Kleine Kehrwoche

Schaffner und Ikea-Zombies

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Während einer Zugfahrt kann man vieles machen: Aus dem Fenster schauen, ein Buch lesen - oder die Fahrkarten der anderen Passagiere kontrollieren. © Melissa / Pixabay

Es gibt immer wieder diese Geschichten, die einfach zwingend in diese Kolumne gehören. Schließlich sollte man die Absurditäten des Alltags nicht nur revuepassieren lassen, sondern sie auch entsprechend würdigen! So lässt sich beim nächsten Small-Talk immerhin wieder ein kleiner Beitrag leisten, der alle zum schmunzeln bringt.

Starten wir mit einer Meldung über einen Vorfall, der sich so an einem Montag Ende November 2022 in einem Regionalzug von Albstadt nach Tübingen zutrug. Da fühlte sich am späten Vormittag ein 37-jähriger Fahrgast spontan dazu berufen, den Zugbegleitern den Wochenstart zu erleichtern und selbst die Kontrolle der Fahrkarten zu übernehmen. Er strich also durch den Zug, gab sich als Mitarbeiter der Deutschen Bahn aus und verlangte mit solcher Autorität ein Vorzeigen der Fahrkarten.

Das klappte erstaunlich lange ganz gut: Bereitwillig zeigten ihm angesprochene Passagiere ihre Fahrausweise. Bis er dann an eine 26-Jährige geriet, die ihre Zweifel an der Echtheit des Kontrolleurs hegte und ihre Fahrkarte daher nicht zeigte. Spätestens hier hätte die Scharade ein Ende haben können. Aber der 37-Jährige – leicht alkoholisierte – Mann ging so sehr in seiner Rolle auf, dass er sie also bis zum Ende durchspielte: Er rief die Polizei. Die kam auch, kontrollierte jedoch den Mann selbst. Er bekam eine Anzeige wegen „Verdachts der falschen Verdächtigung“ – interessant, was es nicht alles gibt.

„Falsch verdächtigt“ fühlte sich auch der Konzern Ikea, als man sich im Computerspiel des Briten Jacob Shaw wiederzuerkennen glaubte. Das Indie-Game „The Store is Closed“ – deutsch: „Der Laden ist geschlossen“ – spielt im Möbelhaus „Styr“, in dessen Kantine es unter anderem „Swedish Meat“ gibt. Ziel des Spiels ist es, den Ausgang aus dem geschlossenen Möbelhauses zu finden, wobei man sich die zu Zombies mutierten Mitarbeiter – in blau-gelben Hemden – vom Leib halten muss, indem man Gegenstände, etwa billige Möbel, als Waffen benutzt.

Ikea beauftragte die New Yorker Anwaltskanzlei Fross Zelnick, eine Umprogrammierung wegen Nutzung der Ikea-Symbole, daher „unlauterem Wettbewerb“, zu fordern. Jacob Shaw will sich mit dem Milliardenkonzern nicht anlegen und wird neue Farben und Möbel programmieren. Immerhin: Seiner Kickstarter-Kampagne gab der Zwist Aufschwung. Das Spiel soll 2024 erscheinen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach