Kleine Kehrwoche

Nicht clever, sondern dreist!

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Über 70 Jahre lang war ein Mann aus dem englischen Nottingham mit dem Auto, aber ohne Führerschein unterwegs. © Pixabay

Derzeit wird Dreistigkeit oft mit „clever“ oder „willensstark“ verwechselt. Wer das Wohl aller anderen ignoriert, wähnt sich selbst besonders clever, hart, unbeugsam, tough. Solche Selbstbilder sind allerdings verklärt und trügerisch: Die Betreffenden sind tatsächlich nur dreist.

Ein Beispiel ist die Geschichte eines Mannes aus dem englischen Nottingham, der in eine Polizeikontrolle geriet. Dabei wurde entdeckt, dass der 1938 geborene Senior über 70 Jahre lang, nämlich seit seinem zwölften Lebensjahr, permanent ohne Führerschein oder Versicherung im Auto unterwegs war. Sowas hat selbst in Nottingham nichts mit „Robin Hood der Straße“ zu tun, es ist einfach nur dumm, höchst gefährlich und total dreist.

Passt zu der Geschichte eines Mannes, der in Meitingen bei Augsburg erstmal einen Autounfall verursachte. „Das passt schon“, soll er gesagt und dem Geschädigten einen Fünf-Euro-Schein vor die Füße geworfen haben. Laut Polizei belief sich der tatsächliche Schaden auf 750 Euro. Der Unfallverursacher fuhr davon, wurde aber von der Polizei erwischt, die zudem bei einem Alkoholtest noch einen Wert von 2,6 Promille feststellte. Der dreiste Säufer schlief seinen Rausch dann im Polizeiarrest aus.

Und dann war da noch der Student aus Florida, der sich statt Goodwill für Erpressung entschied: Der 19-jährige Jack Sweeney hat einen Bot programmiert, der automatisch und fortwährend die Flüge des Privatjets von Milliardär Elon Musk verfolgt und alle Daten über den Twitter-Account „ElonJet“ bekannt gibt: Start- sowie Landezeiten samt Orten und Flugdauer. Ganz ähnliche Accounts betreibt er für ein Dutzend weitere Promis.

Per Messenger wandte sich Elon Musk angeblich direkt an Sweeney: „Kannst du das abschalten?“, so zitiert CNN die Nachricht. „Ich mag die Vorstellung nicht, von einem Verrückten erschossen zu werden.“ Er soll dem Studenten dafür 5000 Dollar geboten haben. Jener lehnte ab, das sei nicht genug: Er wolle 50.000 Dollar für das Studium und einen Tesla „Model 3“. Darauf antwortete Musk nicht mehr. – Richtig so: Weshalb sollte er die Dreistigkeit und Erpressung dieses Grünschnabels belohnen? Wer studieren und Tesla fahren will, der muss eben dafür arbeiten und Geld verdienen. Und wer später womöglich einen Job bei den Visionären der Tech-Branche haben will, sollte diese womöglich nicht jetzt schon vergrätzen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach