Kleine Kehrwoche

„Pushback“ wird „Unwort“

eye-gff5dd8200_1920
Das Wort "Pushback" ist "Unwort des Jahres", weil es das Zurückdrängen von Schutzsuchenden an einer Grenze beschreibt. © Pixabay

Das „Unwort des Jahres“ 2021 steht fest. Jenes gab die Universität Magdeburg vergangene Woche bekannt – doch lag die „Kehrwoche“ da schon in der Druckmaschine. Macht nix, widmen wir uns also diese Woche dem neudeutschen „Sieger“ der Juryauswahl: „Pushback“.

In einer Pressemitteilung der Universität heißt es: „Der aus dem Englischen stammende Begriff bedeuteoder. Der Begriff wird im Zusammenhang mit möglichen illegalen Zurückweisungen von Schutzsuchenden an Grenzen verwendet.“ Was der Jury im Zusammenhang mit jenem Begriff vor allem problematisch erschien und durch die Kür kritisiert wird, ist die Prägung eines cool klingenden Ausdrucks, der einen „menschenfeindlichen Prozess“ beschönigt.

Interessant ist, dass dieses neue „Unwort“ quasi aus der gleichen Vokabular-Blase stammt, wie schon eines der beiden „Unwörter“ 2020: Damals „gewann“ – neben der „Corona-Diktatur“ – das Wort „Rückführungspatenschaften“. Ein Begriff, der sich auf Regelungen der EU bezog, wonach Staaten, die eine Aufnahme von Flüchtlingen (moralisch fragwürdig) verweigerten, ihre solidarischen Pflichten in der Staatengemeinschaft stattdessen so erfüllen durften, dass sie Abschiebungen aus anderen EU-Staaten unterstützen. Die inhärente Ironie dieses Begriffs war von den prägenden Medien beabsichtigt: Anstatt der im Wortsinn beschützenden „Paten“, wurden hierbei die Helfer einer Abschiebung so tituliert.

Das Themenumfeld des letztjährigen „Co-Champions“, alles zu Corona, ist nun erst im hinteren Feld, etwa mit „Impfnazi“ vertreten. Platz 2 der diesjährigen Unwörter belegte indes die „Sprachpolizei“. Begründung der Jury: Damit würden „Personen diffamiert, die sich unter anderem für einen angemessenen, gerechteren und nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch einsetzten.“

Bis zum 31. Dezember konnten Vorschläge eingereicht werden; 1300 Einsendungen mit 454 unterschiedlichen Begriffen kamen an. Unter 45, die den zugrundeliegenden Kriterien entsprachen, kürte die Jury ihren „Sieger“. Zu den häufigsten Einsendungen zählten: „Tyrannei der Ungeimpften“ (287 Mal), „illegaler Kindergeburtstag“ oder auch „Querdenker“. In Österreich ist übrigens gerade Letzteres tatsächlich zum „Unwort des Jahres“ gewählt worden; die Schweizer küren seit 2016 keines mehr.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach