Kleine Kehrwoche

Klares europäisches Zeichen

Unbenannt
Eine Punkteverteilung vom ESC - allerdings nicht aus diesem Jahr! Trotzdem sieht man die Ukraine weit oben, Deutschland ganz hinten. Zumindest eines von beiden ist inzwischen Trend.

Es war absehbar. Die Bitterkeit des Abschneidens vom deutschen Beitrag beim Eurovision Song Contest (ESC) liegt indes weniger in der Platzierung. Sie liegt vielmehr in dem Bewusstsein, sehenden Auges den Verlierer-Platz angesteuert zu haben. Der NDR und Co wollten unbedingt rechthaben – obwohl sie nicht rechthaben.

Zunächst mal hat dieser Wettbewerb eines belegt, was vielen Zuschauern längst klar war: Es wird kaum nach Qualität der Musik abgestimmt, eher nach Sympathien. Dass es folgerichtig im Publikums-Voting fast durchweg „12 Punkte“ für die Ukraine hagelte, war zu erwarten – und es ist in Ordnung! Es kann nur jene stören, die völlig weltfremd die raffinierten Kompositionen vieler Songs bewundern und den Entertainment-Faktor hinten anstellen. Der ESC ist Party und nicht Musiktheorie!

Oft lese ich von Mitleid für die Gewinner, die urkainische Band „Kalush Orchestra“, da ihr Lied „Stefania“ nur aufgrund von Sympathien für ihr Land gewonnen hätte. Was muss einem daran leid tun? Sie haben gewonnen! Das Lied war zumindest interessant, man kann sich reinhören. Bisher wurde beim ESC zumeist vom Unterhaltungsfaktor her entschieden, diesmal eben Support für ein kriegsgebeuteltes Land demonstriert. Die oft über dem ESC wehende Regenbogen-Flagge ist auch mit ein Symbol von Unterstützung und Solidarität für Unterdrückte.

Über den ESC wurde ein starkes Zeichen von Europa für die Ukraine gesetzt; das Voting ist Signal eines Willens zum Zusammenhalt und Hilfe zu gewähren. Auch wenn versucht wurde, durch die Nennung weiterer Favoriten künstlich Spannung aufzubauen, steuerte der Contest auf sein erwartbares Finale zu; und das ist auch gut so!

Was kann nun Deutschland daraus lernen? Falls der Wille da ist, beim ESC auf Erfolg zu setzen, muss sich vieles ändern. Man müsste zugeben, dass eine Band wie Electric Callboy – die ja via verklausulierter Borniertheit beim Vorentscheid ignoriert wurde – bessere Chancen auf Erfolg gehabt hätte. Es geht um Beliebtheit beim Publikum, die man sich musikalisch erwerben könnte. Solange aber angestaubte Sendeanstalt-Möchtegern-Musikexperten den ESC-Fans weiterhin diktieren wollen, was sie doch bitte „ESC-mäßig“ gut finden sollten, und was dagegen „überhaupt-nein-nie-nicht zum ESC“ passe – so lange können wir uns weiterhin auf Platz 25 einstellen.

Freundliche Grüße! Ihr Mathias Schwappach