Kleine Kehrwoche

Schall und Rauch – oder?

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Kindernamen
Ist der Vorname Schall und Rauch? © Adobe Stock monropic
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Portrait Mathias Schwappch fuer Kehrwoche. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der Volksmund sagt, man solle ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen. Und Gleiches gilt auch bei Menschen, vor allem bei Kindern, für deren Vornamen.

Neben der aktualisierten Hitliste der beliebtesten Vornamen für Neugeborene im Jahr 2019 gibt es auch eine Statistik, welche Namen seit einigen Jahren in irgend einer Form negativ behaftet sind – und so bei einer Namenswahl selten bis gar nicht mehr auftauchen. Erstmals aufgefallen war dies 2009, als die Namen Kevin, Chantal, Justin und Mandy gemäß einer Studie oft zu Vorurteilen von Lehrern gegenüber den so benannten Kindern führten. – Jene Namen waren damit quasi „verbrannt“.

Ein ähnliches Schicksal widerfährt aktuell dem Namen „Alexa“. Seit 2014 die virtuelle Amazon-Assistentin durch Namensnennung in Gang gebracht wird, ist der Name auf der Rangliste deutlich abgestürzt. Gemäß Statistiken der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) wurde er 2020 deutschlandweit bisher erst zwei Mal vergeben. In der Hitliste rangierte „Alexa“ noch 2010 auf Platz 200 – und rutschte bis 2019 ab bis auf Rang 1064.

Besonders gefährdet, einenähnlichen Absturz hinzulegen, ist heuer der der Name „Greta“. Noch 2019 hatte man vermutet, dass der Name durch die Prominenz der jungen schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg womöglich noch gewinnen könnte. Das Gegenteil ist der Fall: Aktuell liegt er etwa auf Rang 100, Tendenz fallend. Und wer will es den Eltern verdenken: Wenn zum Beispiel – nur um beim Bild der Studie von 2009 zu bleiben – so ein klimaschutzkritischer Lehrer an einem Freitag feststellt, dass „Greta“ fehlt, was wird er da wohl denken?

Der wohl am nachhaltigsten negativ geprägte deutsche Name „Adolf“ wird übrigens trotz negativer Konnotation weiterhin vergeben; allein 2019 ganze 13 Mal – jedoch nur als Folgenamen. Ob die Eltern den Kindern so etwas Gutes tun, sei dahingestellt: Jürgen Gerhards, Soziologe an der Freien Universität Berlin, bezeichnete den Namen sogar einmal als „Stigma“ für seine Träger. Wenngleich das den Kindern gegenüber doch extrem unfair ist: Was können sie schon für die Hintergedanken der Namenswahl der Eltern – egal in welche Richtung? Letztlich sind Namen zunächst nur „Schall und Rauch“ – und jeder muss seinen eigenen Namen durch sein Handeln in seinem Umfeld „neu“ prägen dürfen. Und nur das zählt.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach