Kleine Kehrwoche

Modernes „Trick or Treat“

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Überall dort, wo zu Halloween eine Kürbislaterne vor der Tür steht, gilt dies als Einladung für Kinder zum Süßigkeiten einsammeln. © Bany MM / Pixabay

„Kann man denn den Menschen vertrauen, dass sie bei den Süßigkeiten auf die Inhaltsstoffe und eventuelle Unverträglichkeiten achten?“ – Ich überlege kurz, ob meine Gesprächspartnerin mich gerade veräppeln will. Aber sie lacht nicht. Sie bleibt ernst. Und mir dämmert es, dass es das unbeschwerte „Trick or Treat“ – deutsch: „Süßes oder es gibt Saueres“ – offenbar nicht mehr gibt.

Zugegeben, in Deutschland hat dieser amerikanische Halloween-Brauch ohnehin keine lange Tradition. In der Nacht vor Allerheiligen, so die ursprüngliche Annahme, ist die Grenze zwischen den Welten so dünn, dass die Geister der Verstorbenen in unsere Welt hinüberwechseln und sich auf die Suche nach ihren Familien machen. Um ihnen den Weg zu weisen, stellt man eine Kürbislaterne vor’s Haus. Wenn sie uns finden, gibt’s einen leckeren Willkommensgruß, um die Geister milde zu stimmen.

Genau das ist es, was nun die Kinder in den USA an Halloween verkörpern: Die Geister aus dem Jenseits. Sie verkleiden sich, klopfen an jede Tür und erhalten einen „Treat“, eine leckere Kleinigkeit, um sie bei Laune zu halten und von der Idee abzubringen, irgendeinen Schabernack auszuhecken. Und weil „verkleiden, herumlaufen und haufenweise Süßigkeiten einsammeln“ nach einer netten Idee klingt, wurde das hierzulande vor einigen Jahren ebenfalls begonnen. Soviel zu dem Brauch.

Was macht aber nun der moderne Geister-Besänftiger, der weiß, dass bei weitem nicht jedes Kind alles verträgt? Wenn man den Klimagedanken dann noch mit einbringen und möglichst müll-vermeidend „treaten“ will, dann bleibt ja nur noch das eigene Backen. Und solch Selbstgebackenes wird – zwar weniger von den herumwuselnden Geistern, sehr wohl aber von den mitlaufenden Eltern – mitunter kritisch beäugt. Was ist da wohl drin? Ist es denn auch antiallergen, glutenfrei, zuckerfrei, laktosefrei und vegan? – Und hat es trotzdem noch Geschmack?

Keine Ketzerei, Bedenken sind okay. Trotzdem denke ich, dass selbst gebackene Kekse meist gesünder sind, als mancher Industrie-Schokoriegel. Wer prinzipiell argwöhnisch ist, wer was worin verbäckt, sollte das Sammeln auch im Hinblick auf Verpacktes besser lassen. Ein Blick in die Tüte schadet nicht, bevor sich die Kids über die Beute hermachen. Vorkosten ist auch erlaubt – aber nicht zu viel: Sonst trifft der „Zorn“ der Geister die Eltern.

Happy Halloween! Ihr Mathias Schwappach