Kleine Kehrwoche

„Phubbing“ schadet uns allen

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© Pixabay nastya_gepp

Sitzen Sie grade stirnrunzelnd am Tisch und fragen sich, ob Sie diesen Begriff kennen sollten? Nein, den Begriff müssen Sie nicht verinnerlicht haben, die damit beschriebene Aktion kennen Sie aber alle. „Phubbing“ bezeichnet die eigene Beschäftigung mit dem Smartphone, obwohl man eigentlich Gesprächspartner um sich hat. Das Wort setzt sich zusammen aus dem englischen Verb „to snub” – auf deutsch: „jemanden vor den Kopf stoßen“ – und dem „P” für „Phone”. Es heißt also quasi: „jemanden mit dem Smartphone vor den Kopf stoßen“.

Als kränkend oder unhöflich empfinden es die Meisten, wenn sie in Gesellschaft am Tisch sitzen, zu zweit oder zu mehreren, plötzlich jemand das Handy zückt und sich in die Inhalte auf dem Display vertieft. Gleichwohl wird über die damit einhergehende Rücksichtslosigkeit weitestgehend geschwiegen, weil es inzwischen so viele machen. Aber wird ein respektloser Umgang miteinander dadurch tolerabel, weil er immer öfter vorkommt?

In der Präsentation einer Studie der Baylor University in Waco, Texas, im Rahmen derer insgesamt 145 Paare zu ihrer Smartphone-Nutzung und ihrer Beziehungszufriedenheit befragt wurden, stellte sich heraus, dass das „Phubbing“ sich negativ auf die Beziehung auswirkt. Eine Erkenntnis war, dass sich Phubbing in Relation zur Zufriedenheit mit einer Beziehung steht. Anders gesagt: Wer in der Beziehung „Phubbing“ betreibt, drückt damit Unzufriedenheit aus. Wer es in hohem Maße tut, offenbart eine generell hohe Unzufriedenheit und ist folgerichtig sogar vergleichsweise anfällig für Depressionen.

Ebenso wie einer Beziehung, kann „Phubbing“ auch dem Verhältnis zu Freunden schaden. Sobald ein Verweilen auf dem Display höher gesetzt wird, als soziale Interaktion in einer freundschaftlichen Runde, schadet dies sowohl dem Gegenüber als auch einem selbst. Und wer jetzt relativiert, dass das Smartphone ja nur dort läge, falls etwas Wichtiges passiert, dem sei eine Studie der „University of Essex“ nahegelegt, die herausfand: Es reicht bereits aus, dass ein Smartphone in Griffnähe auf dem Tisch liegt, um zu signalisieren: „Ich höre dir nur halb zu.”

Eine Kompensation des daraus resultierenden „sich ausgeschlossen“-Fühlens ist übrigens, dass man selber zum Smartphone greift. „Phubbing“ ist demnach ein Teufelskreis, der sich nur gemeinsam durchbrechen lässt.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach