißt es im Text.

Prunkvoll, pompös präsentiert sich das Lokal. „Schwere Blümchenvorhänge, knallbunte Blumenmuster auf Polstern, Boden und an Wänden, tausendfach multipliziert in den Spiegeln an der Bar und der verspiegelten Decke“, so beschreibt es der „Spiegel“-Text: „König Ludwig II. von Bayern soll einen ähnlich prunkvollen Stil in den heimischen Gemächern gepflegt haben, mit demselben Mut zu hemmungslosem Kitsch.“ Allein, die Preise sollen weitestgehend erschwinglich bleiben, zumal man um die Sparsamkeit der Deutschen beim Essen wisse.

Während man hier also auf Prunk setzt, hat „Karen’s Diner“ in Australien eine andere Marktlücke besetzt: die Gäste anpöbeln und bloßstellen. Bei Ankunft wird man erst ignoriert, dann genervt platziert, permanent angepflaumt und ordentlich abserviert. „Tolles Essen, schrecklicher Service“, verspricht die Außenwerbung des Restaurants im Central Business District von Sydney. Ableger gibt es bereits in Melbourne, Brisbane und Gold Coast. Standorte in Großbritannien und den USA sind geplant.

Der Name geht zurück auf ein Meme, worauf eine weiße Frau mittleren Alters verlangt: „Ich will den Manager sprechen!“ Dies ist der „Karen“-Stereotyp. Im danach benannten Diner darf jede „Karen“ ganz ungehemmt den miesen Service beklagen – den sie umso mehr bekommt. Die wie Schauspieler agierenden Kellner bieten den Gästen eine „absurd-lustige Erfahrung“. Es ist ein Spiel, auf das sich beide Seiten einlassen – Nervenkitzel inklusive: Wer wird Zielscheibe der „fiesen Saftschubsen“?

Jetzt aber raus hier! Ihr Mathias Schwappach