Kleine Kehrwoche

Neue Fest-Konzepte

Axalant - cannstadter-wasen-g00aa1232c_1280
Viel Rummel-Spaß auf dem Cannstatter Wasen, völlig ohne Bierzelte. Ein denkbares Konzept für die Zukunft - oder doch nicht? © Axalant / Pixabay

Es gibt erste Bilanzen der Schausteller auf dem Cannstatter Wasen: War im Vorfeld noch mitunter geunkt worden, ein Wasen ohne Bierzelte könne nicht funktionieren, werden die Schwarzseher aktuell eines besseren belehrt. Die Besucher strömen, vor allem Familien mit Kindern. Die Stimmung beim Frühlingsfest ist ausgelassen, fröhlich, entspannt. Unsicherheiten und Aggressionen, oft hervorgerufen durch Trunkenbolde, sind rar.

Als Zeitungsleser merkt man es schon an den wenigen Polizeimeldungen: Prügelei, Streiterei, Sauerei – Fehlanzeige. Logisch, dass so wieder mehr Familien zum Fest pilgern: Wer sich früher einen Besuch zwei Mal überlegte und das Geld oft lieber in einen Freizeitpark – fernab aller Bierzelte – investiert hat, traut sich nun wieder auf den Wasen, um da den bunt blinkenden Rummel zu genießen.

Folgerichtig darf man also die Frage stellen, ob dieses Konzept eines Wasen-Events ohne Bierzelte auch ein zukunftsfähiges ist. Und darauf lautet die Antwort ganz klar: Jein! Dafür sprächen freilich die neue festbegleitende Friedlichkeit auf und rund um den Cannstatter Wasen, die glücklichen Familien, die zufriedenen Schausteller, die wenigen Polizeimeldungen. Aber darf man deshalb eine Zielgruppe, die gerne in Dirndl und Tracht auf Bierbänken stehend zur Party-Musik schwoft, und dabei mehrere „Maß Bier“ trinkt, künftig ausgrenzen?

Fakt ist, dass Deutschland nun einmal ein Biertrinker-Land ist, und einige Touristen genau deshalb hierher kommen, um solche Feste zu erleben. Das Münchner Oktoberfest hält im Guinness-Buch der Rekorde den Titel „Größtes Bierfestival“. Festgemacht ist dieser Rekord am Festjahr 2011: Dies zählte 6,9 Millionen Besucher, die in 35 Bierzelten auf 105.000 Sitzplätzen rund 7,5 Millionen Liter Bier tranken. Das Oktoberfest gilt als größtes Volksfest Europas; und der Wasen rangiert auf Platz 2.

Obwohl ich persönlich mir aus Bierzelten wenig mache, erkenne ich dennoch an, dass manch andere jene Festkultur lieben, weshalb man sie auch nicht wegdiskutieren sollte. Denkbar wäre, dem Familienfest künftig mehr Raum zu geben, also zeitlich und räumlich eine bessere Aufteilung der Zielgruppen zu finden: Mehr Familienzeiten etwa, in denen die Festzelte geschlossen haben. Und wem dies als Familie trotzdem zu Bier-lastig bliebe, dem bleiben ja als Alternative immernoch Freizeitparks.

Ein Prosit der Vergnüglichkeit! Ihr Mathias Schwappach